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Schilderungen einer Flucht

Ausstellung im Freya-Frahm-Haus Schilderungen einer Flucht

Völlig erschöpft liegen seine beiden kleinen Töchter in Griechenland auf der Straße – zu sehen auf einem Foto des Fluchtwegs der Familie von Talal Barhoum aus Syrien, das Teil der Ausstellung „Gestrandet“ ist, die am Mittwochabend im Freya-Frahm-Haus in Laboe eröffnet wurde.

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Talal Barhoum aus Syrien ist einer der Flüchtlinge, dessen Weg nach Europa in der Ausstellung erzählt wird. Das Foto zeigt seine Töchter während der Flucht in Griechenland.

Quelle: Thomas Christiansen

Laboe. Seit zehn Monaten lebt er mit Frau und Kindern in Laboe, erzählt der 34-Jährige, der schon gut Deutsch spricht. Als der Bürgerkrieg in Syrien begann, verlor er Geschäft und Arbeit, fand später einen Job als Kranführer im Libanon, wurde mehrfach verhaftet. Er saß erst in syrischen, dann in libanesischen Gefängnissen, wo er geschlagen und gefoltert wurde. Seitdem sind seine Zähne abgebrochen und schief, heißt es in dem an der Wand hängenden Bericht seiner Flucht. Die führte nach der Freilassung über die Türkei in einem kleinen Schlauchboot nach Griechenland und endete schließlich in Laboe. „Uns geht es hier sehr gut. Uns wird so viel geholfen. Mit meinen kaputten Zähnen werde ich zum Zahnarzt gehen können. Vielen Dank an Deutschland!“, endet sein Text.

Den hat ebenso wie elf weitere Joachim Rathke bearbeitet, der zusammen mit Anni Kowalski die Ausstellung zusammengestellt hat. „Wir haben versucht, ihren Persönlichkeiten näherzukommen“, erklärt Rathke. Die Geschichten der jetzt in Laboe, Brodersdorf und Wendtorf lebenden Flüchtlinge aus Syrien, dem Jemen, Afghanistan und Eritrea seien stellvertretend für andere. Mit manchen Flüchtlingen liefen die Gespräche auf Englisch, bei anderen halfen Flüchtlinge als Dolmetscher. „Man könnte an Abenteuerromane denken, wenn es nicht so gruselig wäre“, meint Rathke zu den Schilderungen der Flucht.

Die Fotos der Flüchtlinge wurden in der Ausstellung durch dokumentarische Fotos ergänzt. Zu sehen sind zum Beispiel auch Fotos der Stadt Homs vor und nach dem Krieg. Im oberen Stockwerk des Freya-Frahm-Hauses sind außer weiteren Texten und Fotos auch Kunst- und Alltagsgegenstände aus dem Jemen ausgestellt, die das Haus als Leihgabe erhielt. In einem Raum läuft eine WDR-Dokumentation über Fluchtwege in einer Dauerschleife, ein weiterer Film ist für die arabische Küche vorgesehen. Auf dem Dachboden stehen Kassettenrekorder, die traditionelle und moderne Musik aus den Herkunftsländern abspielen. „Es ist eine Ausstellung, die möglichst viele Sinne anspricht“, sagt Rathke.

Kulinarischer Abend mit Heimat-Gerichten

Die Ausstellung „Gestrandet“ ist im Freya-Frahm-Haus, Strandstraße 15, bis zum 29. August montags bis donnerstags von 13 bis 21 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Im Dezember soll sie in überarbeiteter Form erneut in Laboe gezeigt werden und später eventuell als Wanderausstellung weiterziehen. Für Sonnabend, 20. August, 19 Uhr, wird eine kulinarischer Abend vorbereitet. Flüchtlinge bereiten Gerichte aus ihrer Heimat zu und bieten Kostproben an. Für diesen Abend sind Anmeldungen unter Telefon 0172/8095191 erforderlich.

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Ein Artikel von
Thomas Christiansen
Ostholsteiner Zeitung

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