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Das erste Zuhause nach der Flucht

Gemeinschaftsunterkunft Plön Das erste Zuhause nach der Flucht

Mihreto (23) blickt schüchtern. In der neuen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber steht er in der Küche und kocht sich eine Mahlzeit aus Zwiebeln, Eiern und viel Öl. Man merkt ihm an, dass er vorher selten an einem E-Herd gestanden hat.

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Mihreto aus Eritrea bereitet sich eine Mahlzeit aus Eiern und Zwiebeln zu. Landrätin Stephanie Ladwig schaute sich in der neuen Gemeinschaftsunterkunft um, wo seit einer Woche die ersten Flüchtlinge untergebracht sind.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Plön. Der junge Mann aus Eritrea lebt seit einer Woche in dem umgebauten Hotel in Plön. Er hat eine Flucht durch mehrere afrikanische Länder und in einem alten Boot über das Mittelmeer hinter sich.

500 Menschen seien bei der Überfahrt an Bord gewesen, erklärt er in gebrochenem Englisch. „Very dangerous“, sehr gefährlich seien die vier Tage auf See gewesen. Mihreto ist vor der Diktatur in seiner Heimat geflohen, in der Folter, willkürliche Verhaftungen und eine totale Pressezensur herrschen. Es wird nicht klar, ob er sich auch vor dem Militärdienst fürchtete, zu dem die jungen Männer genötigt werden. „Very bad“, ganz schlecht seien die Lebensverhältnisse in Eritrea. Seine Familie ließ er zurück. Kontakt hat er zu ihr nicht mehr.

 Mihreto ist einer von acht Flüchtlingen, die in der neuen Unterkunft untergebracht sind. Der Kreis hat sie für 320000 Euro gekauft und für 120000 Euro umgebaut. 40 Plätze stehen zur Verfügung. Neben weiteren jungen Männern aus Eritrea, von denen einige durch die erlittenen Strapazen traumatisiert sind, leben auch Menschen aus Albanien in dem Haus. Weil ihr Herkunftsland als sicher gilt, sind ihre Chancen, als Asylberechtigte anerkannt zu werden, allerdings gleich null.

 Landrätin Stephanie Ladwig und Heimleiterin Martina Bergmann stellten gestern die neue Unterkunft vor. Die Menschen leben hier bis zu sechs Wochen, bevor sie ihr endgültiges Zuhause in den Gemeinden und Städten finden. Ziel der Einrichtung ist es, den Menschen eine erste Orientierung in Deutschland zu geben. Freiwillige Sprachpaten halten spielerisch Deutschunterricht ab. Auf einem selbstgemalten Stadtplan ist zu sehen, wo es Supermärkte, die Post und die Kreisverwaltung gibt. Die Altherren des TSV Plön haben einen fußballbegeisterten jungen Mann zum Training eingeladen.

 Die Gruppe hat sogar bereits begriffen, wie der Müll in Deutschland getrennt wird. Martina Bergmann lobt die Sauberkeit und Ordnung, die die jungen Männer in ihren Zimmern und den Gemeinschaftsräumen halten.

 Die Unterkunft dient auch dazu, die Städte und Gemeinden zu entlasten. Sie standen bislang vor dem Problem, die Flüchtlinge nur mit einer Vorlaufzeit von wenigen Tagen unterbringen zu müssen. Die Einrichtung in Plön dient als zeitlicher Puffer zwischen der zentralen Aufnahme in Neumünster und den Kommunen.

 Nach Angaben von Landrätin Ladwig leben derzeit 669 Asylbewerber im Kreis Plön und damit dreimal so viele wie 2013. Darunter sind 110 Personen, die nur noch in Deutschland geduldet werden. Von den Neuankömmlingen stammt derzeit etwa die Hälfte aus Ländern des westlichen Balkans.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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