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Mehrjährige Haft gefordert

Tödliche Messerstiche in Lütjenburg Mehrjährige Haft gefordert

Dem 29-Jährigen, der im Februar einen Mann in Lütjenburg erstochen hat, droht eine lange Haftstrafe. Der Staatsanwalt forderte am zweiten Prozesstag, ihn zu fünf Jahren Gefängnis zu verurteilen. Die Rechtsanwältin der Schwester des Opfers plädierte sogar auf sieben Jahre.

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Im Haus Auberg 10 in Lütjenburg starb ein Albaner nach mehreren Messerstichen. Vor dem Landgericht Kiel ist nun eine mehrjährige Haftstrafe gefordert worden.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg/Kiel. Ein Gutachter zeichnete ein differenziertes Bild des Angeklagten, der aus Albanien stammt und auf Arbeit als Automechaniker in Deutschland hoffte. Der gebildete Mann definiere seine Person über Arbeit und Leistung, so der Psychologe. Er sei gekommen, um hier zu arbeiten, und sei gefrustet gewesen, weil das nicht geklappt habe. In dem späteren Opfer, ebenfalls ein Albaner, habe er einen Freund gesehen, um den er sich kümmerte, wenn der kein Geld mehr hatte. Diese Fürsorge und Begegnung sei für ihn Familienersatz in der Fremde gewesen.

 Am Tattag saßen beide gemeinsam auf einem Sofa, hatten vorher stark getrunken, gegessen, Fernsehen geschaut. Als plötzlich ein Streit aus heiterem Himmel ausbrach, kassierte der Angeklagte vom Opfer überraschend einen Faustschlag, der den tödlichen Konflikt in Gang setzte. Er sei erschüttert gewesen, einen Schlag von einem Mann zu bekommen, um den er sich kümmerte, den er in seiner Wohnung bewirtet habe, so der Gutachter. Seine Angst sei in dem Moment in Aggression umgeschlagen. Die Dynamik, die sich entwickelt habe, sei ein Ventil für seine Lebenslage gewesen. Die anfangs friedliche Runde endete mit 13 Stichen mit einem Küchenmesser auf dem Flur. Wegen der Tat sei der Mann bis heute depressiv, bedrückt und ratlos.

 Der Staatsanwalt erkannte auf einen minder schweren Fall von Totschlag, der sich in einem Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren Haft bewegt. Er begründete das damit, dass vom späteren Opfer der erste Schlag ausging. Außerdem zeige der Angeklagte große Reue über den tödlichen Streit. Er selbst ging zu einer Nachbarin und bat, die Polizei zu verständigen. Zudem waren Täter und Opfer stark alkoholisiert.

 Die Vertreterin der Nebenklage fand sehr scharfe Worte in ihren Plädoyer. Der Täter habe „bewusst und mit Vorsatz“ zugestochen. Als Motiv sieht sie gekränkte männliche Eitelkeit, weil er in seiner Wohnung geschlagen worden sei und vor anderen damit als „Schlappschwanz“ dagestanden hätte. Das Opfer befand sich im Flur und auf dem Rückzug. Der Täter sei mit einem Messer aus der Küche hinterhergelaufen. Es sei zudem eine entsetzliche Schmähung der Familie des Toten, ihn im Nachhinein als spielsüchtig darzustellen.

 Der Verteidiger des Mannes sprach hingegen von Notwehr und forderte einen Freispruch. Zweimal sei sein Mandat mit Faustschlägen angegriffen worden. Als er mit dem Messer in der Hand den Flur betrat, habe er fürchten müssen, abermals attackiert zu werden. Während des Gerangels habe er immer wieder Schläge abbekommen. In seinen letzten Worten entschuldigte sich der 29-Jährige erneut bei der Familie des Opfers. „Ich wollte nicht, dass so etwas geschieht.“ Das Kieler Landgericht verkündet das Urteil am Donnerstag.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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Lütjenburg
Foto: Im Haus Auberg 10 in Lütjenburg starb ein Albaner nach einer Messerattacke seines Freundes.

Ein albanischer Asylbewerber starb im Februar an Messerstichen in einer Wohnung in Lütjenburg. Sein 29-jähriger Landsmann räumte am Mittwoch vor dem Landgericht Kiel die tödliche Attacke ein. Er sei aber zuvor massiv von seinem Freund mit Faustschlägen traktiert worden.

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