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In Tagen gebaut, in Stunden zerstört

Gildevogel Lütjenburg In Tagen gebaut, in Stunden zerstört

Es kostet Schweiß und Mühen, bis der Gildevogel in ganzer Pracht fertig ist. Nach 500 bis 1000 Schuss aus den Büchsen liegt er dann in Fetzen am Boden. Tischlermeister Oliver Schmiedlein und Malermeister Dieter Tietze zeichnen dafür verantwortlich, dass jedes Jahr ein neuer Papagoye aufersteht.

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Malermeister Dieter Tietze verpasst dem Gildevogel mit Farbe den letzten Schliff. Seit rund 40 Jahren ist das sein Beitrag zum Gildefest.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Dieter Tietze muss herzhaft lachen, wenn er erzählt, wie er an seinen Job gekommen ist. Damals in den 70er-Jahren arbeitete er als Geselle in einem Betrieb in Lütjenburg, dessen Meister damals dem Gildevogel den Anstrich verpasste. Und Tietze fand, dass man das besser machen könnte.

Und sagte das seinem Chef auch. „Dat sücht nich gut ut.“ Der reagierte unwirsch und konterte in etwa „Denn mokt dat doch beter“. Fortan durfte der heute 72-Jährige zu Pinsel und Farbe greifen, wenn die Schützen-Totengilde auf den Vogelsberg marschiert. Dabei war er damals noch gar kein Mitglied und erhielt als Dankeschön einen Kasten Bier. Im Laufe der Jahre unterschrieb er dann doch noch ein Beitrittsformular – und sofort gab es keinen Kasten Bier mehr.

Tischlermeister Oliver Schmiedlein wuchs im SOS-Kinderdorf in Lütjenburg auf. Weil man den Kontakt nie ganz verliert, wusste der Hausmeister der Einrichtung von dem beruflichen Erfolg. Und der Hausmeister sprach ihn an, als für den Gildevogel jemand aus der Holzbranche gesucht wurde. Schmiedlein sagte sofort zu, weil er es als Ehre empfindet, seine Handwerkskunst einzubringen. Die Lütjenburger Schützen-Totengilde sei Hunderte von Jahren alt und er selbst sei traditionsbewusst.

Drei Tage dauert es, bis die Teile aus Fichtenholz gesägt oder geschnitzt und verleimt sind. Kein einziger Nagel kommt zum Einsatz. Auch das ist Tradition und verhindert, dass die Schützen von Querschlägern getroffen werden. Der Rumpf besteht aus drei Schichten mit dem Dorn darin, an dem der Vogel am Festbaum aufgehängt wird. Diese Region ist ein Geheimnis, über das Schmiedlein nichts erzählt. Hier trifft der Königsschuss. Wie diese Stelle gefertigt ist, entscheidet darüber, ob der Vogel sich beim Schießen als „zäh“ erweist oder nach angemessener Zeit von den Schützen heruntergeholt wird.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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