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Fischer kritisieren Fangbeschränkung

Dorschquote Fischer kritisieren Fangbeschränkung

Wenn die Dorschquote wie angekündigt um 85 Prozent gesenkt wird, sehen die Fischer nicht nur ihre eigene Zukunft gefährdet. Auch die Infrastruktur an Land breche dann zusammen, fürchten sie. Vor allem ärgert sie, dass der größere Teil der Quote den Anglern reserviert bleibt.

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Uwe Sturm (von links) von der AG Fischerei teilt die Sorgen der Fischer wie Björn Fischer aus Möltenort und Leif Rönnau aus Stein/Wendtorf.

Quelle: Thomas Christiansen

Wendtorf/Heikendorf. „Die fangen ja immer bei uns an“, schimpft Leif Rönnau aus Stein. Die Angler dagegen müssten sich an nichts halten, deren Fang müsse mal begrenzt werden, meint der Fischer, dessen Kutter „Merle“ und „Sögard“ in Wendtorf in der Nähe des Museumshafens Probstei liegen. „Das würde zumindest wieder etwas Quote für uns bringen“, stimmt sein Kollege Björn Fischer aus Heikendorf zu, der mit seinem „Tümmler“ in Möltenort liegt. „Wir haben überhaupt nichts gegen Angler, aber viele machen das bereits als Nebenerwerb“, sagt Fischer.

 Wie berichtet, hat der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) der EU-Kommission empfohlen, den Dorschfang 2017 in der westlichen Ostsee von mehr als 40000 Tonnen auf nur noch 4100 Tonnen zu beschränken. Von dieser Fangmenge, die sich Fischer in Dänemark, Schweden, Polen und Deutschland teilen müssen, sollen pauschal 2500 Tonnen abgezogen werden – für den Dorsch, den Freizeitfischer aus der Ostsee angeln. Nach Berechnung des Umweltministeriums in Kiel blieben für die deutschen Ostseefischer nur 360 Tonnen – 15 Prozent der jetzigen Fangmenge.

 Wissenschaftler wie der Fischereibiologe Rainer Froese vom Geomar plädieren sogar für eine kompletten Fangstopp. „Wir haben nahezu keine Jungfische mehr. Werden jetzt auch noch die Elterntiere gefischt, nehmen wir dem Dorsch, aber damit auch den Fischern in der westlichen Ostsee die Zukunft“, hatte er erklärt. Fischer hält das für „Blödsinn“. Die Kollegen hätten selbst einen guten Überblick, meint er: „Alle Altersstrukturen sind da.“ Seiner Meinung nach ist die jetzt gültige Dorschquote „das absolute Minimum, um unsere aufgebaute Struktur zusammenhalten zu können“. Bei einer noch geringeren Quote sieht er für die Fischverwertung Kieler Förde mit Sitz in Heikendorf keine Chance: „Das ganze System bricht zusammen.“ Alle Möglichkeiten zum Sparen seien längst ausgereizt.

 „Die Situation ist ohne Zweifel existenziell“ hatte Umweltminister Robert Habeck eingeräumt und erklärt, vermutlich seien staatliche Hilfen nötig. Das sieht auch Uwe Sturm, Sprecher der lokalen Aktionsgruppe Fischerei in der Aktivregion und der Interessengemeinschaft „Infoportal Fisch vom Kutter“ so: „Wichtig für die weitere Entwicklung sollte sein, dass die handwerklich arbeitenden Haupterwerbsfischer die wirtschaftliche und finanzielle Möglichkeit bekommen, ihre Betriebe zu halten, um sie gegebenenfalls auch umstrukturieren zu können.“

 Viele Projekte wie der Fang von Scholle und Flunder, Aquakultur, eine verstärkte regionale Online-Vermarktung sowie die Anpassung der Infrastruktur in den Häfen müssten zusammen umgesetzt werden. Dazu biete der europäische Fischereifonds gute Voraussetzungen, meint Sturm: „Diese EU-Förderung sollte jetzt stärker vom Land kofinanziert werden.“

 Eine Überbrückungszeit bis zu einer Erholung der Dorschbestände müsste dann aber so geregelt werden, „dass wir auch unsere ganze Infrastruktur aufrecht erhalten können“, betont Björn Fischer.

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Ein Artikel von
Thomas Christiansen
Ostholsteiner Zeitung

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