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Spitzenpreise für alte Körbe

Bieter-Gefechte in Schönberg Spitzenpreise für alte Körbe

Wäre er nicht schon Leiter einer Grundschule in Kiel, Hauke Muhs könnte eine Laufbahn als Auktionator einschlagen. Lautstark und mit Witz brachte der 51-Jährige Schönberger gebrauchte Strandkörbe an den Mann oder die Frau. 77 Interessenten lieferten sich Bieter-Gefechte um 56 Objekte.

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Beschwingte Parade

Auktionator Hauke Muhs feuert sein Publikum an. Er versteigerte 56 gebrauchte Strandkörbe – zum Teil zu erlesenen Preisen.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Schönberg. 750 Strandkörbe hält der Tourist-Service am Schönberger Strand für seine Gäste im Sommer bereit. Es sind keine Billig-Schutzhütten wie aus dem Baumarkt. Sie stammen aus der Strandkorbfabrik Eggers in Mölln, Neupreis rund 600 Euro. Die Sommer-Urlauber sollen sich darin ja wohlfühlen können.

 Und wer von den Körben nicht mehr gut genug für den Alltagsbetrieb an der Ostsee ist, aber noch zu schade zum Wegwerfen, landet bei der traditionellen Versteigerung, die der Tourist-Service alle paar Jahre organisiert. Bereits anderthalb Stunden vor Beginn der Auktion tummeln sich die Kauflustigen in der großen Halle des Schönberger Bauhofs. Sie nehmen jeden einzelnen Strandkorb genau unter die Lupe. Rütteln an den Seitenwänden, klappen den Sonnenschutz, die Fußbank und die Tischchen an der Seite aus. Gaby Ehlert (Holm) und Bernhard Nabel (Kiel) suchen einen Strandkorb für den Garten. Sie sind nicht enttäuscht vom Angebot, aber: „Einige Macken haben sie aber.“ Auf einer genauen Liste notieren sie, welcher Strandkorb überhaupt ein Angebot lohnt. Bis 200 Euro sind sie bereit, dafür auf den Tisch zu legen. Sie hoffen aber, möglichst wenig zu zahlen. Doch an diesem Tag übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich.

 Hauke Funk (Schwartbuck) und Kai Fründt (Krummbek) sind „Auftragsbieter“. Und zwar wünschen sich ihre Gattinnen so einen windgeschützten Ruheplatz ebenfalls für den Garten. Fründt verbindet sein Engagement bei der Versteigerung auch mit einer Liebeserklärung: „Meine Frau kommt für mich an erster Stelle.“ Vorsichtshalber nur 100 Euro habe er sich in die Tasche gesteckt. „Mehr kann ich dann nicht ausgeben“, sagt der selbstständige Zimmermann, der in der Kluft seiner Zunft erschienen ist.

 Auktionator Hauke Muhs treibt seine Späßchen mit den Bietern. „Du hast doch gar nicht soviel Taschengeld“, sagt er zu einem jungen Mädchen, dessen Papa und Mama hinter ihr stehen. Mehrmals versucht sie ohne Erfolg, einen Strandkorb zu ergattern. Immer bieten die anderen mehr. Endlich gelingt es nach mehreren Versuchen: Bei 130 Euro steigen die anderen aus, das Mädchen bejubelt seinen Coup.

 Muhs hat es nicht leicht. Viele heben erst ihr Schild mit der Bieternummer hoch, wenn er bereits zum Hammerschlag ausholt und „Zum zweiten und zum...“ ruft. Die Versteigerung zieht sich dadurch in die Länge. „Wenn das so weitergeht, sind wir Weihnachten noch nicht fertig“, sagt er. Aber die große Nachfrage treibt auch die Gebote in die Höhe. Der Spitzenpreis, den er an diesem Tag aus der Zuschauerschar herauslocken kann, liegt bei 265 Euro. Insgesamt sechs Strandkörbe gehen für mehr als 200 Euro weg. Selten saß den Bietern in Schönberg das Geld so locker in der Tasche. Am Ende zählten die Veranstalter 6150 Euro in der Kasse. Das reicht ziemlich genau für die Anschaffung von sechs neuen Strandkörben. Irgendwann gehen aber auch sie in die Versteigerung.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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