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Der geborene Lehrer als Entertainer

joachim Schuldt Der geborene Lehrer als Entertainer

Er mischt sich ein, ist stets Vermittler, ein Könner des Wortes, insbesondere des plattdeutschen, und ein Freund ausgefallener Hemden. Keine Frage: In der Probstei kann damit nur Joachim Schuldt aus Laboe gemeint sein.

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Mit Herz, Kopf und Hand – Joachim Schuldt aus Laboe liebt die künstlerischen Spielereien. Dieses Ensemble nennt er „Mai-Grün“. Es ist nur einmal im Jahr richtig komplett – nämlich wenn im Mai die zarten Blätter sprießen.

Quelle: Astrid Schmidt

Laboe. Wer sein Haus im Katzbek näher betrachtet, ahnt schon von außen: Hier wohnt ein kreativer und humorvoller Mensch. An seiner Hauswand prangt seit vielen Jahren ein bunter Harlekin. Und der Hausherr lässt es sich nicht nehmen, die Figur stets passend zur Jahreszeit zu schmücken. Im Sommer prangt eine Blume am Hut, im Winter hängt ein Schal um den Hals... Seit Kurzem ist vor dem Eingang das Kunstobjekt „Maigrün“ zu sehen. So nennt Joachim Schuldt seine im zarten Grün gestrichene Gartenbank, auf dem eine ebenso zartgrüne Figur sitzt. „Dieses Werk ist nur einmal im Jahr komplett, nämlich wenn die Buche dahinter im Mai ihre zartgrünen Blätter treibt“, erzählt Schuldt und lacht.

 Es gibt noch mehr zu entdecken, was den Künstler in dem 76-Jährigen erkennen lässt. Der morsche und mit bunten Pflöcken gespickte Balken, gestützt an einem Pfahl mit weißer Kappe. „Altwerden ist scheiße“ nennt Schuldt dieses Gebilde. Der Stützpfahl sei übrigens die Krankenschwester, verrät er und lacht wieder. All das zeigt ein Alltagsmotto: „Bloß nicht alles so ernst nehmen, man muss auch über sich selbst lachen können.“ Das bunte Baumhaus, das er für die Enkel baute – der älteste ist heute 21 Jahre alt – bekam jüngst einen neuen Anstrich, vier Holzpfähle heißen „Grand Hand“, und ungewöhnlich ist auch die Bildergalerie der Enkel, die in einem alten Fenster der Blomenburg ihren Platz bekommen haben. Auch im Haus stehen und hängen Kunstwerke auf Leinwand, aus rostigem Eisen oder verkohlten Balken.

 „Angefangen hat alles mit dem Schnitzen von Pfeifen, mit denen ich auf Kunsthandwerkermärkte gegangen bin“, erinnert sich Schuldt. Doch das habe ihm irgendwann nicht mehr gereicht. „Eine Pfeife bleibt immer eine Pfeife.“ Diesmal schmunzelt Schuldt. Denn er hat es gern doppeldeutig, mehrsinnig. Und genau das honorieren die Zuhörer, die einmal im Jahr die humoristische Lebensbetrachtung in der Laboer Kirche erleben. Der Plattschnacker mit Entertainerqualitäten kann sich seit Jahren über rappelvolle Säle freuen, wenn er einlädt. Wer ihn auf der Gästeliste hat, muss sich um die Unterhaltung nicht sorgen.

 Das Füllhorn seiner gewandten Rhetorik ist nicht nur seine berufliche Entwicklung vom Dorfschullehrer zum Beamten der Staatskanzlei und damit zum Vertrauten von Ministern jeder Couleur. Auch sein Alltag als Ehemann (gerade feierten er und Gattin Sabine ihre goldene Hochzeit), Vater und Großvater. Und natürlich, so räumt er ohne Scheu ein, habe das auch etwas mit Eitelkeit zu tun. Ebenso wie die maßgeschneiderten Hemden, zu denen stets die Brille optisch abgestimmt ist. „Wenn man nicht mehr eitel ist, ist man alt“, glaubt Schuldt. Hätte der gebürtige Wismaraner, der sich als Probsteier fühlt, bei so viel Kreativität nicht lieber die künstlerische Laufbahn eingeschlagen? „Nein, auf keinen Fall. Ich bin der geborene Lehrer und habe immer für die Gestaltung von Schule und Bildung gearbeitet“, sagt Schuldt ganz klar. Und das liegt ihm noch heute am Herzen, wie seine Mitarbeit im Bildungswerk des Kirchenkreises an der Qualitätsentwicklung der Kindergärten zeigt. Auch das von ihm aus der Taufe gehobene Hilfsprojekt „Kirche hilft helfen“, das vor allem auf Familien abzielt, ist unter seiner Ägide ein großer Erfolg.

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Astrid Schmidt

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