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Keine Lösung ohne Lärmschutzwände

Bundesstraße 76 und 430 Keine Lösung ohne Lärmschutzwände

Eine Wahlkampfveranstaltung des Bürgermeisterkandiaten Lars Winter (SPD) nahm sich eines Themas an, das vielen Plönern unter den Nägeln brennt – einigen bereits seit Jahrzehnten. Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele beantwortete vor rund 50 Besuchern Fragen zum Lärmschutz.

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Rund 20000 Fahrzeuge rollen mittlerweile tagtäglich durch Plön. Seit dem Bau der innerstädtischen Ortsumgehung im Zuge der Bundesstraßen 76 und 430 wird oft über den Lärmschutz nachgedacht und manchmal drüber geredet. Getan hat sich seit über 30 Jahren jedoch nichts.

Quelle: Peter Thoms

Plön. Die Aussicht auf die Errichtung von Lärmschutzwänden schwebt seit über 30 Jahren wie ein Damoklesschwert über der Kreisstadt. Nach dem Bau der Straße gab es nicht die geeigneten Messmethoden, um die Lärmschutzmaßnahmen zu berechnen, aber die unmissverständliche Anordnung, zu gegebener Zeit nachzurüsten. Passiert ist bis zum heutigen Tag nichts. Nur, dass der Verkehr mittlerweile zugenommen hat: Tag für Tag würden inzwischen rund 20000 Autos durch Plön fahren, so Lars Winter.

Die Plöner dürfen sich also nach wie vor über eine vierspurige Straße mit freier Sicht nach rechts und links freuen – wenn sie sich nicht gerade wieder über die Ampelschaltung ärgern, die von Technikern programmiert worden sein muss, die das Wort „Grüne Welle“ nicht kennen. Wie sehr aber die Bewohner der an der Straße liegenden Gebäude unter dem Verkehrslärm leiden, wurde in der Diskussionsveranstaltung deutlich.

Walter Fingerhut (Övelgönne), Ingo Rosenbaum (Rautenbergstraße), Manfred Rose (Friedrichstraße) oder Paul-Eggert Hamann (Heidbleken) fanden mehr oder weniger drastische Worte, wie sehr die Lebensqualität unter dem Lärm leide. Dass man das Grundstück nicht nutzen könne. Dass man sich ins Haus zurückziehen müsse, um ungestört reden oder telefonieren zu können. Sie verdeutlichten, dass ihr Problem nicht allein mit passivem Lärmschutz wie dem Einbau von Schallschutzfenstern, besseren Ampelphasen oder einem Tempolimit gelöst werden könne: Ohne Lärmschutzwände werde es keine Lösung geben, sind sich die direkten Nachbarn der Bundesstraße einig.

Bürgermeisterkandidat Lars Winter kann sich vorstellen, dass man die vier Fahrspuren der Ortsumgehung jeweils einen halben Meter schmaler mache, und man den so gewonnenen Platz für einen Radweg und Baumanpflanzungen nutze. So könne man den Eindruck einer „Ringautobahn“ vermeiden und die Verkehrsteilnehmer würden automatisch langsamer fahren.

Frank Nägele hatte sich auf den Besuch in Plön zwar gut vorbereitet, war dennoch ein wenig sprachlos: Es sei „kein Ruhmesblatt“, was Bund und Land sich in Plön leisteten. Noch erstaunter war der Staatssekretär, dass ein Vorstoß der Stadt Plön für eine Beschleunigung des Verfahrens vor einigen Jahren beim Landesbetrieb Straßenbau in Rendsburg zur Kenntnis genommen worden war, aber in seinem Ministerium offenbar nie angekommen sei. Straßenbau und Verkehrsentwicklung seien dicke Bretter, die über Legislaturperioden hinweg gebohrt werden müssten, räumte er ein, aber: „30 Jahre darf das auf gar keinen Fall dauern“.

Kleine Schritte auf dem Weg zu weniger Verkehrslärm seien gerade in Vorbereitung: An der Möglichkeit, in der Nähe von Kindergärten oder Altenheimen an innerörtlichen Bundesstraßen Tempo-30-Zonen einrichten zu dürfen werde momentan ebenso gearbeitet, wie an Maut für Lkw auf Bundes- und Landesstraßen, um zumindest den Schwerlastverkehr einzuschränken. Er riet den Plönern, das immer noch laufende Planfeststellungsverfahren auf keinen Fall zu unterbrechen, sondern so zügig wie möglich zu Ende führen: Dann könne man mit Planänderungsverfahren gestalterisch Einfluss nehmen und die Lärmschutzwände so bauen, dass die Plöner besser damit leben können: Statt nackten Betonwänden beispielsweise gläserne oder bepflanzte Elemente. Als flankierende Sofortmaßnahme empfahl er den Plönern, beim Kreis darauf zu drängen, dass stationäre Blitzer installiert werde, damit sich die Verkehrsteilnehmer ans Tempolimit halten.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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