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Die Schuldfrage bleibt offen

Eingestürzte Halle Die Schuldfrage bleibt offen

Fünfeinhalb Jahre nach dem Einsturz einer ehemaligen Tennishalle in Plön unter Schneelast bleibt die Frage nach menschlicher Verantwortung unbeantwortet: Wie das Landgericht Kiel am Freitag bestätigte, platzte die Fünf-Millionen-Euro-Schadensersatzklage gegen einen Gutachter.

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Im schneereichen Winter 2009/2010 war die ehemalige Plöner Tennishalle Anfang Februar eingestürzt. Sie begrub die Störzucht unter sich, Hunderte von Fischen verendeten. Nach der Schneeschmelze wurde das Ausmaß der Zerstörung der Halle sichtbar.

Quelle: Dirk Schneider

Plön/Kiel. Dem vereidigten Sachverständigen für Gebäudeschäden dürfte ein tonnenschwerer Stein vom Herzen fallen: 2005 – fünf Jahre vor dem Zusammenbruch des Gebäudes – hatte der Gutachter den Zustand der zum Verkauf stehenden Halle als unbedenklich erachtet. Und somit grünes Licht gegeben für die Pläne der Holstein-Stör Fischzucht-GmbH, die im Nordosten der Stadt Kaviar produzieren wollte.

Inhaber Uwe Ballies legte daraufhin fünf große Zuchtbecken für Sibirischen Stör auf den ehemaligen Tennisflächen an. Seinen Kaviar hatte das Manager-Magazin im Dezember 2005 in einem Testbericht über „Rogen für Reiche“ als preiswertestes der Konkurrenz gelobt: Der Kieler Arzt und Störfarmer, hieß es, gebe sich mit seinem „Baerioska Kaviar malossol“ bei 250 Gramm für 125 Euro bescheiden, sein Produkt zeichne sich dennoch durch „leichte Würze“ aus.

Dann aber machte das Wetter die Träume vom Kaviargeschäft zunichte. Anfang Februar 2010 stürzte die in den 80er-Jahren während der deutschen Tennisbegeisterung für Boris Becker und Steffi Graf errichtete Halle unter den Schneemassen ein. Auch andere Gebäude in der Region waren akut einsturzgefährdet.

In Preetz wurde ein Einkaufszentrum evakuiert, auf der Eckernförder Carlshöhe hielt eine alte Exerzierhalle dem Gewicht nicht stand und brach zusammen. Die ehemalige Plöner Tennishalle begrub die Fischzucht unter sich, Hunderte von Tieren verendeten. Das Unternehmen verkraftete den Schlag nicht und ging in die Insolvenz.

Wetterkapriolen hin, Schneelast her – Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber, der im Mai 2015 auch den medienträchtigen Verkauf der „MS Deutschland“ abwickelte, schrieb den Einsturz der Plöner Halle menschlichem Versagen zu: Der Kieler Rechtsanwalt verklagte den Bausachverständigen, dessen positive Bewertung sich als falsch erwiesen habe, und forderte fünf Millionen Euro Schadensersatz.

Doch die auf Bausachen spezialisierte 9. Zivilkammer des Kieler Landgerichts folgte der Einschätzung des Klägers nicht. Nach dem Ergebnis weiterer Gutachten, so die Richter, habe der Sachverständige die statischen Schwächen der Hallenkonstruktion im Rahmen seines Auftrags nicht erkennen können.

Der vom Landgericht bestellte Experte für Tragwerke, Professor Martin Speich (Hannover), erklärte, im Plöner Fall sei von außen nicht erkennbar gewesen, wie die Kräfte aus den Holzträgern ins Fundament geleitet wurden. Speich wies darauf hin, als Gutachter dürfe man sich hierzulande gewöhnlich auf eine behördlich geprüfte und genehmigte Statik verlassen.

Fazit des Gerichts: Eine Pflichtverletzung des Beklagten sei nicht erwiesen. Insolvenzverwalter Schmid-Sperber nahm die Klage daraufhin zurück. Das Verfahren (AZ 9 O 57/14) ist damit erledigt, doch die Schuldfrage bleibt offen: Geht der Schwarze Peter für den Einsturz der Halle am Behler Weg 13 jetzt an die Konstrukteure der Tennishalle? „Weitere Ansprüche haben wir geprüft“, teilte Schmid-Sperber dazu auf Nachfrage mit. Diese seien gegenüber Architekten und Bauunternehmen zwar denkbar, aber verjährt.

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