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Arbeitslose helfen sich selbst

EU-Projekt mit Zukunftswerkstatt Arbeitslose helfen sich selbst

Die sogenannten Langzeitarbeitslosen im Kreis Plön – laut Statistik weit über 7000 Betroffene – wollen sich künftig artikulieren. Sie suchen Kontakt. Sie wollen aktiv werden und sich selbst helfen. Das EU-Projekt SEMPRE will die Menschen in ländlichen Regionen stärken.

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Im Netzwerk des EU-Projekts vertreten: Jobcenter in Plön.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Plön. „Kein Geld, keine Freunde, Vereinsamung“ hat ein Teilnehmer der „Zukunftswerkstatt“ an die Pinnwand geheftet. In dem Seminar am Osterberg-Institut in Niederkleveez unter der Leitung von Nicola Harder (Agentur Sprachsinn) hatten jeweils sieben arbeitslose Frauen und Männer schonungslos ihre persönliche Lebenssituation geschildert. Der 53-jährige IT-Fachmann zum Beispiel, der ein abgeschlossenes Studium der Betriebswirtschaft hat und 15 Jahre in fester Anstellung war. Dann wurde seine Firma von einem US-Konzern übernommen – ihn brauchte man nicht mehr. Hoffnungslos.

 Oder der IT-Administrator (48), studierter Informatiker. Bei einer Gesellschaft des Landes Schleswig-Holstein zuständig für ein Projekt mit bundesweiter Bedeutung – seit drei Jahren arbeitslos. Oder der 44-jährige Verwaltungsangestellte, der nach der Ausbildung nie in der Verwaltung gearbeitet hat. „War der falsche Beruf.“ Die Krankenschwester, über 50, alleinerziehende Mutter. Alles Geld habe sie in das Studium der Tochter investiert. Seit einem unverschuldeten Fahrradunfall 2007 leidet sie unter den Verletzungen. Seit 2011 ist sie arbeitslos. Die Behandlungskosten kann sie nicht zahlen. Ein Teufelskreis.

 Auswege zu suchen, ist das Ziel von SEMPRE, das in Schleswig-Holstein vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) koordiniert wird. Nach dem ersten Schritt („Alles kommt auf den Tisch“) durften die Seminarteilnehmer Wünsche äußern und ihre Fantasie blühen lassen. Der Begriff, der am häufigsten fiel, war „Vernetzung“. Es herrsche das dringende Bedürfnis nach Kontakten, erklärt Jürgen Meereis, Leiter des Osterberg-Instituts.

 Es gibt viele Ideen. Mitfahrzentralen, Bürgertaxi, Car-Sharing könnten die Mobilität der Benachteiligten im ländlichen Raum verbessern. Ansprechpartner könnten sie auf Behördengänge vorbereiten oder begleiten. Etablierte Organisationen wie Sozialverband oder Awo könnten als Kontaktträger fungieren. Finanzielle Mittel würde man sich etwa von Stiftungen, Kirchen oder Kommunen „sponsern“ lassen. „Man muss sich gegenseitig verstehen“, sagt Gerhard Kerssen. Der Leiter des Jobcenters Plön muss sich wiederholt gegen Vorwürfe wehren, seine Behörde baue bürokratische Hürden auf. Die Mitarbeiter in der Arbeitsverwaltung würden ständig wechseln. „Ich habe in vier Jahren den vierten Sachbearbeiter“, klagt einer. „Das ist doch im Einzelhandel genauso“, kontert Kerssen, „da hat man auch nicht jahrelang denselben Verkäufer.“ Im nächsten Jahr möchte er die berufliche Bildung stärker fördern. „Der Arbeitsmarkt wächst“, sagt Kerssen, „wir haben rund 400 Stellen mehr als im Vorjahr, aber die sind immer häufiger hoch qualifiziert.“

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Ein Artikel von
Ralph Böttcher
Ressortleiter Ostholsteiner Zeitung

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