9 ° / 0 ° Regenschauer

Navigation:
Glindskoppel Schauplatz von Hexenverbrennung

Preetz Glindskoppel Schauplatz von Hexenverbrennung

Vögel zwitschern, Bienen summen in den Blüten der Obstbäume. Nichts erinnert auf der Wiese auf der Glindskoppel an das grausige Geschehen. Und doch wurden vor genau 350 Jahren, am 21. Mai 1666, in Preetz zahlreiche Menschen wegen Hexerei und Zauberei hingerichtet.

Voriger Artikel
Größeres Gewicht für kleine Betriebe
Nächster Artikel
Eisiges Vergnügen am Uferweg

Barbara und Jens Meyer auf der Hinrichtungsstätte auf der Glindskoppel.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. „Ich stelle mir vor, wie die Prozession vom Kloster zur Hinrichtungsstätte zog und die Menschen vom Lusbarg aus zusahen“, erzählt Jens Meyer, der sich seit Jahren für die Geschichte der bronzezeitlichen Grabhügel mit dem Galgen- und dem Köpflberg am heutigen Ortseingang aus Richtung Kiel interessiert und so auf die Hexenverbrennungen stieß. Das 17. Jahrhundert sei durch mehrere Kriege geprägt worden. Durchziehende Soldaten hätten die Bevölkerung mit Raub, Hunger, Bränden und Totschlag gequält. „Es traten soziale Spannungen auf“, so Meyer.

 In dieser Zeit sei es in ganz Europa zu Hexenverbrennungen gekommen. Rund 500 Menschen seien im 17. Jahrhundert in Schleswig-Holstein verfolgt worden. „In Preetz allein wurden für diesen Zeitraum rund ein Dutzend Prozesse mit rund 30 überwiegend weiblichen Angeklagten geführt.“

 Die Gerichtsbarkeit habe damals in den Händen des Adeligen Klosters zu Preetz gelegen. Gerichtsherr war der Klosterprobst, der bei Prozessen von Unterprobst, Klosterschreiber, Klostervogt, Advokat und Scharfrichter unterstützt worden sei. In manchen Fällen habe der Klosterprobst Akten an die Juristenfakultät der Universität Rostock gesendet. „Die Juristen sprachen selten ein Urteil aus“, so Meyer. „Überwiegend wurden Hinweise auf den weiteren Prozessverlauf gegeben.“

 Folter sei nach der damaligen Rechtsauffassung zulässig gewesen – allerdings nur zwei Mal. Eine Methode sei die „Wasserprobe“ gewesen, bei der der rechte Arm mit dem linken Bein und der linke Arm mit dem rechten Bein gefesselt worden sei. So sei das Opfer, von einem Boot mit einer Leine gesichert, in das fließende Wasser geworfen worden. „Ging es unter, galt es als schuldlos.“

 1615 habe sich Sylcken Wiesen dieser Prozedur unterziehen müssen. Probsteier Bauern hätten ihre Exekution zunächst verhindert, indem sie den Büttel, der sie abholen sollte, kurzerhand umbrachten. Doch schließlich sei sie verbrannt worden. Es folgten weitere Prozesse. 1620 wurde Klaus Klindt vom Vorwurf der Zauberei freigesprochen, nachdem der Bauernding – ein Laiengericht – ihn bereits verurteilt hatte.

 1666 sei es dann zu der Massenanklage, dem sogenannten Schönberger Hexenprozess, gekommen. Die Akten des Prozesses seien verloren gegangen, so Meyer, der die Ereignisse anhand von Sekundärliteratur rekonstruierte. Acht junge Frauen von 20 und 21 Jahren aus Schönberg hätten sich selbst beim Pastor als „besessen“ angezeigt – woran wohl auch die Geistlichen beteiligt waren, „die den Teufel als real darstellten und insoweit einen irren Volksglauben stärkten“, so Meyer. Auch ein Schullehrer habe anscheinend eine Rolle als voreiliger Ankläger gespielt. Weitere Menschen wurden beschuldigt. Der damalige Klosterprobst Otto von Buchwaldt schien Zweifel zu haben, ob er es mit Hexen zu tun hatte, vermutet Meyer, denn er habe um Rat bei der kurz zuvor gegründeten Christian-Albrechts-Universität in Kiel gebeten.

 Anfang Mai erging ein vorläufiges Urteil der Juristenfakultät. Sie gab den Auftrag, den genauen „Schadenzauber“ zu ermitteln. Der langsame Tod durch Verbrennen bei lebendigem Leibe konnte bei allen „gemildert“ werden. Die Verurteilten wurden entweder geköpft oder – wenn sie andere zu Zauberei verführt hatten – „am Pfal mit dem Strange“ erdrosselt und anschließend verbrannt. 14 Menschen, darunter ein Mann, wurden zum Tod verurteilt. Es könnten nach anderen Quellen noch mehr gewesen sein, so Meyer.

 Die Juristische Fakultät gab übrigens einen Hinweis, wie sich die Bürger am Tag der Hinrichtung zu verhalten hätten: „...damit dieß Laster nicht weiter einreiße, wir sehr rathsam erachten, daß...insonderheit die Jugend dieser Execution, umb dadurch von der Zauberey abgeschrecket zu werden, zusehen möge“. Ob es daran lag? Es war jedenfalls die letzte Hexen-Hinrichtung in Preetz.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3