10 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
In 70 Jahren nicht einen Tag getrennt

Gnadenhochzeit In 70 Jahren nicht einen Tag getrennt

„Ein leichtes Leben haben wir nicht gehabt, aber wir waren immer zufrieden“, sagt Anni Lahann (93) und blickt liebevoll zu ihrem Mann Hans (102). Das Schellhorner Ehepaar feiert am Mittwoch, 8. November, seine Gnadenhochzeit. Zusammengebracht hat sie das Arbeitsamt, erzählen sie schmunzelnd.

Voriger Artikel
Im Bann von Booten und Wolken
Nächster Artikel
Videoüberwachung auf dem Marktplatz?

Anni und Hans Lahann aus Schellhorn feiern ihre Gnadenhochzeit.

Quelle: Silke Rönnau

Schellhorn. Hans Lahann lernt nach der Schule Maschinenbauer und arbeitet bei der Deutschen Werft im U-Boot-Bau. 1935 wird er zum Arbeits- und später zum Wehrdienst eingezogen, dann beginnt der Zweite Weltkrieg. Er kämpft in Frankreich, Polen und Russland. Zum Ende des Krieges wandern sie mit acht Mann zu Fuß von Stalingrad bis Schwerin – er allein überlebt.

Anni Petersen wächst in Falkendorf in einem behüteten Zuhause auf. Nach der Schule absolviert sie ihr Pflichtjahr in einem Haushalt und bleibt vier Jahre dort, für 10 Mark Taschengeld im Monat. Dann hilft sie wieder zu Hause bei den Eltern – bis die Aufforderung des Arbeitsamtes kommt, sie soll sich in der Ziegelei in Sophienhof melden. Dorthin schickt das Arbeitsamt auch Hans Lahann. Sie wird in der Keramikherstellung eingesetzt. Und er schaut oft vorbei, um nach dem Ofen zu gucken. „Ich hatte aber schon das Gefühl, er kommt meinetwegen“, erzählt sie. Irgendwann lädt er sie ins Kino ein. „Wir sind langsam Freunde geworden, wir haben uns gut verstanden“, erzählt Anni Lahann. „Das haben wir uns immer über die ganzen 70 Jahre“, fügt sie hinzu.

Verlobungsring aus Edelstahl

Weihnachten 1945 schiebt er ihr einen Ring aus Edelstahl, den ein Arbeitskollege an der Drehbank gefertigt hat, über den Finger. „Ich habe gedacht, die ist vom Lande, die kann bestimmt gut kochen“, meint er und lächelt sie verschmitzt an. 1947 heiraten sie, zwei Jahre später wird ihr Sohn geboren. Heute haben sie noch zwei Enkel und eine einjährige Urenkelin. Sie gehen auf Reisen durch Europa, wandern durch die Berge. Ein Auto besitzen sie nie. „Mein Mann hatte ja seine Arbeitsstelle vor Ort.“ Hans Lahann arbeitet neun Jahre lang in der Ziegelei und wechselt dann zu den Stadtwerken in Preetz, wo er bis zum Ruhestand bleibt. „Wir haben jetzt 70 Jahre lang jede Mahlzeit zusammen eingenommen, das Frühstück, das Mittagessen – er hatte ja eine Stunde Mittagspause –, und wenn er wiederkam, haben wir gemütlich Kaffee getrunken“, sagt Anni Lahann, die ihre Eltern, Schwiegereltern und ihren Schwager pflegte. 

"Wir haben nie gezürnt"

Die Familie ist für beide das Wichtigste. „Meinungsverschiedenheiten gibt es in jeder Ehe, aber wir haben immer ein gutes Zuhause gehabt“, sagt sie. „Wir haben nie gezürnt. Wir haben uns die Meinung gesagt, und dann war gut“, fügt er hinzu. Sie gehören zu den Mitgründern der Schellhorner Gilde. Heute noch geht sie dort regelmäßig zur Gymnastik. „Natürlich haben wir auch unsere Wehwehchen“, meint sie. „Aber wir sind zufrieden, dass wir in diesem hohen Alter noch in unserem Haus leben können. Und wir bauen immer noch unser eigenes Gemüse an.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3