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Freiwilliger Einsatz auf Lesbos

Lisa Kock aus Preetz Freiwilliger Einsatz auf Lesbos

Sie ist noch ganz erfüllt von den Emotionen und Erlebnissen: Lisa Kock sprudelt förmlich über, als sie von ihrem freiwilligen Einsatz auf Lesbos erzählt. Die 28-jährige Preetzerin hat vier Wochen lang Flüchtlingen auf der griechischen Insel geholfen.

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Lisa Kock blickt am Eftalou Beach auf die türkische Küste und ein verlassenes Boot.

Quelle: Privat

Preetz. Die fröhliche Frau mit den Sommersprossen hatte sich, wie berichtet, als Freiwillige gemeldet und war im November mit einem Paket gespendeter Wärmedecken aufgebrochen. Für die Nichtregierungsorganisation Starship Foundation war sie sowohl am Strand als auch im Camp Oxy und in den beiden Lagerhäusern, wo die Spenden sortiert werden, eingesetzt.

 Zunächst seien die Helfer geschult worden – wichtig war für sie vor allem, wie man in Krisensituationen handelt. „Das ist schwierig, auf jemanden zuzugehen, der ein Familienmitglied vermisst oder traumatisiert ist.“ Einmal brachte die griechische Küstenwache 50 hysterische Syrer in den Hafen, berichtet sie: „Sie waren alle in einer guten Verfassung, deswegen wusste zuerst niemand, was ihnen zugestoßen war. Ein Übersetzer erklärte uns, dass die Schleuser auf der türkischen Seite Eltern und Kinder in verschiedene Boote gesetzt hatten. Ich werde niemals die Dankbarkeit in ihren Augen vergessen, als wir sie wieder zusammenführten.“

 Am Strand stehen Helfer mit Ferngläsern und beobachten das Meer. Wenn Boote in Sicht kommen, informiert Melinda McRostie, die Vorsitzende der Starfish Foundation, die Helfer über das interne Nachrichtensystem. Das Camp Oxy in Molyvos, einem 1000-Seelen-Ort im Norden, sei nur eine Transitstation, bis die Flüchtlinge – die sie „Gäste“ nennen – per Bus in die anderen Camps weitergebracht werden, so Lisa Kock.

 Im Camp Oxy erhalten durchnässte Flüchtlinge neue Kleidung und etwas zu essen. 1500 Menschen können in den beheizbaren großen Zelten des UN-Flüchtlingshilfswerks übernachten, die meisten bleiben aber nur ein paar Stunden. Die Helfer kümmern sich um die Kinder, malen und spielen mit ihnen. Oft sind es Kleinigkeiten, die die Kleinen ablenken. Lale aus Syrien, zwei Jahre alt, stand schreiend am Straßenrand zwischen ihren nassen und müden Eltern. „Es waren Seifenblasen, die sie und mich für 40 Minuten zu besten Freunden machten.“ Sheila aus dem Irak, acht Jahre alt, saß weinend auf dem kalten Boden. Ihre Schuhe waren nass. Lisa Kock wärmte ihre nackten Füße mit den Händen und schenkte ihr pinkfarbene Socken mit Blumen. „Das Eis war gebrochen, und ihr Papa erzählte mir, dass sie das erste Mal seit ihrer Flucht wieder lächelte.“

 Im Camp Oxy gibt es auch Waschgelegenheiten und saubere Toiletten. Ganz andere Zustände habe sie dagegen im Camp Moria im Süden erlebt, in dem sie ausgeholfen habe, weil es bei ihnen etwas ruhiger wurde. „Im Norden gibt es inzwischen viele Kontrollen, weil es die kürzeste Strecke von der Türkei nach Lesbos ist, deshalb kommen jetzt viele über den Süden – diese Strecke ist durch die Strömung und den Wind aber viel gefährlicher.“ Das ehemalige Militärgelände sei immer noch mit Stacheldraht eingezäunt und völlig unübersichtlich. „Die Neuankömmlinge setzen sich hin, wo gerade Platz ist, nicht ahnend, dass auf der anderen Seite Freiwillige warmes Essen und Getränke oder Kleidung ausgeben.“ Gegen die Kälte werden Lagerfeuer angezündet. „Es ist ein absolutes Chaos, das tut einem so leid.“

 Wenn sie am Strand hilft, merkt sie erst anschließend die Anspannung. „Es gibt Situationen, die einen ganz besonders berühren: wenn das Boot gekentert ist oder Menschen vermisst werden.“ Im Camp komme man mit vielen ins Gespräch: „Man kann sich nicht vorstellen, was viele erlebt haben.“ Ihr erstes Boot wird ihr in Erinnerung bleiben: „Ein Mann im grauen Anzug stieg aus und gab mir einen Handkuss.“ Gerade die Älteren bewahrten sich eine ganz besondere Würde.

 Auf dem Heimweg bekommt sie über das Nachrichtensystem mit, dass wieder ein Boot gekentert war. „Und ich sitze hier und kann absolut nichts tun“, sagt sie leise.

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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