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Gottesbezug eint Religionen

Diskussion Gottesbezug eint Religionen

Gott in die Verfassung? So lautete die Fragestellung für eine Diskussionsrunde am Donnerstagabend im Haus der Diakonie in Preetz. Die Vertreter von vier Religionen auf dem Podium ließen keinen Zweifel aufkommen, dass die Volksinitiative für die Aufnahme eines Gottesbezuges in die Landesverfassung erfolgreich sein werde.

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Wolfgang Seibert, Ibrahim Yazici, Moderator Norbert Radzanowski, Bernd Wichert und Erich Faehling (von links) diskutierten unter dem „Engel der Kulturen“. Das Werk von Pastor Reimer Kolbe aus Bornhöved symbolisiert mit Kreuz, Davidstern und Mondsichel die Religionen.

Quelle: Frank Peter

Preetz. Vor etwa 50 Zuhörern hinterließ vor allem der Geschäftsführer der Islamischen Religionsgemeinschaft Schleswig-Holstein (Schura) einen nachhaltigen Eindruck. „Alles, was passiert, wird von dem Einen bestimmt“, stellte Ibrahim Yazici den Standpunkt seiner Gemeinschaft klar. Die Verankerung des Namens Gottes in der Präambel der Verfassung „würde verdeutlichen, dass wir alle uns eines Tages vor ihm verantworten müssen“. Die Demut – ein in der Diskussion häufig genanntes Motiv – bestimme alles Handeln. „Aber demütig zu sein“, so Yazici, „verlangt auch Mut.“

 Einige Lacher im Publikum rief der Vertreter des Islams hervor, als er schilderte, wie Mitglieder seiner Gemeinschaft gefragt hätten, ob denn in der Präambel auch der Begriff „Allah“ stehen werde. Er müsse seiner „Kundschaft“, wie Yazici salopp formulierte, die Problematik immer wieder erklären, mal auf Arabisch, mal auf Türkisch. Die Schura zähle 50000 Mitglieder.

 Über ähnliche Schwierigkeiten berichtete der Vertreter der Jüdischen Gemeinde Pinneberg, Wolfgang Seibert. 80 Prozent der Mitglieder in den acht jüdischen Gemeinden im Land würden Russisch sprechen. Da gebe es naturgemäß Übersetzungsprobleme – wohl ein Grund dafür, dass aus diesem Kreis bislang wenige Unterschriften für die Volksinitiative vorlägen. Dennoch: „Die Diskussion hat ein Nachdenken in Gang gesetzt“. Er wünsche sich, dass die verschiedenen Religionen auch über die Verfassungsfrage hinaus weiter kooperieren mögen, sagte Seibert. Sein „islamischer Bruder“ Yazici betonte, dass es „hier endlich mal keine Differenzen“ gebe.

 „Der Mensch muss wissen, dass er nicht aus sich selbst heraus existiert“, erklärte Bernd Wichert, katholischer Pfarrer in St. Marien, Eutin. Er akzeptiere, dass Juden und Muslime ihr Bild von einem Gott hätten. In der Frage der Landesverfassung würden die Christen ihre eigene Sichtweise der Dreifaltigkeit zurückstellen. Erich Faehling, Propst im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Plön-Segeberg, wollte den „Machtkampf“ zwischen Gegnern und Befürwortern beendet sehen: „Es wurde der Eindruck erweckt, dass der Gottesbezug aus der Verfassung gestrichen werden sollte. Dabei gab es vorher gar keine Präambel“, stellte Faehling klar. Er lobte ausdrücklich die Initiative seiner Kirche. „Ein Gottesbezug hat für mich Bildcharakter. Er bestimmt mein Handeln.“

 Und zum Stichwort Demut sagte Faehling: Sie bedeute nicht Unterdrückung wie zu Sklavenzeiten, sondern „Demut schafft Würde“. Damit sei er ganz nah bei Ibrahim Yazici, und in diesem Sinne wünsche er sich auch in Zukunft ein „friedliches Zusammenleben“ der Religionen.

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Ein Artikel von
Ralph Böttcher
Ressortleiter Ostholsteiner Zeitung

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