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„Segler in Not im Planquadrat C5“

Alarmplan für den Plöner See „Segler in Not im Planquadrat C5“

Erst am Sonnabend gerieten vor Bosau zwei Segler in Seenot: Sie waren nach Polizeiangaben mit ihrem Boot von Ascheberg in Richtung Bosau unterwegs und waren mitten auf dem See gekentert. Die Feuerwehr konnte sie mithilfe eines Seenotalarmplans, den es seit 25 Jahren gibt, unversehrt retten.

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Der Besitzer der Segelschule Plön, Helge Wiederich (links), und Hans-Peter Beckurts, der Vorsitzende der Ascheberger Seglergemeinschaft halten den Seenotalarmplan für eine gute Sache. Beckurts hatte erst zu Beginn der Segelsaison die Bedeutung einer detaillierten Karte mit den Planquadraten schätzen gelernt.

Quelle: Peter Thoms

Plön. Erst am Sonnabend gerieten vor Bosau zwei Segler in Seenot: Sie waren nach Polizeiangaben mit ihrem sechs Meter langen Boot von Ascheberg in Richtung Bosau unterwegs und waren mitten auf dem See gekentert und konnten – ebenso wie ihr Boot – von Bosauer Feuerwehrleuten unversehrt geborgen werden. Ähnliches erlebte vor einigen Wochen Hans-Peter Beckurts aus Ascheberg auf der gleichen Route: Eine unerwartet heftige Böe ließ seinen Jollenkreuzer kentern, als er während des Ansegelns zu Pfingsten auf dem Rückweg von Bosau nach Ascheberg war. Sein durchgekentertes Boot trieb kopfüber im Großen Plöner See, der Vorsitzende der Ascheberger Seglergemeinschaft saß auf dem Rumpf und wartete auf Hilfe. Das bei der Kenterung beschädigte Boot ist mittlerweile repariert, der erfahrene Segler kann über das Missgeschick inzwischen lachen und mit dem Spott seiner Vereinskameraden leben.

Wie aber wird geholfen, wenn man – wie im Fall von Beckurts – irgendwo zwischen den Inseln Alswarder und Konau vor der Halbinsel Störland dümpelt? Da kommt der Seenotalarmplan ins Spiel, den es seit rund 25 Jahren gibt. Im Grunde genommen nichts anderes als eine genaue Seekarte, in der nicht nur alle Untiefen verzeichnet sind, sondern die die Fläche des 28,4 Quadratkilometer großen See in Planquadrate unterteilt. Das muss man sich vorstellen wie beim Spiele-Klassiker „Schiffe versenken“, und so konnten Beckurts und sein Boot zwischen den Feldern D5 und D6 geborgen werden.

Der Seenotalarmplan geht zurück auf eine Initiative von Henning Böhrens. Der ehemalige Plöner Wehrführer hatte eine Idee aus den 1970er-Jahren wieder aufgenommen, die Seefläche mit Koordinaten zu versehen. Anlass war die von der SPD-Landesregierung initiierte Seenkonferenz Anfang der 1990er-Jahre, mit der der damalige Umweltminister Bernd Heydemann die Einrichtung von Naturschutzgebieten auf dem See durchsetzte und mit Hilfe von Feuerwehr und Bund für Vogelschutz (der heutige Naturschutzbund Nabu) die für Segelboote gesperrten Areale festlegte.

Dieser Seenotalarmplan hat seitdem jeden Regierungswechsel überlebt und liegt in jedem Wassersportverein am Großen Plöner See, in der Marineunteroffzierschule, bei den Fischern, bei der DLRG auf der Prinzeninsel und in der Segelschule von Helge Wiederich in Plön Spitzenort aus – überall dort, wo motorisierte Boote für einen möglichen Rettungseinsatz zur Verfügung stehen.

Auch wenn der Seenotalarmplan selten zum Einsatz kommt: Die Karte hängt laut Polizeisprecher Matthias Arends in der Einsatzleitstelle der Polizei in Kiel unübersehbar an der Pinnwand und ist darüber hinaus auf jedem PC gespeichert. Wird dort aus Plön über den Notruf ein gekentertes Boot oder ein Schwimmer in Gefahr gemeldet, ermitteln die Beamten durch gezielte Rückfragen die Unfallstelle. Wo befindet sich der Anrufer? In welche Richtung blickt er? Wie weit vom Ufer entfernt hat sich der Unfall ereignet? Wenige Fragen genügen, um das Planquadrat festzulegen und die Feuerwehren in Plön, Dersau, Ascheberg, Bosau oder Nehmten zu informieren. Ist zusätzliche Hilfe erforderlich, alarmieren die Wehren weitere Helfer, die motorisierte Boote zur Verfügung haben. Das geschieht vor allem bei Unglücken mit mehreren Schiffbrüchigen, wenn zum Beispiel große Kanadier mit bis zu zehn Insassen kentern.

Der Seenotalarmplan mit den Planquadraten, Untiefen und allen Telefonnummern der Vereine am See gibt es in Neuauflage gegen eine Schutzgebühr von 1 Euro auch für den Hausgebrauch beziehungsweise zum Mitnehmen für Bootsfahrer: Erhältlich bei allen Vereinen, bei der Segelschule und bei der Tourist-Info in Plön.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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