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Bürgermeister-Wahlkampf in Plön in fairen Bahnen

Erste Podiumsdiskussion Bürgermeister-Wahlkampf in Plön in fairen Bahnen

Trotz kleiner und meist humorvoller Sticheleien bleibt der Wahlkampf um das Amt den Plöner Bürgermeisters unaufgeregt und fair. Da machte die erste von zwei Podiumsdiskussionen am Mittwochabend in der Sporthalle der Breitenauschule keine Ausnahme.

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„Shakehands“ und „Smalltalk“ nach der Vorstellungsrunde: Die Bürgermeisterkandidaten (von links) Lars Winter und Stefan Meyer sowie Amtsinhaber Jens Paustian gingen trotz der Konkurrenz respektvoll miteinander um.

Quelle: Dirk Schneider

Plön. Unter der souveränen Leitung von RSH-Moderator Carsten Kock nutzten Amtsinhaber Jens Paustian, SPD-Kandidat Lars Winter und der von CDU und FDP unterstützte unabhängige Bewerber Stefan Meyer ihre Chance, bei rund 250 Zuhörern auf Stimmenfang zu gehen.

In den Eingangs-Statements, die die Mitbewerber nicht mithören durften, kündigte Winter an, den „gefühlt über 20 Jahre dauernden Stillstand in der Stadt“ beenden zu wollen. Er werde im Falle seiner Wahl gemeinsam mit den Bürgern und vor allem mit der Jugend den Ort entwickeln und besser machen, sowie die Fusion mit dem Amt Großer Plöner See anstreben.

Meyer sah „Plön in einer Sackgasse“, da man finanziell nicht mehr Herr im eigenen Haus sei. Grund seien zu viele und zu teure Gutachten, statt das eigene Know-how zu nutzen, und eine Verwaltung, die effektiver arbeiten müsse, damit sie für umliegende Gemeinden ein interessanter Fusionspartner werde.

Paustian verwies auf seine Erfolge als „Bürgermeister zum Anfassen seit elf Jahren“: Plönbad, Jugendzentrum, offene Ganztagsschule, soziales Dienstleistungszentrum Altes E-Werk, Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz und den behutsamen Anfang einer Fusion mit dem Amt Großer Plöner See – Ascheberg und Bösdorf werden von Plön aus verwaltet.

Die Visionen, wie Plön im Jahre 2030 aussehen könnte, ähneln sich bei allen Kandidaten: Ganz oben auf der Agenda steht der florierende Tourismus, der allerdings neue Hotels erfordert, ein lebens- und liebenswertes Altstadtflair und eine gesunde Wirtschaft. Das gemeinsame Baugebiet mit Rathjensdorf als ein Motor für Bevölkerungswachstum hat nur zwei Anhänger: Paustian und Meyer stehen zum Projekt, Winter eher nicht: „Ich bin kein Fan der Seewiesen.“ Einigkeit wiederum bei den ganz speziellen Plöner Stolpersteinen: Die Beseitigung der holperigen Pflasterung in der Innenstadt haben viele Plöner den Bürgermeisterkandidaten an ihren Infoständen auf dem Marktplatz ans Herz gelegt.

Durchaus ähnliche Meinungen haben alle drei Kandidaten zu weiteren Baustellen: Paustian will sich verstärkt um den Strandweg, das Strandbad Fegetasche und den ZOB kümmern, Meyer möchte vieles gleichzeitig anschieben („wir brauchen ein integriertes Stadtentwicklungskonzept!“). Was Winter ähnlich sieht, jedoch mit „Plön ist eine tolle Stadt, aber ein bisschen verschlafen“ in andere Worte fasst.

Wo schnell etwas passieren muss, sind sich in einem Punkt alle einig: bei den Finanzen. Winter sieht Einsparpotenzial in einer Fusion mit dem Amt Großer Plöner See („zwei Verwaltungen in einer Stadt sind zu teuer“), Meyer hofft auf steigende Einwohnerzahlen, und Paustian setzt darauf, dass die bei Bund und Land sprudelnden Steuereinnahmen irgendwann einmal auch in den kleineren Städten ankommen.

Die gute Fee gibt es zwar nicht, aber Moderator Kock entlockte den Kandidaten ihre Wünsche. Kurze und knackige Antworten von Meyer („Fielmann verlegt seinen Firmensitz nach Plön“) und Paustian („Endlich mal ein Haushalt mit sattem, fettem Überschuss“), während Winter seine 2030er-Vision umgesetzt sehen möchte.

Einige Fragen aus dem Publikum: Jörg Schröder wünscht sich einen besseren Busverkehr (das ist jedoch Sache des Kreises), und Gertrud Werner sorgt sich um die vielen Leerstände in der Innenstadt: Paustian fordert in diesem Zusammenhang zum Einkauf vor Ort auf und verweist auf die vielen Paketdienste, die den Plönern im Internet bestellte Waren bringen. Meyer spricht sich dafür aus, die leeren Läden zumindest optisch ein wenig ansprechender zu gestalten. An hohen Mieten allein könne es nicht liegen, „denn Bäcker und Friseure können die offenbar zahlen“. Winter schlägt vor, jeden Hausbesitzer anzusprechen und individuelle Pachtkonzepte zu erarbeiten. Alle drei waren wiederum einer Meinung, dass dem Stadtmarketing mehr Gewicht verliehen werden müsse: Eine 450-Euro-Kraft sei für eine effiziente Wirtschaftsförderung zu wenig.

Unruhe kam erst kurz vor Schluss auf, als Detlef Lucke den amtierenden Bürgermeister polemisch kritisierte („...unterirdische Amtsführung…“). Ihm wurde kurzerhand das Mikrofon abgedreht, weil „ich keine persönlichen Abrechnungen dulde“, so Carsten Kock, dem für seine Moderation im Allgemeinen und für sein beherztes Eingreifen in diesem speziellen Fall Beifall gezollt wurde.

Das endgültige Schlusswort hatten die drei Hauptdarsteller, die eine Prognose auf die Schlagzeile in den KN vom 4. Juli 2016 abgeben durften: „Paustian freut sich“ (Paustian), „Überraschung im ersten Wahlgang“ (Winter) und „Stichwahl in Plön“ (Meyer). Mal sehen, wer recht behält.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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