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Ein Leben rund ums Pferd

Ernst Först aus Wahlstorf Ein Leben rund ums Pferd

Mit Jackett und Schiebermütze – so kennt man Ernst Först, wenn er mit seinem berittenen Kesselpauken- und Fanfarenzug auftritt. Den hat der 85-Jährige vor 37 Jahren gegründet. Aber für den Reitsport hat er noch viel mehr getan. „Einen Verrückten muss es ja immer geben“, sagt er lachend.

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Ernst Först (85) – hier mit seiner selbst gezüchteten Holsteiner-Stute Bonita – hat schon als Kind täglich auf dem Pferd gesessen. Der Reitsport hat ihn nie losgelassen.

Quelle: Silke Rönnau

Wahlstorf. Pferde liegen ihm im Blut. „Wir haben immer schon Pferde gezüchtet“, erzählt er über seine Familie. Seine Eltern waren 1928 auf den kleinsten Pachthof der Gemeinde Wahlstorf gezogen, drei Jahre später wurde Ernst Först geboren. 1935 konnte die Familie den Hof auf der Gläserkoppel pachten, 1953 wurden sie Eigentümer. „Ich habe schon als Junge den ganzen Tag auf dem Pferd vor dem Pflug oder der Egge gesessen“, berichtet Först, der 1967 den Betrieb von seinem Vater übernahm.

 „Die Anfangsjahre waren schwer“, erzählt er. Er verkaufte die Rinder und Schweine und baute langsam die Reiterei auf. 1956 hatte er die Reit- und Fahrlehrer-Prüfung in Flensburg-Mürwik abgelegt und gab danach Unterricht, zunächst am Sonntagvormittag für den Reiterverein auf dem Klostergelände in Preetz, außerdem auf dem Wilhelminenhof in der Gemeinde Kühren und in Sophienhof, später auch auf seinem Hof.

 1970 wurde er zum Vorsitzenden des Preetzer Reitervereins gewählt, der damals nur noch 14 Mitglieder hatte. Först setzte durch, dass neben den Großpferden auch Ponys zugelassen wurden und Jugendliche Mitglied werden konnten. Der Verein blühte auf. „Nach vier Jahren hatten wir 180 Mitglieder, nach fünf Jahren waren es schon 235“, erinnert er sich. 1974 baute die Familie die Reithalle und Boxen auf dem Hof Gläserkoppel. „In diesem Jahr ging es richtig los.“ Mit Helmut Horn aus der Weinbergsiedlung entwickelte er eine 16er-Pony-Dressur-Quadrille. Im gleichen Jahr wurde auch die Kosaken-Springquadrille gegründet. „Wir sind so bekannt geworden, dass wir etwa 300 Einladungen in ganz Deutschland hatten.“ Weitere Quadrillen folgten. Die Kostüme hat oft seine Frau Marlene genäht.

 Fünf Jahre später verwirklichte er einen Traum mit dem berittenen Kesselpauken- und Fanfarenzug. Beim ersten Landesturnier Schleswig-Holstein 1949 waren die rund 40 Mannschaften von zwei Fanfarenzügen angeführt worden, der eine kostümiert in historischen Husarenuniformen, der andere mit weißer Jacke und schwarzer Hose. „Dieses Bild hat mich so beeindruckt, dass ich damals schon dachte: Das möchte ich auch mal machen.“ Es war an einem Donnerstagabend genau 30 Jahre später, als er nach einer Reitstunde noch mit den Teilnehmern im Wohnzimmer zusammensaß und plötzlich Karin Thode ein Trompeten-Mundstück aus der Tasche zog und damit herumspielte. Först fackelte nicht lange, fragte, ob sie spielen kann und Unterricht geben würde. Eine Woche später hatte er bereits vier Fanfaren gekauft. „Seitdem üben wir einmal in der Woche außer in den Ferien, seit 37 Jahren.“ Die Zahl der Auftritte hat er irgendwann nicht mehr gezählt: „Es sind über 800“, meint er.

 Zwei Jahre später folgte der Jugendfanfarenzug nur mit Schimmeln, der einige Jahre später mit dem anderen zusammengelegt wurde. Heute hat der einzige berittene Fanfarenzug Norddeutschlands 18 Mitglieder. Die Idee hat Först auch schon nach Hessen weitergetragen: „Wir hatten einmal Feriengäste, die den Fanfarenzug bei uns gesehen haben und auch einen wollten. Und so sind wir hingefahren und haben gezeigt, wie man es macht.“ Inzwischen bildet Bruno Wojke, Dirigent des Preetzer Blasorchesters, die Musiker zu Pferde aus. Blasorchester und Fanfarenzug treten am 11. September gemeinsam in Kellenhusen zum Zapfenstreich auf.

 1995 hat Ernst Först den Betrieb an seine Tochter Susanne übergeben und sich aufs Altenteil zurückgezogen. Doch Unterricht gibt er immer noch. Mittlerweile gehören auch Mounted Games, Pferde-Fußball, trensenloses Reiten, Voltigieren, Dressur, Reiten mit den Pferden im Lanker See, Themenquadrillen und Gespannfahren zum Angebot auf dem Reiterhof. „Mit der Jugend zu arbeiten, hält einen jung“, sagt er, „es motiviert und bringt unheimlich viel Spaß.“

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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