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Signal gegen das Vergessen

Ausstellung in Preetz Signal gegen das Vergessen

Die Ausstellung zum Thema „Geflohen, vertrieben – angekommen!?“ die am Dienstagabend im Preetzer Ratssaal eröffnet wurde, könnte kaum aktueller sein. Initiiert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranschaulicht sie Aspekte der Gewaltmigration im 20. und 21. Jahrhundert.

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„So wie die Kinder hier auf dem Bild sahen wir auch aus, notdürftig bekleidet, kaum vernünftige Schuhe an den Füßen“, erzählt Eva Lüders, die als Siebenjährige mit ihrer Mutter und zwei Schwestern bei eisiger Kälte aus Ostpreußen fliehen musste.

Quelle: Anne Gothsch

Preetz. Damals wie heute seien die Gründe und Umstände der Flucht von schrecklichen Ereignissen, unvorstellbarer Gewalt, Hass und Angst geprägt, aber auch von helfenden Händen, die Menschen in Not auffangen, nannte Bürgermeister Björn Demmin Parallelen. „Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich sowohl die Einwohnerzahl im Kreis Plön als auch die in Preetz in kurzer Zeit verdoppelt. Das war damals, als auch die meisten Menschen in Schleswig-Holstein bittere Not litten, eine unglaubliche Herausforderung. Und heute, da unsere Lebensumstände ungleich komfortabler sind, sollen wir das nicht schaffen?“, fragte Demmin. Er berichtete, dass die aktuell in Preetz lebenden Flüchtlinge gerade mal 1,78 Prozent der Bevölkerung ausmachten. „Was mich freut, und wofür man nicht oft genug Danke sagen kann, ist die Tatsache, dass sich damals wie heute viele Menschen um die Ankommenden gekümmert haben und noch täglich kümmern. Das zieht sich wie ein roter Faden durch Preetz, und darauf können wir stolz sein“, betonte Demmin.

 Peter Sönnichsen, Vorsitzender des Volksbund-Kreisverbands Plön, nannte die Ausstellung ein wichtiges Signal gegen das Vergessen und für die gesellschaftliche Verantwortung jedes Einzelnen, denn schließlich sei der nächste Kriegsherd nur wenige Flugstunden von uns entfernt.

 Vergessen kann auch Kurt Lenz die schrecklichen Ereignisse nicht, die er als Zwölfjähriger vor und während der Flucht aus dem damaligen Pommern nach Schleswig-Holstein erleben musste. „Aber ich erinnere mich auch noch daran, dass wir bei unserer Ankunft zunächst im Kreis Schleswig-Flensburg die unglaubliche Ruhe und die Möglichkeit, ohne Angst vor weiteren Gräueltaten schlafen zu können, erst gar nicht fassen konnten“, so Kurt Lenz.

 Auch Eva Lüders (Jahrgang 1937) hat noch viele traurige Erinnerungen an die Zeit, als sie als Siebenjährige mit ihrer Mutter und zwei Schwestern aus Ostpreußen fliehen musste. Von Oktober 1944 bis Mai 1945 seien sie bei eisiger Kälte unterwegs gewesen und nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Lübeck war das Mädchen Vollwaise: die Mutter an Erschöpfung gestorben, der Vater im Krieg gefallen. Bis heute engagiert sich Eva Lüders in der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit (in der früheren Provinz Ostpreußen) und kümmert sich um die dazugehörige „Heimatstube“ in der Preetzer Gasstraße 7. Dort kommen auch heute noch Suchanfragen nach vermissten Angehörigen an.

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