18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Auf lebensrettender Mission

Flüchtlingsbergung Auf lebensrettender Mission

Björn Hagge weiß, was auf ihn zukommen kann: Leichen, verletzte Menschen, Gestank von Urin und Kot, Verzweiflung und eine erbarmungslose Hitze. Der 46-Jährige aus Behrensdorf startet Freitag zu einer Rettungsmission ins Mittelmeer. Mit dem umgebauten Nordsee-Kutter „Sea Watch“ fährt er für zehn Tage vor die Küste Libyens, um Bootsflüchtlinge zu bergen.

Voriger Artikel
Strohfiguren im Wettbewerb
Nächster Artikel
Grundstein für neue Feuerwehrzentrale

Björn Hagge startet Freitag zum Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer. Er gehört zur Crew der „Sea Watch“, die vor der Küste von Libyen Flüchtlinge rettet.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Behrensdorf. Björn Hagge liegt das Helfen so im Blut wie wohl kaum jemandem. Er arbeitet als Rettungsassistent beim Kreis in der Wache Preetz, fährt zu Unfällen und Unglücken heraus. In seiner Freizeit dient er in der freiwilligen Feuerwehr seiner Heimatgemeinde. Er gehört zur Mannschaft des Seenotrettungsbootes „Hellmut Manthey“, das in Lippe stationiert ist. Darüber hinaus ist er Freiwilliger bei ISAR-Germany (International Search And Rescue), einer Nicht-Regierungsorganisation für weltweite Katastrophenfälle. Alles ehrenamtlich. Mehr Einsatz für den Nächsten geht nicht.

 Als Soldat bei den Marinefliegern wird er 1999 in den Kosovo kommandiert, baut Krankenhäuser und Feldlazarette auf. Das Elend und die Not der Menschen dort rührt ihn bis heute. Nach der Rückkehr entwickelt sich bei ihm eine Dankbarkeit, sagt er. Dankbar dafür in einem Teil der Welt zu leben, in dem es ihm, seiner Frau und seinen drei Kindern gut geht. Hagge sieht in diesem Gefühl seinen Antrieb, sich als vielseitiger Helfer zu engagieren.

 Die Bundeswehr schickt ihn 2004/2005 als Reservisten – mittlerweile mit einer medizinischen Ausbildung – nach dem verheerenden Tsunami nach Indonesien. Zu den Verbandsplätzen, wohin sich die Verletzten flüchten, gelangt er teilweise durch den Dschungel zu Fuß oder auf dem Rücken von Elefanten.

 Die „Sea Watch“ ist ein privates Projekt mehrerer Familien aus Brandenburg. Seit Ende Juni startet das Schiff vom Hafen Lampedusa aus ins Mittelmeer. Wieso sie auf ihn als Helfer gekommen sind, wisse er nicht. Es muss sich herumgesprochen haben, dass er von seiner Qualifikation her der ideale Mann für das Projekt ist. Hagge versteht sich auf Seenotrettung und kann Verletzte versorgen. Für die Zeit im Mittelmeer hat er sich Urlaub und freie Tage genommen.

 Die Mission ist so etwas wie die Erste Hilfe auf See. Die „Sea Watch“ eilt den Menschen auf den Booten zur Hilfe, bringt sie aber nicht an Land. Das übernehmen große Schiffe, die per Notruf alarmiert werden. Die neunköpfige Crew sichert nur die Boote, rüstet die Flüchtlinge mit Schwimmwesten aus, verteilt Wasser und setzt sie in sichere Rettungsinseln über. Dort ist für bis zu 600 Menschen Platz. Dann beginnt das Warten auf die Rettungsschiffe. Das kann Stunden dauern. In der vergangenen Woche seien in dieser Wartezeit sogar Babys an Bord der „Sea Watch“ geboren worden, hat Hagge von der Crew erfahren.

 Über allem drückt eine große Hitze von mindestens 45 Grad. Der Wüstenwind aus der Sahara heizt selbst die Luft über dem Mittelmeer auf. „Das wird ein Schmelzwetter.“

 Gedanklich ist Hagge auch schon bei seiner Rückkehr. Er hat noch ein paar freie Tage, wenn er wieder am Hamburger Flughafen gelandet ist. Zeit zum Ankommen und zum Verarbeiten der Erlebnisse. Dann kehrt er zurück an seinen Arbeitsplatz in der Rettungswache Preetz. Auch hier warten Menschen, denen geholfen werden muss. Hagge ist dabei.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3