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Im Auftrag der Feuerwehr

Hans-Peter Kröger Im Auftrag der Feuerwehr

Das ewige Jammern über schwindende Mitgliederzahlen ist Hans-Peter Kröger fast leid. Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes sagt: „Jammern führt zu nichts.“ Er kennt ein halbes Dutzend Personengruppen, um die die Feuerwehren buhlen könnten, es aber nicht immer tun. Mitgliederwerbung ist nur eine Akte, die der oberste Chef von rund einer Million Feuerwehrleuten in Deutschland derzeit auf dem Schreibtisch liegen hat.

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Feuerwehrpräsident Hans-Peter Kröger begrüßt Bundeskanzlerin Merkel bei einem Besuch beim Amt für Bevölkerungsschutz in Bonn.

Quelle: Feuerwehrverband

Blekendorf. Während der politischen Sommerpause in Berlin macht er Ferien im heimischen Kaköhl (Gemeinde Blekendorf). Aber das Telefon klingelt natürlich trotzdem regelmäßig. „So ungefähr“ 120 Tage verbringe er am Sitz des Feuerwehrverbandes in Berlin, 120 Tage sei er zu Terminen unterwegs und 120 Tage zu Hause.

 Die Feuerwehren in Deutschland schrumpften während seiner Amtszeit seit 2003 um rund 40000 Aktive. Das waren weitaus weniger als befürchtet. Kröger lobt die neuen Kinderfeuerwehren, die Jungen und Mädchen ab sechs Jahren aufnehmen. 30000 Mitglieder zählen sie bereits. Gerade Neubürger im ländlichen Raum könne man auf diesem Weg für das „System der helfenden Hände“ begeistern, glaubt er.

 Der Frauenanteil ist aus seiner Sicht noch ausbaufähig. Noch heute würde sich die eine oder andere Wehr gegen Frauen in ihren Reihen sträuben. Für Kröger unverständlich. Erst 80000 weibliche Mitglieder zieht es bislang in die Gerätehäuser. „Da ist noch Potenzial. Da ist noch jede Menge zu holen.“

 Ein großes Thema beim Feuerwehrverband ist die Inklusion. Demnächst spricht die Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn auf einem Fachkongress. Aktiver Dienst in der Feuerwehr muss nicht heißen, am normalen Einsatzgeschehen teilzunehmen. „Das wissen die Betroffenen selbst, dass sie das nicht können.“ Aber es warteten ja auch Aufgaben wie Datenverwaltung oder Unterstützung des Wehrführers, wo sich Menschen mit ihren Fähigkeiten einbringen.

 Besonders viel Zeit und Lobbyarbeit setzt Kröger derzeit in Sachen Katastrophenschutz ein. Der Bund versprach einst, jedes Jahr 57 Millionen für die Neuanschaffung von Fahrzeugen bereitzustellen. Tatsächlich sind es zehn Millionen weniger. Die Folge: Es werden mehr Fahrzeuge wegen Altersschwäche ausgemustert als neu angeschafft. Von den 25 Löschgruppenfahrzeugen in Schleswig-Holstein sind alle über 25 Jahre alt, beklagt Kröger. Acht haben sogar schon 30 Jahre auf dem Buckel. Im September entscheidet sich, ob der Bund den Feuerwehren einen Nachschlag für den Katastrophenschutz gewährt.

 Der Lobby-Arbeit macht die Hälfte seines Jobs aus. Neujahrsempfang bei Bundespräsident Joachim Gauck: „Da haben sich die Gespräche mit den 100 Menschen gelohnt.“ Ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz in Bonn: Die Mitarbeiter des Kanzleramtes notierten sich die Anliegen Krögers. Nicht nur die Politik hat er im Blick, auch die Wirtschaft, die die Feuerwehren finanziell unterstützt. Daimler-Chef Dieter Zetsche bekommt demnächst eine Ehrung. „Daimler tut uns gut, und außerdem arbeiten dort viele freiwillige Feuerwehrleute.“

 Kröger steht seit zwölf Jahren an der Spitze des Deutschen Feuerwehrverbandes. Wenn am Silvesterabend die Raketen knallen, geht die Dienstzeit des vierten Feuerwehrpräsidenten Deutschlands zu Ende. Wenn man ein Amt zu lange bekleide, nutze man sich als Gestalter ab, so sagt er. Eine sechsjährige Amtszeit, in der er gesät habe. Eine Amtszeit, in der er geerntet habe. Das genüge ihm.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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