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Barrierefreiheit in weiter Ferne

Preetz Barrierefreiheit in weiter Ferne

„Eine Innenstadt voller Barrieren“ – diese Kritik hatte der Preetzer Behindertenberater Hans-Jürgen Biastoch im Juni im Ausschuss für Kinder- und Jugendangelegenheiten, Sport, Soziales und Gleichstellung geäußert. Jetzt zog er eine bittere Bilanz: Getan hat sich in den vergangenen Monaten nichts.

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Hans-Jürgen Biastoch verwies schon im vergangenen Sommer auf die Probleme mit dem holperigen Marktplatzpflaster.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. Er sei nur ein einziges Mal zur Beratung angefordert werden, berichtete er in der jüngsten Zusammenkunft des Ausschusses. Da sei es um die Überquerung der sanierten Pohnsdorfer Straße gegangen. Zur Umgestaltung des Marktplatzes habe er seine Vorstellungen erläutert. „Als Rollstuhlfahrer oder mit Rollator kommt man nicht über das Pflaster“, wiederholte er seine Kritik. „Dass man nicht alles rausreißen kann, ist mir klar“, sagte er. Aber vielleicht könne man mit Bordmitteln des Kommunalbetriebs einen ebenen Übergang schaffen. „Ich habe aber den Eindruck, dass es gar nicht gewollt ist.“

 Paradox sei die Situation an der Schwimmhalle. „Es gibt jede Menge Behindertenparkplätze vor der Tür, aber als Rollstuhlfahrer komme ich nicht ins Wasser.“ Für einen Behindertenlift in der Schwimmhalle habe er Angebote eingeholt. Es gebe Lifte, für die man nicht bohren müsse und die man bewegen könne. Aber auch da seien keine Reaktionen gekommen. „Ich gehe davon aus, dass es von den politischen Gremien gar nicht gewollt wird.“

 Weiteres großes Thema sei die Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden. Da bestehe in Preetz noch ein sehr großer Nachholbedarf, meinte Biastoch und verwies auf die UN-Behindertenrechtskonvention.

 Sven Wilke von der Verwaltung erklärte, dass die Behindertenparkplätze vor der Schwimmhalle unter anderem für die Versehrtensportgruppe eingerichtet worden seien. Er berichtete, dass es nur einen sogenannten Nass-Rollstuhl für den Besuch im Schwimmbad und eine behindertengerechte Umkleidekabine gebe. „Aber es ist alles sehr eng.“

 Michael Howe (FDP) zeigte sich verwundert, dass der Behindertenberater nicht häufiger einbezogen worden sei. Der ehemalige Bürgermeister habe erklärt, dass der Beckenrand für einen Lift nicht stabil genug sei. „Das sollte die Verwaltung jetzt mal ermitteln. Wir stehen der Anschaffung nicht im Wege“, betonte er. Auch André Rehder (SPD) fand es „traurig“, dass Biastoch nur einmal angefordert worden sei. „Ich bin erstaunt, dass wir von der Verwaltung gar nichts erfahren haben von Kostenvoranschlägen für einen Lift.“ Auch Thomas Wulff (CDU/FWG) wurde deutlich: „Ein Rollstuhlfahrer muss die Möglichkeit haben, ins Wasser zu kommen.“

 Irena Scheicher (Bündnis90/Die Grünen)beantragte, einen Behindertenbeauftragten mit mehr Rechten einzusetzen und die Aufgaben in einer Satzung zu regeln. „Wir brauchen jemanden, der sich mit dieser Aufgabe identifiziert und auch selbst betroffen ist.“ Die Behindertenrechtskonvention komme auf jeden Fall. Man müsse einen Plan erstellen, was wann wo zu tun ist. Es gehe darum, Menschen mit Einschränkungen das gleiche Recht zuzugestehen und sie nicht immer in Situationen zu bringen, in denen sie um Hilfe bitten müssen. Dieser Antrag wurde angenommen.

 Biastoch hofft weiter auf Umbauten. Vor allem auf dem Marktplatz: „Sie müssen sich mal in den Rollstuhl setzen!“, appellierte er an die Kommunalpolitiker. Zwischen den Steinen auf dem Marktplatz klafften tiefe Löcher. „Da sind Sie froh, wenn Sie nicht rausfallen.“ Kürzlich habe er sich einen gerade erst neu montierten Reifen kaputt gefahren. „Man kann was ändern, wenn der Wille da ist.“

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