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Grausame Ideen in der Idylle

Farina de Waard Grausame Ideen in der Idylle

Kleines Geld, große Wirkung: Die junge Autorin Farina de Waard feiert mit ihrem sechsteiligen Fantasy-Epos und ihrem eigenen Buch-Verlag Erfolge. Ihre brutale Mittelalter-Geschichte ist ein Riesenkontrast zur Idylle ihrer Heimat.

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Die Fantasy-Autorin Farina de Waard an ihrem Schreibtisch in Bosau.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Bosau. Schwarzes Blut, faulige Pestbeulen und Verderben - alles hat seinen Ursprung im idyllischen Bosau in Bosau. Zumindest ist das 3000-Seelen-Dorf die entscheidende Ideenquelle für die Bücher der 24 Jahre alten Fantasyautorin Farina de Waard. Mitten in der holsteinischen Idylle scheint die Welt noch in Ordnung, Farina de Waard lebt bei ihren Eltern, geht gerne im nahe gelegenen Wald spazieren, nimmt ihren Laptop mit auf die Wiese, umringt von Blumen, Feldern und einem tiefblauen See. Genau hier kommen de Waard dann die grausamsten Ideen. Von Tyrannen, finsteren Gestalten und mystischen Orten. 788 Seiten hat ihr Erstlingswerk „Zähmung“, mindestens fünf weitere Bücher sollen das Epos in den kommenden Jahren komplettieren.

Die Grausamkeiten passieren nur im Kopf der gebürtigen Freiburgerin de Waard, deren Name so mystisch klingt wie ihre Protagonisten Zenay und Zayda, und doch nur ein Relikt ihrer niederländischen Vorfahren ist. Mittlerweile ist sie mit „Zähmung“, das seit Dezember 2013 auf dem Markt ist, zu einem Shootingstar der deutschen Fantasy-Szene geworden. Im März gewann sie den Indie-Autor-Preis der Leipziger Buchmesse.

Eine junge Hamburgerin wird in dem Werk in eine fremde, mittelalterlich anmutende Welt entführt. Dort muss sie als auserwählte Magierin die Menschen vor der grausamen Tyrannin Zayda retten. „Am Anfang war die Idee, dann wollte ich die erste gedruckte Seite sehen“, erinnert sich de Waard. Sie hat Umweltschutztechnik studiert, ein profanes Handwerk, das keine Gemeinsamkeiten mit einer mittelalterlichen Fantasy-Geschichte hat.

Sie hat keinen großen Verlag im Rücken — jede Idee, das Buchcover und sogar die Vermarktung stammen von ihr. Suchmaschinen im Internet waren ihre größte Hilfe, von einer Schreibwerkstatt bis zur Anmeldung des eigenen Gewerbes. „Die Hilfe kam nicht von Mentoren, sondern fast immer aus dem Internet“, sagt die Autorin stolz.

„Das Buch ist sehr professionell und in einer enorm hohen Qualität gemacht“, sagt Eliane Wurzer, Jury-Mitglied bei der Leipziger Buchmesse und Koordinatorin für E-Books beim Droemer-Knaur-Verlag in München. Zehntausende deutsche Autoren versuchen pro Jahr den Durchbruch zu schaffen. „Die meisten jedoch vergeblich“, sagt Wurzer. Nur 200 bis 300 können sich durchsetzen und haben höhere Auflagen. Für viele ist eine Internetveröffentlichung als E-Book eine gute und günstige Lösung, um in der Branche bekanntzuwerden.

Die Alternative, als „Book on demand“ durchzustarten, wollte de Waard jedoch nicht annehmen. Dabei wird je nach Interesse und Bedarf das Buch einmal nachgedruckt. „Auf den Charme der gedruckten Seiten wollte ich nicht verzichten“, sagt de Waard. Sie gründet ihren eigenen Buchverlag Fanowa. Die Autorin grast jede Buchhandlung in der Umgebung ab, bekommt schließlich eine Zusage nach der anderen. In Stuttgart trifft sie zufällig auf eine Einkäuferin eines Großbuchhandels, die begeistert den Roman in das Sortiment aufnimmt.

Rund 3000 Bücher habe sie schon verkauft, nach Deutschland, Österreich und sogar schon in die USA geliefert — auch wenn ihre Bücher immer noch ein Geheimtipp sind. Seit dem unerwarteten Sieg in Leipzig haben sich die Verkaufzahlen enorm gesteigert, der nächste Band soll sogar in einer englischen Version gedruckt werden.

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