16 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Eine Frau, ein Mann und die Drehleier

Folk-Musiker aus Panker Eine Frau, ein Mann und die Drehleier

Eine besondere Drehleier und die Liebe zur Musik brachte Kai Rösick (54) und Gisela Lentz (55) zusammen. Der Landschaftsplaner und die Mineralogin lernten sich 2010 bei einem Mittelalterfest auf der Turmhügelburg in Lütjenburg kennen. Seither musizieren sie gemeinsam als Duo Drubadings

Voriger Artikel
Tempokontrollen im Kreis Plön
Nächster Artikel
Auch Luthers Angst gezeigt

Mit dem Biedermeierinstrument im Mittelalterkostüm auf dem Biedermeiersofa: Gisela Lentz und Kai Rösick lieben die Historie und insbesondere das Drehleierspiel.

Quelle: Orly Röhlk

Panker. Sie musizieren in wechselnden Formationen und im Bon-Drehleierorchester mit Musikern aus dem ganzen Land.

Wer bei Drubadings an Asterix denkt, liegt gar nicht so falsch. „Wir haben beide sächsische Vorfahren und dachten bei der Namensgebung an Troubadix, erzählt Kai Rösick mit Augenzwinkern. Er stammt aus dem Ammerland bei Oldenburg (Niedersachsen), sie kommt aus Stuttgart und leitete von 2006 bis 2011 das Eiszeitmuseum.

Rösicks Leidenschaft für die Drehleier reicht bis in sein 17. Lebensjahr zurück. „Damals lernte ich ein Mädchen kennen, das eine Folkplatte auflegte, auf der dieses tolle Instrument zu hören war. Das Mädchen ist längst weg, der Traum blieb“, blickt Rösick zurück. Er belegte einen Drehleierkursus in Hessen und baute sich sein erstes Instrument selbst. „Das war ein besserer Schuhkarton, aber aus Holz“, zeigt er stolz die Leier Marke Eigenbau, die er auf dem Dachboden verwahrt. „Die Gruppe Liederjahn entstand in jener Zeit, es gab nur wenige Stücke zum Spielen. Heute werden immer neue Sachen komponiert, und ich experimentiere auch gern. Im Barock wurde sogar für Drehleier und Orchester komponiert, unter anderem von Mozarts Vater Leopold.“ Rösick besitzt eine Bourbonnais-Drehleier. Es ist der Nachbau des historischen Vorbildes, das zwischen 1850 und 1939 in Frankreich hergestellt wurde. Im Frankreich-Urlaub 2004 lernte er Monsieur Jean-Claude Boudet in Jenzat (Auvergne) kennen, der ihm in seiner Werkstatt aus Fichte, Ahorn und Rinderknochen eine Bourbonnais mit Intarsien schnitzte. Das Endstück schmückt ein Frauenkopf. „Manche kaufen sich in der Midlife-Krise eine Harley, ich eine Bourbonnais“, lacht Rösick. Töne entlockt er dem Streichinstrument, indem die rechte Hand die Kurbel dreht und die linke Hand die Tasten bedient.

Über Hans-Wilhelm Scheel aus Darry vom Turmhügelburgverein kam Gisela Lentz zur Leier. „Die Rechts-Links-Koordination ist schwierig, weil die rechte Hand etwas anderes macht als die linke Hand. Aber es fiel mir leichter, weil ich schon andere Instrumente gespielt habe, Blockflöte, Harfe, Bouzouki, Balalaika“, erzählt Lentz. Sie belegte einen Kursus, Rösick gab ihr Tipps, eine deutsche Lauten-Leier bekam sie von der Gruppe Bon. Seines Wissens nach gibt es im Land rund 20 Drehleiern, aber außer seiner nur noch eine weitere Bourbonnais-Leier, sagt Rösick. Sie gehört Reinhard Spielvogel von der Gruppe Schmelztiegel aus Kiel, der sein Lehrmeister war. Die Bourbonnais sei eher kastenartig und auf vier Tonarten beschränkt, wo es neuartige Leiern auf ganze Tonleitern bringen und sogar voll elektronisch daherkommen. Der Bordun-Ton (Dauerton) erinnere an einen Dudelsack, beschreibt es Lentz. „Die Leute denken, man bläst da hinein.“ Folkmusik ist das eigentliche Metier des Duos. „Aber wir haben auch schon Jazz probiert und Rock-Pop-Potpourris. Ich habe bei Lady in Black und Lady Gaga keine Berührungsängste“, sagt Rösick. Inzwischen hätten auch seine Kinder das Hobby akzeptiert. „In der Pubertät fanden sie es schrecklich, heute sagen sie: Ihr seid richtig gut, aber es ist nicht unser Geschmack.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3