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Historisches Beweisstück gefunden

Bismarckturm Historisches Beweisstück gefunden

Eine kleine Meinungsverschiedenheit unter Lokalhistorikern ist nun klar entschieden. Der Bismarckturm in Lütjenburg ist bereits seit seiner Einweihung am 2. September 1898 dem früheren Reichskanzler Otto von Bismarck gewidmet. Eine Postkarte aus dem Jahr lieferte den endgültigen Beweis.

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Ein besonderer Gruß aus Lütjenburg: Kuno von Bieberstein zeigt die Vergrößerung einer Postkarte vom Bismarckturm. Der Poststempel und das Datum beweisen: Das Wahrzeichen trug von Anfang an den Namen des deutschen Reichskanzlers.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Entdecker Kuno von Bieberstein ist fast aus dem Häuschen, besser gesagt: Türmchen. Bisher hieß es in der lokalen Geschichtsliteratur, dass der Turm erst Jahre nach seiner Einweihung mit dem Namen Bismarck geadelt wurde. Die Lütjenburger seien wegen der Annektion Schleswig-Holsteins durch Preußen im Jahre 1864/1867 noch viel zu verschnupft gewesen, um dem preußische Urgestein Bismarck schon im September 1898 einen Turm als Denkmal zu setzen. Dieses Bild stimmt nun nicht mehr, wie die Postkarte beweist. Der Poststempel, auf der die Bezeichnung „Bismarck-Thurm“ festgehalten ist, zeigt den 21. Dezember 1898 als Datum. In der realistischen Ansicht der Stadt sind deutlich begrünte Bäume zu erkennen. Der Zeichner setzte sich wohl gleich noch im September daran und malte sein Werk, ist sich von Bieberstein sicher.

 Die Ansicht entspricht exakt der städtischen Bebauung. Und von Bieberstein weiß auch, wo der Zeichner oder der Fotograf, der die Vorlage geliefert haben könnte, gestanden hat: auf dem Turm der St.-Michaelis-Kirche. Man erkennt die zwei Gebäude am Markt, in denen heute das Sporthaus Gehrmann und Kick residieren. Zu sehen ist das Henrici-Stift. Und aus der Ferne grüßt Darry.

 Der Inhalt der Postkarte erzählt eine anrührende Geschichte. Darin bedanken sich Großeltern aus Lütjenburg für einen „Zündholzhalter“, den die Enkeltochter Lilly ihnen geschenkt hatte. Lilly wohnte damals in Kiel in der Fleethörn 9, in direkter Nachbarschaft zum Hauptsitz der Kieler Nachrichten. Die Oma ließ ihre Lilly wissen, dass sie den Zündholzhalter genau zwischen den Sessel von ihr und dem Großvater anbringen ließ. So könnten beide gleich gut die Zündhölzer erreichen. Aus dem Zusammenhang lässt sich schließen, dass die Eltern noch mit Petroleum-Lampen das Zimmer ausleuchteten.

 Auch zum Herausgeber der Karte H. O. Schmidt gibt es eine Anekdote. Er war Uhrmacher in Lütjenburg und gehörte der Turmbaukommission an. Schmidt steht für eine besondere Erfindung, die es bis heute gibt. Er dachte sich eine Kontrolluhr aus, in der das Wachpersonal sich einstempeln musste, um zu zeigen, dass es wirklich vor Ort war.

 Von Bieberstein ist glücklich über seinen Fund. Er kannte das Motiv, war aber auf der Suche nach einem möglichst frühen Poststempel auf einer Karte. Nach drei Monaten intensiver Suche bei Internetportalen gelang es ihm, sich die Karte vom Dezember 1898 zu sichern. Er siegte bei einer Auktion. Über den vermutlich recht stattlichen Preis bewahrt er Stillschweigen. „Das ist mein Geheimnis“, sagt von Bieberstein mit einem Schmunzeln. Aber die Postkarte sei jeden Cent wert.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
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