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Blitzender Chrom im Klosterhof

Oldtimertreffen Preetz Blitzender Chrom im Klosterhof

Als um 10 Uhr die Glocken der Klosterkirche in Preetz läuten, ist der von historischen Gebäuden umgebene Klosterhof schon gut gefüllt. Alte Autos mit blitzendem Chrom und glänzendem Lack tuckern langsam durch das Klostertor über das holperige Kopfsteinpflaster zum Oldtimertreffen.

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Erwin Carstens begeisterte mit seinem Fod T Speedster aus dem Jahr 1915.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. Erwin Carstens ist gleich in der Einfahrt liegen geblieben. „Abgesoffen“, sagt er lapidar, öffnet die Motorhaube und reinigt nach und nach alle Zündkerzen des Vierzylinders. Schon nach kurzer Zeit bildet sich eine neugierige Traube um das Gespann. Der 73-Jährige fällt in seinem weißen Overall mit Lederkappe und Fliegerbrille genauso auf wie sein weißer Ford T Speedster Baujahr 1915, das mit Abstand älteste Auto an diesem Tag. Er muss sich immer etwas wärmer anziehen, verrät er, weil es in seinem offenen Auto zieht – und die Windschutzscheibe ist auch nur eine kleine runde Scheibe direkt über dem Lenkrad.

Nachdem die Zündkerzen wieder reingedreht sind, stellt der Hamburger auf „viertel Gas“ und schaltet die Summerzündung zu, bevor er den Hebel dreht. „Es ist eine Spätzündung, weil ich sonst einen Rückschlag kriegen und mir den Arm brechen würde.“ Schon erklingt das sanfte Tuckern des Motors. Das Auto hat er vor acht Jahren in New Jersey entdeckt und gleich gekauft. „Es ist eine fantastische Atmosphäre hier im Kloster“, lobt Carstens noch schnell, bevor er wieder einsteigt, mit dem linken Pedal den ersten Gang einlegt, am Lenkradhebel Gas gibt und sich einen Platz sucht.

Das Oldtimertreffen im Klosterhof mit seiner ganz besonderen Atmosphäre organisiert die Gesellschaft der Freunde des Klosters Preetz, die auch für die Verpflegung sorgt. Mit den Einnahmen wird die weitere Restaurierung der einmaligen Bilderbibel in der Kirche unterstützt.

Hier finden Sie Fotos vom Oldtimertreffen in Preetz.

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Ihre Verpflegung haben sich die Mitglieder des Automobilclubs Rendsburg selbst mitgebracht. Unter einem Baum haben sie zwischen ihren Autos ihre Tische und Stühle aufgebaut und frühstücken nun gemütlich zusammen. „Wir haben uns vorher verabredet, jeder sollte etwas mitbringen“, erzählt Wolfgang Dudek aus Westerrönfeld.

Ein paar Meter weiter parkt der silberfarbene Ford Capri von Folko Thiemer aus Preetz. Der Wagen war am 7. Februar 1969 ausgeliefert worden – „zehn Tage vor meinem Geburtstag“, erzählt er. Es war sein erstes Auto, das er sich im Dezember 1987 gekauft hatte. Er fuhr ihn zunächst noch täglich, doch irgendwann hat er ihn komplett restauriert. Der mit einem Silberfaden durchzogene Stoff auf den Sitzen ist noch original, das rote Kunstleder hat er jedoch von einem Sattler erneuern lassen. „Das war der einzige Wagen, der in den 70er-Jahren mit dem 911er mithalten konnte“, schwärmt er. Sein elfjähriger Sohn Lasse freut sich schon darauf, den Wagen selbst einmal zu fahren.

Ein Dreivierteljahr haben Rita und Alfred Naß aus Neumünster gebraucht, um ihren BMW 501 aus dem Jahr 1952 zusammenzubauen. Sie hatten den Barockengel von einem älteren Herrn gekauft, der sein größeres Anwesen aufgeben musste. „Der Wagen war komplett auseinandergenommen“, erzählen sie. Ein Schrottauto war auch der Opel Kapitän von 1951, den Bärbel und Max Miekley von der Insel Fehmarn blind per Telefon in Dänemark gekauft hatten. Heute erstrahlt er genauso wie die anderen historischen Schätzchen auf dem Klosterhof.

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