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Selbsthilfe bei Demenz

Gruppe für Angehörige in Preetz Selbsthilfe bei Demenz

Die Diagnose Demenz erschüttert Betroffene in ihren Grundfesten. Das, was auf sie zukommt, können sie oft nicht ansatzweise erahnen. Um in diesen schweren Zeiten einen Anlaufpunkt zu bieten, gibt es jetzt in Preetz eine angeleitete Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz.

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Mit diesem kleinen Kärtchen kann man andere unauffällig auf die Gegenwart von an Alzheimer Erkrankten hinweisen.

Quelle: Claudia Josefus-Szellas

Preetz. „Als der Arzt uns sagte, mein Mann hat Demenz, war das wie ein Schlag“, berichtet Inge Wolgast. Hilfe oder Unterstützung, die gab es nicht, ergänzt sie. Sie stand alleine da: Acht Jahre lang musste sie miterleben, wie die tückische Krankheit Tag für Tag den Traum eines gemeinsamen Lebensabends zerstörte. „Es war eine schwere Zeit, denn ich wusste nie, was wird morgen oder übermorgen sein“, sagt sie. Die letzten eineinhalb Jahre musste ihr Partner in einem Heim betreut werden.

 Erst habe sie versucht, die Krankheit vor allen zu verheimlichen. Dann ging es nicht mehr: „Mein Mann verfuhr sich plötzlich und statt zu dem Frisör zu gehen, wo er immer war, landete er zwei Orte weiter“, Inge Wolgast kann heute offen darüber reden. „Wenn Sie als Ehepartner oder Kind verstehen, was dort passiert und akzeptieren, dass man dagegen nichts unternehmen kann, dann wird es etwas leichter.“

 Erst war es der Orientierungs-, dann der Geruchssinn, der verloren ging. „Der geliebte Mensch verliert sich selbst. Plötzlich ist beispielsweise keine Pin-Nummer mehr parat. Das macht wütend, aggressiv und depressiv.“ Sie habe gelernt, die extremen Stimmungsschwankungen nicht persönlich zu nehmen.

 Cornelia Wulf ist seit über zehn Jahren Mitglied der Alzheimer-Gesellschaft Kreis Plön und bietet nun mit Inge Wolgast gemeinsam die Selbsthilfegruppe im Café Duft im Diakonischen Werk des Kirchenkreises an. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Aus meiner Arbeit in der Pflege weiß ich, wie belastend die Diagnose und der Verlauf ist.“ Ihr Ziel sei es, anderen ein offenes Ohr für Kummer, Sorgen und Nöte zu bieten. „Wir können aus unserer Erfahrung heraus vielleicht dazu beitragen, dass andere Betroffene ihren Alltag neu gestalten können und Tipps bekommen, wie man in welcher Situation reagieren soll.“

 Genau das sind die Dinge, die Inge Wolgast damals nicht hatte: „Man spricht nicht darüber. Und noch weniger gibt man zu erkennen, dass man selbst nicht mehr kann.“ Inge Wolgast findet offene Worte für ein gesellschaftliches Problem: „Heute muss man funktionieren, immer perfekt sein, und das geht einfach nicht.“ Deshalb will sie ihre Erfahrung und ihr Wissen für andere einsetzen.

 Das erste Treffen ist am Dienstag, 12. Mai, von 15.30 bis 17 Uhr. Anschließend können sich die Mitglieder der Gruppe im zweiwöchigen Rhythmus austauschen. Weitere Informationen und Anmeldungen bei Gitta Vogler von der Alzheimer-Gesellschaft Kreis Plön unter Tel. 04522/5927050.

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Claudia Josefus-Szellas

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