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Vom Flüchtling zum Festangestellten

Friseur in Hohenfelde Vom Flüchtling zum Festangestellten

Ramazan Dag weiß noch genau das Datum, an dem er Deutschland erreichte: 29. Mai 2015. Der 32-Jährige hatte die Türkei verlassen, weil er sich dort als Kurde bedroht und diskriminiert fühlte. In den vergangenen knapp zwei Jahren hat sich der Friseur nun eine eigene Existenz aufgebaut.

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Ramazan Dag arbeitet seit 18 Monaten im Haarstudio Kopfsalat in Hohenfelde. Hier schneidet er gerade seinem Nachbarn Björn Bock die Haare.

Quelle: Hans--Jürgen Schekahn

Hohenfelde. Nach einigen Zwischenstationen landet Dag in einer Flüchtlingsunterkunft in Plön in der Rautenbergstraße. Der Friseur träumt davon, wieder arbeiten zu können. Viele Flüchtlinge wünschen sich das. „Ich habe immer gesagt, dass ich arbeiten will.“ Der junge Kurde hat Glück und eine seiner Betreuerinnen die richtige Friseurmeisterin. Martina Lenschau hatte sich erst 2015 mit ihrem Haarstudio „Kopfsalat“ in Hohenfelde selbstständig gemacht und sucht Personal. Das hört die Flüchtlingsbetreuerin – eine Stammkundin – und stellt den Kontakt zu Ramazan Dag her.

Angst vor einer Ablehnung im Dorf

Lenschau zögert anfangs, gibt sie zu. Ein Flüchtling auf dem Dorf als Friseur? Was sagt die Kundschaft dazu? Gibt es Ablehnung in der Bevölkerung? „Sein freundliches Gesicht hat mich dann schnell überzeugt.“ Und dann auch schnell sein Können. Haarentfernung im Gesicht mit einem Faden. Haarentfernung in den Ohren mittels Feuer. Nassrasur mit dem Messer. Alles Dinge, die Martina Lenschau ihren Kunden davor nicht bieten konnte. Ins „Kopfsalat“ kommen nun auch Menschen aus Selent oder Lütjenburg, die früher einen türkischen Friseur in Kiel-Gaarden besucht haben. Die Friseurmeisterin lobt ihren Angestellten. „Ich bin super zufrieden.“

"Ich stehe finanziell auf eigenen Beinen"

Ramazan Dag beschreibt seine Lebenssituation so. „Ich bin froh, dass ich hier bin.“ Als Kurde habe man in der Türkei immer ein Problem. Mittlerweile hat er eine Aufenthaltsgestattung in Deutschland. Über seinen Asylantrag ist noch nicht beschieden worden. Der Ausgang ist ungewiss. Seine Arbeitserlaubnis muss jedes halbe Jahr verlängert werden. Aber es gehe ihm sehr gut, versichert er mit einem freundlichen Lächeln. Er hat eine eigene Wohnung nur wenige Schritte vom Haarstudio entfernt. Er lebt von seinem eigenen Einkommen und ist nicht mehr auf staatliche Unterstützung angewiesen. „Ich stehe finanziell auf eigenen Beinen.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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