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Die Bundeswehr schraubte eifrig mit

Panzerfund in Heikendorf Die Bundeswehr schraubte eifrig mit

Die Geschichte um den Weltkriegspanzer aus Heikendorf wird immer kurioser und hat jetzt auch die Bundeswehr erreicht. Diese half offenbar nicht nur bei der spektakulären Beschlagnahme des schweren Gefährts Anfang Juni mit zwei Bergepanzern, sondern setzte es zuvor selbst instand.

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 Ein Fund aus dem Villenkeller: Dieser 45 Tonnen schwere Weltkriegspanzer wurde in Millimeterarbeit vom Gelände gezogen.

Quelle: Frank Peter (Archiv)

Heikendorf. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Donnerstag auf Nachfrage. Zudem hat die Staatsanwaltschaft Kiel die Ermittlungen ausgeweitet, nachdem auf dem Anwesen des 78-jährigen Finanzmaklers Klaus-Dieter F. weitere mögliche Kriegswaffen gefunden wurden.

Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums halfen Experten des Wehrtechnischen Dienstes 41 aus Trier dem Heikendorfer Panzerbesitzer zwischen 2011 und 2014 bei der Instandsetzung des Motors. Dieser wurde zunächst ausgebaut, zu einer Fachfirma transportiert und dort repariert. Nach einem erfolgreichen Prüflauf wurde das Aggregat im März 2014 wieder eingebaut. Für die Dienstleistung stellte man Klaus-Dieter F. 28 317 Euro in Rechnung, die er prompt zahlte.

Rechtlich sei dieses Vorgehen nicht zu beanstanden, hieß es aus dem Ministerium, da sich an die entsprechenden Vorschriften gehalten wurde. Demnach sind der Bundeswehr sogenannte „Drittgeschäfte“ erlaubt, wenn dabei der Privatwirtschaft nicht unlautere Konkurrenz gemacht wird, die Bundeswehr freie Personalkapazitäten hat und die Kosten erstattet werden. Zudem muss das entsprechende Gerät „demilitarisiert“ worden sein. Für Panzerfahrzeuge bedeutet das konkret: Sie dürfen nicht fahr- und schussbereit sein. Zudem muss die Panzerung entfernt worden sein. Laut Ministerium waren sämtliche Punkte im Fall des Heikendorfer Panzers gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Kiel sieht das anders. „Es konnte bei wesentlichen Teilen keine Demilitarisierung entsprechend vorgegebener Richtlinien festgestellt werden“, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß. „Die Waffen sind funktionsfähig.“ Zudem lägen keine ordnungsgemäßen Bescheinigungen zum Besitz vor. Der Panzer wurde daher inzwischen ebenso wie die gefundene Flugabwehrkanone und ein Torpedo als Kriegswaffe eingestuft. Klaus-Dieter F. droht damit eine Anklage wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Auch die Bundeswehr muss mit einem formellen Ermittlungsverfahren rechnen.

Heß gab am Donnerstag bekannt, dass auf dem Grundstück des Heikendorfers noch mehr Waffen gefunden wurden als bislang bekannt. Dabei handelt es sich um einen Granatwerfer aus dem Zweiten Weltkrieg sowie eine Panzerabwehrrakete aus Beständen der Bundeswehr. Zum genauen Typ machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben, das Gerät soll jedoch ebenfalls funktionsfähig sein.

Panzerabwehrraketen wie das Modell „Milan“ können aus dem Stand abgefeuert werden, haben eine Reichweite von bis zu drei Kilometern und können bis zu zwei Meter dicken Stahlbeton durchschlagen. Zudem wurden verschiedene „Kurz- und Langwaffen“ beschlagnahmt. Auch eine „pulverförmige Substanz“ wurde sichergestellt. Ob es sich dabei um Sprengstoff handelt, klären derzeit Gutachter. Woher all die Waffen stammen, ist weiterhin unklar. Heß: „Das interessiert uns brennend.“

Der Heikendorfer soll in seinen Garten auch Kunst aus der NS-Zeit gestellt haben. In diesem Zusammenhang war er im Zuge von Ermittlungen nach wieder aufgetauchter Nazi-Kunst überhaupt erst ins Visier der Ermittler geraten.

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Ein Artikel von
Patrick Tiede
Redaktion Lokales Kiel/SH - Landeshaus-Korrespondent

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