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Auf Bleiberecht folgt Festanstellung

Flüchtlinge im Kreis Plön Auf Bleiberecht folgt Festanstellung

„Ari kriegt sofort eine feste Anstellung, wenn er das Bleiberecht und damit eine Arbeitserlaubnis in der Tasche hat!“ Ulf Petersen, Geschäftsführer des Bauunternehmens Paustian in Rathjensdorf, ist begeistert vom Engagement seines Mitarbeiters Ari Hassan aus dem Irak.

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Ari Hassan (links) und Noel Qassen Eliyas (rechts) absolvieren zurzeit ein Praktikum bei der Baufirma Paustian in Rathjensdorf. Geschäftsführer Ulf Petersen freut sich über das Engagement seiner Mitarbeiter, wobei er Ari so schnell wie möglich fest einstellen wird.

Quelle: Peter Thoms

Rathjensdorf/Plön. Dieser hat sich während eines Praktikums unentbehrlich gemacht.

Ari Hassan hatte in seiner Heimat selbst eine kleine Baufirma, die er auf der Flucht zurücklassen musste. Er befindet sich damit in der gleichen Lage wie Noel Qassen Eliyas, der im Irak als Tischler in einem Familienbetrieb arbeitete, bevor ihn die politischen Verhältnisse zur Flucht zwangen.

Beide Iraker sind Nutznießer des Projekts „Perf“, die Abkürzung für „Perspektive für Flüchtlinge“. Dabei handelt es sich um einen jeweils dreimonatigen Kursus, den eine Arbeitsgemeinschaft des Diakonischen Werks Altholstein sowie der Diakonie des Kreises Plön im Auftrag der Agentur für Arbeit in Plön anbietet. Die Diakoniemitarbeiterinnen Meiken Carstens und Petra Rink erhielten von heute auf morgen den Zuschlag, diesen Kursus auszuarbeiten und anzubieten. Auf die Schnelle wurden in der Bahnhofstraße in Plön Räume angemietet, in denen Flüchtlinge eine Zukunftsperspektive aufgezeigt wird. Das beginnt mit einem vierwöchigen Intensiv-Sprachunterricht, hat sein Herzstück mit jeweils sechswöchigen Praktika, und gleitet mit einer zweiwöchigen Phase, in der alle Anschlussoptionen geprüft werden, in einen geregelten Alltag hinüber. Angesichts der Betreuungsintensität ist es kein Wunder, dass immer nur maximal zehn Flüchtlinge einen Platz in dem von Susanne Gugel geleiteten Kursus finden, der momentan nur in Plön angeboten wird.

Tabea Ihnenfeldt, Arbeitsvermittlerin für geflüchtete Menschen bei der Agentur für Arbeit in Plön, sieht die Sprache als wichtigste Grundlage für die Integration und Praktika, für die sich gerade im Kreis Plön viele Betriebe zur Verfügung stellen. Neben der Firma Paustian sind Funktionsfolientechnik Lange, Elektro-Sohn, Reifen-Helm, B&B-Autoservice, das Caritashaus St. Walburg sowie „Land in Sicht“ in Plön sowie Fliesen-Rath und Autohaus Lepthien in Preetz mit im Boot.

Und wie schlagen sich Ari und Noel? Ari hat, wie gesagt, die feste Anstellung so gut wie in der Tasche – es fehlt nur noch die Arbeitserlaubnis, die irgendwo in den Mühlen der Bürokratie auf die passende Unterschrift wartet. Er radelt jeden Morgen von seiner Wohnung in der Lütjenburger Straße aus nach Tramm und wird seit einigen Tagen von Noel begleitet. Der freut sich, die ersten Schritte in eine neue Arbeitswelt in einem fremden Land nicht ganz allein gehen zu müssen. Seine Zukunft, so Susanne Gugel, liege aber angesichts seiner Ausbildung als Tischler eher in einem holzverarbeitenden Betrieb, als in einem auf Hochbau spezialisierten Unternehmen.

Ulf Petersen und seine im Betrieb mitarbeitende Frau Meiken haben ihre beiden neuen Mitarbeiter ins Herz geschlossen. Wie auch die Kollegen: „Gib‘ mir den Ari mit!“ ist das geflügelte Wort, wenn die Mitarbeiter morgens für die Baustellen eingeteilt werden, so Petersen. Meiken Petersen findet eine Tatsache aber mehr als bedauerlich: „Schade, dass wir Ari und Noel nicht bezahlen dürfen. Wir dürfen ihnen noch nicht mal Taschengeld geben!“ Aber das könnte sich zumindest im Fall von Ari Hassan schnell ändern, wenn er die Arbeitserlaubnis in Händen hält.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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