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Auf Schlaglöcher folgen „Sprungschanzen“

Dersau Auf Schlaglöcher folgen „Sprungschanzen“

Im ersten Moment hatte sich Dersaus Bürgermeister Holger Beiroth noch die Hände gerieben, als er sah, dass die Bauarbeiter der Straßenmeisterei Stolpe sich anschickten, die Schlaglöcher auf der L68 auszubessern. Doch das Ergebnis der Sanierungsversuche löste bei ihm Entsetzen aus.

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Zumindest die größten Schlaglöcher auf der L 68, die mitten durch Dersau führt, wurden vom Landesbetrieb Straßenbau mit einer Asphaltschicht ausgebessert.

Quelle: Anne Gothsch

Dersau. Im ersten Moment hatte sich Dersaus Bürgermeister Holger Beiroth noch die Hände gerieben, als er kürzlich sah, dass die Bauarbeiter der Straßenmeisterei Stolpe sich anschickten, die vielen Schlaglöcher und Risse auf der L68 auszubessern. „Da dachte ich noch, dass der Brief an den Verkehrsminister Reinhard Meyer, den ich im März wegen des katastrophalen Zustands der mitten durch Dersau führenden Landesstraße geschrieben hatte, ja doch etwas genützt hat“, berichtet Beiroth. Doch als er das Ergebnis der Sanierungsversuche gesehen habe, sei er schier entsetzt gewesen. „Und zu Hause hagelte es dann auch schon telefonische Beschwerden von Einheimischen, Urlaubern und Landwirten über die ‚Dersauer Sprungschanzen’, die ‚Waschbrettpiste’ oder die ‚Stoßdämpfer-Teststrecke’“ nennt der Bürgermeister einige der Begriffskreationen. Aus seiner Sicht sei das handwerklich eine „glatte Sechs“. „Man soll ja nicht undankbar sein, und womöglich rettet diese schlecht gemachte Flickschusterei tatsächlich den rund 45 Jahre alten Unterbau der Straße vor weiterer Zerstörung. Aber bei nachgezählten 58 Flicken auf einer Strecke von knapp 300 Metern allein am Ortsausgang können einem da schon Zweifel kommen.“

Hans-Heinrich Banck, Vorsitzender des Geschäftsausschusses, wird deutlicher: „Das dauert ein, zwei Winter, dann brechen die Flickenkanten weg und es wird schlimmer als vorher.“

Die miese Bewertung der Reparatur will Matthias Paraknewitz, Leiter der Rendsburger Niederlassung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, so nicht stehen lassen: „Wir haben uns die Ausbesserungsarbeiten vor Ort angeschaut und können daran nichts bemängeln. Vor dem Hintergrund unserer finanziellen Möglichkeiten ist das so in Ordnung. Es dient der Substanzerhaltung und erhöht die Verkehrssicherheit, auch andere Straßen werden auf diese Weise repariert. Natürlich ist diese Sanierung nicht vergleichbar mit einer neuen Asphaltdecke, aber die ist nun mal nach der gültigen Prioritätenliste des Landes für die L68 in diesem Bereich auf absehbare Zeit nicht vorgesehen“, so Paraknewitz.

Letzteres hatte schon der Verkehrsminister vor gut vier Wochen in seinem ausführlichen Antwortschreiben deutlich formuliert: „Gemäß der Festlegungen im Landesstraßen-Zustandsbericht 2014 gehört die L68 aufgrund ihrer fehlenden Verkehrsbedeutung und Netzfunktion nicht zu den Landesstraßen, die vorrangig zu berücksichtigen sind“, heißt es da.

Dass der Bürgermeister, der Ausschussvorsitzende und der Vorsitzende des Dersauer Tourismusvereins, Gerhard Reis, die fehlende Verkehrsbedeutung nicht nachvollziehen können, liegt in der Natur ihrer Funktionen. Schließlich würden Touristen spätestens ab Bad Segeberg per Verkehrsführung über die L68 in die Holsteinische Schweiz gelenkt, die Großbaustelle A7 trage ihr Übriges dazu bei. Außerdem werde die Hauptverkehrsstraße durch Dersau von unzähligen Kieslastern aus den nahegelegenen Kiesgruben befahren, ebenso vom Schwerlastverkehr, der offenbar lieber die L68 statt die mautpflichtige A21 nutze, lauten nur einige ihrer Argumente.

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