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Eisvogel fliegt Europarekord

Pohnsdorf Eisvogel fliegt Europarekord

Eisvögel sind eigentlich standorttreu. Doch nun hat Heinz Schwarze aus Pohnsdorf, Beringer der Vogelwarte Helgoland, gleich zwei weitgereiste Exemplare in einem Jahr entdeckt. Einer überlebte seine Tour nicht, doch für ein verletztes Weibchen gab es ein Happy End – und einen Europarekord.

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Einem aufmerksamen Beobachter war die Schwellung am linken Bein aufgefallen.

Quelle: Wilfried Stender

Pohnsdorf. Die ungewöhnliche Geschichte der reiselustigen Vögel begann im April mit einer traurigen Begebenheit. Ein Eisvogel flog in Bad Segeberg gegen eine Fensterscheibe und verletzte sich dabei. Er wurde zunächst in den Wildpark Eekholt gebracht und von dort an den Tierarzt Johannes Frahm in Wasbek weitergegeben, der versuchte, das Tier zu retten. Doch es starb nach acht Tagen.

 Frahm benachrichtigte Heinz Schwarze, der sich seit mehr als 50 Jahren ehrenamtlich für die Vogelwarte Helgoland mit Sitz in Wilhelmshaven engagiert. Dieser untersuchte den Ring und stellte erstaunt fest, dass der Vogel ganze 1449 Kilometer zurückgelegt hatte. Am 6. August vergangenen Jahres hatte er in Bayonne/Frankreich den Ring bekommen. Die weite Strecke von den Pyrenäen bis nach Norddeutschland schaffte er in 251 Tagen. Den Vogel hat der Pohnsdorfer tiefgefroren, falls er noch weiter untersucht oder präpariert werden soll.

 Schwarze gehört zu rund einem Dutzend Beringer in Schleswig-Holstein, die immer wieder auch Vögel einfangen, um zu kontrollieren, woher sie kommen, wie alt sie werden, wie oft sie den Partner wechseln und wie ihre körperliche Verfassung ist. Dies seien entscheidende Faktoren, um zu sehen, wie sich die Natur entwickelt, erklärt er.

 „Die erstaunliche Kilometerzahl des ersten Eisvogels wurde vom nächsten aber noch getoppt“, erzählt der Naturschützer begeistert. Sein Bekannter Wilfried Stender aus Dörnick meldete sich im Juni bei ihm. Er hatte auf Fotos, die er von einem brütenden Eisvogelweibchen an der Schwentine aufgenommen hatte, eine Schwellung am linken Bein entdeckt. Sie vermuteten, dass der Ring dafür verantwortlich sein könnte. Also spannte Schwarze ein spezielles feinmaschiges Fangnetz über den Fluss. „Es hat keine 20 Minuten gedauert, dann hatten wir den Vogel schon.“ Sie stellten fest, dass tatsächlich ein zu enger Ring die Ursache für das geschwollene Bein war, bekamen ihn aber nicht herunter. So fuhren sie mitsamt dem kleinen Patienten 30 Kilometer nach Wasbek zu Tierarzt Frahm, der ihn mit Spezialgerät befreien konnte.

 Nach der Behandlung wurde der gerade mal 35,6 Gramm leichte Vogel neu beringt und zurück zur Schwentine transportiert. Das Bein wurde noch einmal mit einer Salbe eingeschmiert, danach entließen sie die „spanische Mama“, wie Stender sie nennt, wieder in die Freiheit.

 Stender beobachtete sie die nächsten Tage und stellte erleichtert fest, dass sie weiter ihre Jungen fütterte, bis sie flügge wurden. Schwarze entdeckte dann, dass der Ring aus Spanien kam, und begann nachzuforschen. Vor einigen Tagen erhielt er nun Post: Das Weibchen war am 5. September 2015 in Malaga beringt worden. Damit hatte es eine Distanz von 2244 Kilometern zurückgelegt. „Das ist absoluter Europarekord für einen Eisvogel!“, betont er. 1000 Kilometer seien schon ausgesprochen selten, aber mehr als doppelt so viel schon eine Sensation. „Wenn mir das einer vorher gesagt hätte, hätte ich gesagt: Nee, so was gibt es nicht.“ Das sei schon sehr ungewöhnlich für so einen kleinen Vogel, der eigentlich gar kein Wandervogel sei.

 Infos zur Rettungsaktion: www.schwentine-eisvogel.info

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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