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Momente der Freude

Belau Momente der Freude

Für Mohammad Taha Al Smail (55) ist es der schönste Moment, wieder auf einer Violine spielen zu können. Bei der Flucht aus Syrien vor fünf Monaten hat der Berufsmusiker vieles zurückgelassen. Auch sein Instrument. Nun wurde ihm eine Geige gespendet.

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Mohammad Taha Al Smail und sein Sohn Esmail Al Smail freuen sich, wieder gemeinsam musizieren zu können. Die Gitarre konnte sich der Sohn selber kaufen.

Quelle: Orly Röhlk

Belau. Eine unbekannte Spenderin gab das Instrument in der Gemeinschaftsunterkunft in Belau ab. Hier lebt der Asylbewerber seit fünf Wochen mit Sohn Esmail Al Smail. Doppeltes Glück: Der 20-Jährige verfügt seit Kurzem wieder über eine eigene Gitarre.

 Wenn Vater und Sohn gemeinsam musizieren, klingen die arabischen Melodien wie spanischer Flamenco. Das assoziiert nicht nur Bürgermeister und Amtsvorsteher Jörg Engelmann, der die 19 Männer in der Belauer Gemeinschaftsunterkunft mit Heinz Michalske, dem Flüchtlingskoordinator des Amtes Bokhorst-Wankendorf, betreut. Engelmann schaut regelmäßig vorbei, fährt die jungen Syrer zum Einkaufen. Die Spenderin der Violine habe er nie gesehen, aber seine Frau wechselte offenbar einmal ein paar Worte mit ihr, erzählt Engelmann. Es soll sich um eine Dame aus Schmalensee handeln, die helfen möchte und die ebenfalls von Zeit zu Zeit in Belau vorbeikommt. „Sie fragte, welche Instrumente fehlen.“

 Mit ihrem Geschenk hat die Spenderin dafür gesorgt, den Alltag der Asylbewerber zu erhellen, die auf ihre Anerkennung warten. Dann will Mohammad Taha Al Smail seine Frau und den jüngeren Sohn (14) nachholen. Beide leben noch in Damaskus. In der vergangenen Nacht sei dort eine Bombe explodiert, wenige Meter von der Wohnung entfernt, hat Taha Al Smail erfahren: „Dort ist es sehr gefährlich.“ Noch ist sein Deutsch nicht so gut, weshalb Bilal Al-Soboh übersetzt. Den jungen Syrer hat Deutschlehrerin Susanne Rothenburg mitgebracht, Sie unterrichtet freitags mehrere Stunden in Belau. Auch Adnan Shhatha dolmetscht. Der 32-Jährige hat in Deutschland Informatik studiert, schildert kurz seine Geschichte: Er ist erleichtert, Frau und Kind seien am Tag zuvor angekommen.

 Das ist für Al Smail noch ein fernes Ziel. Im Gespräch wird deutlich, was er verloren hat. Der Syrer ist Geigenbauer und Geigenlehrer, Sohn Esmail Gitarrenlehrer. Esmail wollte in Syrien Wirtschaft studieren, aber dort gebe es keine Lehrer mehr. Mit der Flucht gelang es ihm, dem Kriegsdienst zu entrinnen. Wegen des Krieges war es Taha Al Smail unmöglich, seinen Beruf weiter auszuüben. Die Organisation Islamischer Staat habe die Musik verboten. „Alle Leute sind in Trauer bei uns, aber Musik ist Freude“, sagt Taha Al Smail.

 „Er war sehr aufgeregt, als die Violine kam. Es war für ihn der allerschönste Moment“, übersetzt Al-Soboh. Die gesamte arabische Musik habe er im Kopf, erzählt Al Samil, er könne aber auch andere Komponisten anhand von Notenblättern spielen.

 Sein jüngerer Sohn, der in Syrien zurückblieb, sei viel besser auf der Violine als er selbst, berichtet der Vater stolz. Zusammen mit seiner Frau, die Flöte spielt, und den Söhnen habe er oft zu Hause musiziert. Al Smail hofft, sie bald wiederzusehen.

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