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Bei Appel’s bleibt die Küche kalt

Dersau Bei Appel’s bleibt die Küche kalt

Gerüchte gab es schon seit ein, zwei Jahren – jetzt ist es offiziell: „Appel’s Gasthof Seeblick“ an der Dorfstraße in Dersau schließt sein Restaurant zum 19. September.

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Am 19. September schließt das Restaurant in Appel’s Gasthof Seeblick in der Dersauer Dorfstraße.

Quelle: Anne Gothsch

Dersau. In einem an die Gäste und Freunde des Traditionshauses gerichteten Aushang schreibt Hans-Rudolf Appel, der das Restaurant und Hotel in vierter Generation führt: „Nach über einem Jahrhundert Bewirtschaftung durch Familie Appel schließen wir unser Restaurant und die Bewirtschaftung unserer Säle.“ Hotelzimmer mit Frühstück und Ferienwohnungen solle es weiterhin geben. Auch die Säle könnten gemietet werden, bei Bewirtschaftung in Eigenregie.

Als Grund für die Schließung des Restaurants wird „das seit Jahren immer größer werdende Personalproblem” angegeben. Der Inhaber wollte sich zwar nicht äußeren, doch die Begründung liegt in einem kleinen Ort wie Dersau mit knapp 940 Einwohnern auf der Hand. Schließlich klagen Gastronomen selbst in touristischen Zentren seit Jahren über den Mangel an geeignetem Personal. Dazu kommt, dass Appel zu den immer weniger werdenden Landgasthöfen in der Region gehört, die noch über große Säle verfügen. Entsprechend oft war das Haus für große Veranstaltungen und Familienfeiern gebucht.

Roswitha Richter, die sich seit Jahren für die Geschichte Dersaus interessiert und historisches Material sammelt, hat auch Einiges zum Familienbetrieb Appel gefunden. Das erste Foto datiert aus dem Jahr 1912 und zeigt das Haus mit der Fassaden-Aufschrift „Pension & Bierlokal Rudolf Appel“. Laut Internetseite von Appel’s Gasthof befindet sich das Hotel seit 1801 im Familienbesitz. Alteingesessene Dersauer erinnern sich, dass früher auch eine Fleischerei mit Laden dazugehörte. „Um die Jahrhundertwende kamen die ersten Touristen, manche auch mit dem Zug. Die wurden dann mit Pferdekutschen vom Ascheberger Bahnhof abgeholt“, weiß Roswitha Richter aus Archivmaterialien.

Außerdem lag Dersau am Hauptverkehrsweg zwischen Altona (bis 1938 noch selbständige Stadt) und Kiel. Wer von Altona oder auch von Hamburg aufs Land, zu den großen Gütern oder nach Kiel wollte, musste durch Dersau. „Deshalb konnten sich auch alle drei Gasthöfe mit Fremdenzimmern – die ehemalige Mühle am See, Westphal und Appel – gut etablieren”, berichtet die Dersauerin. Sie zeigt eine alte Postkarte, auf der Sommerfrischler mit Anzug und Hut am Badestrand von Appels Gasthof zu sehen sind.

Während des Zweiten Weltkrieges diente das Gasthaus dann für einige Zeit als Entbindungsstation, weil es in Kiel aufgrund der Bombenangriffe zu gefährlich geworden war, Kinder zu gebären. Max Lochmann erinnert sich, dass die frühere Durchfahrt für Pferdekutschen auf der rechten Gebäudeseite später in eine Eisdiele umfunktioniert wurde. Nach dem Krieg sei dann der erste und später der zweite Saal angebaut worden, sagt der 88-Jährige. Und er kann sich noch gut an die vielen großen Bälle erinnern: „Da wurde noch richtig viel getanzt, und die Wirtsleute damals wie heute waren immer großzügig, mit der einen oder anderen Runde aufs Haus und Eis oder Süßigkeiten für die Kinder.”

Für Dersaus Bürgermeister Holger Beiroth, verschärft die Schließung des dritten von insgesamt vier Gasthäusern die Lage für den touristisch geprägten Ort erheblich. „Die Gasthöfe Westphal, Zur Mühle, und jetzt Appel hatten insgesamt über 130 Gästebetten und einen guten Ruf weit über die Kreisgrenzen hinaus. Dieser Verlust wird sich rund um den Großen Plöner See nicht kompensieren lassen, zumal Appel bis zu 350 Personen im Saal unterbringen konnte“, betont Beiroth.

Auch etliche ortsnahe Arbeitsplätze seien mit der Aufgabe der drei Betriebe verloren gegangen. „Doch für die Gemeinde wiegt noch schwerer, dass die führende Rolle des Tourismus im Ort damit massiv eingebrochen ist. Wir müssen gemeinsam mit dem Tourismusverein unser touristisches Konzept überdenken“, macht der Bürgermeister deutlich.

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