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Gleichstellungsbeauftragte zieht Bilanz

Yvonne Deerberg Gleichstellungsbeauftragte zieht Bilanz

Seit sieben Jahren ist Yvonne Deerberg Gleichstellungsbeauftragte in Preetz. In ihrem Bericht in der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung lobte die 45-Jährige die Familienfreundlichkeit der Verwaltung, kritisierte aber auch, dass Mädchen- und Frauenprojekte einen Kampf ums Überleben führen.

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Seit sieben Jahren Gleichstellungsbeauftragte in Preetz: Yvonne Deerberg.

Quelle: Silke Rönnau

Was genau ist Ihr Tätigkeitsfeld?

 Yvonne Deerberg: Ich begleite Personalangelegenheiten von der Ausschreibung bis zur Besetzung. Das zweite Augenmerk richtet sich auf Gender Mainstreaming, also die Unterscheidung der Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern. Dazu biete ich Veranstaltungen und Projekte an und engagiere mich politisch auf Landesebene. Neue Gesetzentwürfe haben ja auch immer Auswirkungen auf die Kommunen. Seit dem vergangenen Jahr bin ich eine der Sprecherinnen der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten.

  Suchen auch Männer Ihren Rat?

 Grundlage unserer Arbeit ist das Gesetz zur Gleichstellung der Frau im öffentlichen Dienst. Deswegen konzentriert sich unsere Arbeit mehr auf Frauen. Meine Beratung nehmen aber auch männliche Kollegen in Anspruch, zum Beispiel bei der Frage: Bin ich mit meinem Gehalt richtig eingestuft? Bei den Frauen ist es mehr übergreifend, es geht vor allem um die Felder Beruf und Familie.

  Sie bezeichnen den Internationalen Frauentag als Kernstück Ihrer Arbeit. Warum?

 Es ist ein ganz starker Tag der Solidarität. Er soll den Frauen das Gefühl vermitteln, dass sie einander fördern und sich gegenseitig Selbstvertrauen geben können. Miteinander sind sie stark. Der Frauentag wurde 1918 ins Leben gerufen, damals ging es um das Frauenwahlrecht. Diese Solidarität trägt sich auch noch heute, nach 100 Jahren, weltweit.

  Nur ein Viertel der Stadtvertreter sind Frauen. Was denken Sie darüber?

 Eine Stadtvertretung sollte das gesellschaftliche Bild widerspiegeln. Ich wünsche mir deshalb natürlich mehr Frauen und insgesamt eine bessere Mischung, also auch jüngere Generationen oder Menschen mit Migrationshintergrund. Allerdings sind Frauen abends, wenn die politischen Gremien tagen, oft in die Familie eingebunden. Und vielen geht es in den Sitzungen auch zu ruppig und zu gering wertschätzend zu.

  2018 sind Kommunalwahlen...

 Ja, und wir Gleichstellungsbeauftragten haben eine Kampagne für mehr Frauen in der Kommunalpolitik gestartet. Wir bieten in den nächsten zwei Jahren landesweit zahlreiche Fortbildungen an, um sie auf verschiedenen Ebenen zu stärken. Stärken ist vielleicht das falsche Wort: Wir wollen ihnen ihre vorhandenen Ressourcen bewusst machen.

  Geht es in Ihrer Arbeit auch um das Thema Gewalt an Frauen?

 Wir haben zum Glück im Kreis Plön eine sehr gute Struktur mit Frauenhaus und Beratung. Ich komme mit dem Thema eher politisch in Berührung als mit den Betroffenen selbst. Allerdings organisiere ich jedes Jahr den besonderen Gottesdienst am 25. November mit, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen.

  Was könnte in Preetz noch besser werden?

 Die Verwaltung ist ein sehr familienfreundlicher Arbeitgeber. Von den 84 Kolleginnen arbeiten 55 in Teilzeit. Insgesamt haben wir rund 60 individuelle Arbeitszeitmodelle, also auch für Männer. Verbessert werden könnten die Frauenförderpläne, in denen alle zwei Jahre Zielvorgaben festgeschrieben werden. Manche schauen nur oberflächlich drauf und sagen: Ach, unsere Quote ist ganz okay.

  Sie haben in Ihrem Bericht gesagt, dass Projekte für Mädchen und Frauen ums Überleben kämpfen.

 Das stimmt. Der Verein Katharina Faustes wird zum Beispiel seit Jahren nicht mehr gefördert, deshalb kann der Mädchentreff nur noch ehrenamtlich und mit Honorarkräften geführt werden. Aber Jugendarbeit, egal ob für Mädchen oder Jungen, braucht Beständigkeit. Auch die Frauenberatungsstellen arbeiten am Limit. Da wünsche ich mir ein Umdenken und mehr Gelder.

  Was wünschen Sie sich noch für Preetz?

 Mein Ziel ist es, ein Zentrum für Frauen zu schaffen, zum Beispiel ein Frauencafé. Ich habe oft Anfragen von Gruppen, es ist schwierig, Räume zu finden. Geschützte Räume sind wichtig, gerade auch für Frauen aus anderen Herkunftsländern.

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