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Eklat um Hitler-Vergleich

Grebiner Gedenkstein Eklat um Hitler-Vergleich

Der Streit in Grebin, ob auch die Namen lebender Personen auf den Gedenkstein auf dem Dorfplatz verewigt werden sollen, endete mit einem Paukenschlag. Der parteilose Vertreter Karl Schuch verglich in der Gemeindevertretung den früheren Bürgermeister Hans-Werner Sohn mit Adolf Hitler. Bürgermeister Jochen Usinger und die übrigen Vertreter übten sich danach in Schadensbegrenzung für die Diskussionskultur im Ort und beendeten schnell die Debatte.

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Foto: Ein Stein erinnert in Grebin an verdiente Bürger. Bislang stehen nur die Namen der verstorbenen Bürgermeister darauf. Die Frage, ob auch noch Lebende hier einen Platz finden sollen, sorgte für einen Eklat in der Gemeindevertretung.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Grebin. 2009 stellte die Gemeinde den Granitfindling in die Ortsmitte. Der mit dem Gemeindewappen verzierte Stein soll an verdiente Bürger erinnern. Bislang stehen nur die Namen von verstorbenen Bürgermeistern darauf. Auf Initiative von Bürgermeister Jochen Usinger sollten auch noch lebende Personen hier einen Platz finden. Dabei dachte er vor allem an seinen Amtsvorgänger Hans-Werner Sohn, der 35 Jahre lang die Gemeindepolitik mitbestimmte, davon 23 als Bürgermeister. Im Mai folgte noch eine knappe Mehrheit in der Gemeindevertretung seiner Idee.

 Jetzt wollte Usinger die Richtlinie nun auch formell beschließen lassen. Dann sprach Karl Schuch: Er habe einmal genau recherchiert, ob jemals Menschen in Grebin noch zu ihren Lebzeiten auf einem Gedenkstein verewigt worden seien, so Schuch. Er habe bei seiner Suche nur einen gefunden: Adolf Hitler. „Wenn Hans-Werner sich in dieser Tradition sieht, soll er sich da einreihen“, lautete sein Satz, der die meisten Zuhörer im Grebiner Krug zusammenzucken ließ.

 Nach einem Raunen und Tuscheln handelte Bürgermeister Usinger schnell. Er zog seinen Antrag zurück und ließ nochmals über den Beschluss der vergangenen Sitzung abstimmen. Die Gemeindevertretung kassierte ihre frühere Zustimmung zur Veröffentlichung von lebenden Personen einstimmig – unter dem Lächeln von Karl Schuch – wieder ein. Im Vorwege hatte es offenbar Absprachen gegeben, das Thema zu beenden, falls es zu unangenehmen Debatten käme. Ein scharfer Hitler-Vergleich kann als so eine Äußerung gelten.

 Der Rückzug aus der kontroversen Debatte diente dem Schutz des Ansehens der Personen auf dem Stein und auch von Hans-Werner Sohn. Jochen Usinger: „Ich möchte, dass Grebin nur positiv dasteht.“ Zuvor hatte auch die frühere Gemeindevertreterin Ellen Klünder aus den Zuschauerreihen ihre Meinung kundgetan. Sie sah eine große Mehrheit im Ort gegen eine Verehrung von Lebenden auf dem Gedenkstein.

 Alt-Bürgermeister Sohn, der Ehrenbürger der Gemeinde ist, zeigte sich selbst schockiert über den Hitler-Vergleich seines früheren politischen Weggefährten Schuch. Als es darum ging, den Stein damals aufzustellen, sei für ihn und auch alle anderen Gemeindevertreter klar gewesen, dass man nur den Verstorbenen gedenken wolle, so Sohn auf Anfrage. Der Vorstoß in der Gemeindevertretung, den Personenkreis auszuweiten, habe ihn selbst überrascht.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
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