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Bewährungsstrafe nach filmreifer Flucht

Ostseepark Schwentinental Bewährungsstrafe nach filmreifer Flucht

Das Kieler Landgericht hat einen 70-jährigen Rentner nach einem Diebstahl in einem Möbeldiscounter im Ostseepark Schwentinental zu einer zehnmonatigen Bewährungsstraße verurteilt. Bei seiner Flucht im Pkw hatte er den Marktleiter, der ihn verfolgte, von der Motorhaube katapultiert.

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Tatort Roller-Markt im Ostseepark: Der Ladendieb ließ sich auf der Flucht auch vom Filialleiter nicht stoppen.

Quelle: Andrea Seliger

Kiel/Schwentinental. Der Rentner (70) musste sich am Donnerstag als Angeklagter wegen schweren räuberischen Diebstahls, Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Unfallflucht verantworten.

 „Spontan und ohne zu wissen warum“ will der nicht vorbestrafte Senior vor zwei Jahren im Eingangsbereich eines Möbeldiscounters im Ostseepark Raisdorf zwei Pakete mit Lampen mitgenommen und schnellen Schrittes direkt zum Auto getragen haben. Der Marktleiter (35) beobachtete den Gelegenheitstäter, lief hinterher und forderte ihn auf dem Parkplatz wiederholt zum Stehenbleiben auf.

 Doch der Dieb schaltete auf stur, ignorierte den Verfolger und setzte sich ans Steuer. Der Zeuge stellte sich dem silberfarbenen Kombi in den Weg. „Ich hätte nie gedacht, dass er durchstartet.“ Nach eigenen Worten wollte sich der Filialleiter durch einen Sprung zur Seite vor dem anfahrenden Pkw retten, landete aber seitlich auf der Motorhaube. Der unfreiwillige Passagier klammerte sich am Scheibenwischer fest, wurde jedoch nach wenigen Metern beim Einbiegen vom Parkplatz in die Hauptstraße abgeworfen und verletzt. Bei der unsanften Landung auf dem Asphalt erlitt er Abschürfungen und Prellungen an den Beinen, der Hüfte und im Nackenbereich. 750 Euro Schmerzensgeld hat der Angeklagte ihm inzwischen bezahlt.

 Die Spuren sind verheilt, der Zeuge nahm die Entschuldigung des Angeklagten auf dem Gerichtsflur offen an. „Alles gut“, meinte er freundlich, reichte ihm die Hand und sprach von einer panikartigen Kurzschlussreaktion. „Ich hoffe, dass Sie nicht so hart bestraft werden.“ Auch die Staatsanwältin rückte schließlich vom ursprünglichen Vorwurf des schweren räuberischen Diebstahls unter Einsatz eines gefährlichen Werkzeugs ab.

 Somit blieben dem Angeklagten fünf Jahre Mindeststrafe erspart. Das Urteil beschränkte sich auf einfachen Diebstahl, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Körperverletzung, Nötigung und Unfallflucht. Die Strafkammer sah einen minder schweren Fall und ließ den 70-Jährigen für den „massiven Angriff“ auf den Zeugen mit einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe ziehen.

 Einen zweiwöchigen Aufschlag gab es für den Diebstahl im Möbelhaus. Damit der Angeklagte die Sanktion spürt, muss er seinen Führerschein für zwei Monate abgeben. Auf der Flucht hatte ihn die Überwachungskamera einer Tankstelle aufgezeichnet. Zwar blieb das Kennzeichen seines Autos unleserlich. Doch von seinem seltenen Fahrzeugtyp waren im Kreis Plön nur 17 Exemplare gemeldet. Die Polizei klapperte die Halter ab und wurde Wochen später in einer kleinen Gemeinde fündig: Der rechte Scheibenwischer des Pkw war noch verbogen, die Kratzer vom Gürtel des Zeugen auf der Motorhaube waren unter Aufklebern verborgen.

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