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Niemand muss alleine bleiben

Heiligabend Niemand muss alleine bleiben

Werbespots über einsame Menschen zu Weihnachten sorgen derzeit für Diskussionen. In Preetz hat Klinikseelsorgerin Fanny Dethloff die Initiative ergriffen: Sie lädt zu Heiligabend diejenigen, die keine Familie haben oder das Fest nicht mit Verwandten verbringen wollen, in ihr Haus in Kühren ein.

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Klinikseelsorgerin Fanny Dethloff (rechts) und Besuchsdienstmitarbeiterin Elisabet Schmitt laden für Heiligabend zu einer gemütlichen Feier ein.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. Ihre eigenen Kinder feiern mit ihren Familien, erzählt Fanny Dethloff, die in einer „christlichen Wohngemeinschaft“ in Kühren lebt. So hätten sie überlegt, was sie zu Weihnachten machen. „Es ist Tradition, dass wir die Türen öffnen.“ Sie kenne viele einsame Menschen – nicht nur durch ihre Arbeit als Pastorin, sondern auch als Vorsitzende des Preetzer Hospizvereins, der regelmäßig Trauercafé und -stammtisch anbietet. „Da gibt es einige, die nicht wissen, wie sie die Festtage überstehen sollen.“ Manche hätten zwar Familie. „Aber dann kommt alles wieder hoch, deshalb wollen sie woanders hin.“

 Zwei Paare aus dem Kreis des Klinik-Besuchsdienstes boten ihre Hilfe an. Der Tag beginnt um 16 Uhr mit dem Gottesdienst im Kloster, danach geht es nach Kühren. „Kartoffelsalat und Würstchen, Tannenbaum und Kamin, Geschichten und Lieder – das ist Heiligabend“, meint Fanny Dethloff, die Platz für bis zu 30 Personen hat und bereits einige Anmeldungen verzeichnet.

 Sie habe drei Jahre auf St. Pauli in Hamburg gelebt. „Dort sind wirklich die Ärmsten der Armen“, hat Fanny Dethloff festgestellt. Während ihrer Zeit als Pastorin in Hamburg-Langenhorn sei es Tradition gewesen, dass eine Weihnachtsfeier ausgerichtet wurde. „Dort kamen die Leute einfach vorbei, musizierten und sangen.“ Auch ins Frauenhaus sei sie regelmäßig gegangen. Das gemeinsame Feiern trage dazu bei, dass die Kinder und ihre Mütter ein Stück Frieden empfinden. Die Menschen spürten, dass sie nicht allein sind. „Das ist ja die eigentliche Idee von Weihnachten.“

 Die Einsamkeit erreiche inzwischen aber auch die Mitte der Gesellschaft. Die Zahl der Singles nehme zu. „Da wird Weihnachten ganz sehnsuchtsvoll, ganz schwer.“ Das merke sie auch als Notfallseelsorgerin. „In diesem Jahr streckt sich das ganz lang durch das folgende Wochenende.“ Elisabet Schmitt vom Besuchsdienst hat früher auf dem Dorf gewohnt. „Dort haben wir uns am Heiligen Abend gegenseitig besucht“, erzählt sie. „Diese friedliche Stimmung kann man nicht durch Geschenke herstellen, sondern nur, indem man für die Menschen da ist.“

 Bis vor zwei Jahren gab es in Preetz auch Weihnachtsfeiern der Diakonie. Es sei beim letzten Mal aber niemand gekommen, erzählt Petra Könecke, Leiterin der Gemeindebegegnungsstätte in der Seniorenwohnanlage Haus am Kirchsee. Dabei hätten die ehrenamtlichen Helfer extra ein kalt-warmes Büfett vorbereitet. Die Schamgrenze einsamer Menschen sei sehr hoch, meint sie: „Da will sich keiner outen.“

 Wer bei Fanny Dethloff in Kühren mitfeiern möchte, kann sich unter Tel. 04342/801424 anmelden.

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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