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Charmante Hütten ohne Genehmigung

Hohwacht Charmante Hütten ohne Genehmigung

„Es ist ein Paradies“, sagt Jörn Muxfeldt und sitzt in seinem Klappstuhl. Hinter sich eine Hütte, vor sich die Ostsee, über sich die Sonne. 50 dieser Mini-Bauten stehen am Strand – geduldet nur bis zum 1. Januar 2018. Doch die Pächter dürfen wohl auch in Zukunft das Badebuden-Leben genießen.

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Dörthe Klahn-Noll und Jörn Muxfeldt vom Verein Stranddiestel stehen vor einer der Badhütten in Hohwacht. Dieses Modell stammt aus den 30er-Jahren und wurde noch vom Vater Muxfeldts aufgebaut.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Hohwacht. Muxfeldt ist Vorsitzender des Vereins Stranddistel, in dem sich die Badehütten-Pächter zusammengeschlossen haben. Er kennt die Geschichte dieser an der Ostsee heute einmaligen Hütten-Siedlung. Die erste kleine Bude entstand 1908. Sie reichte, um sich umzuziehen, bei Regen im Trockenen zu sitzen und vielleicht für ein kleines Bett, um zu übernachten. In den 30er-Jahren setzte ein regelrechter Boom ein und Hütte um Hütte kam hinzu. Nach einer Baugenehmigung und Naturschutz fragte man damals nicht. Der Strand ist auch mit dem Traum der Stadt Lütjenburg verbunden, ein eigenes Seebad zu errichten. Die Stadt hatte dafür 1931 mit großen Hoffnungen die Flächen gekauft. 1988 erwarb Hohwacht wieder „seinen“ Strand zurück. Dabei trat das Problem mit den Badehütten erstmals zu Tage. Um das zu umgehen, gewährte Hohwacht einen Bestandsschutz, der nun nach 30 Jahren nun ausläuft.

Und die Probleme sind seitdem nicht kleiner geworden. Genauso wie manche Badehütte im Laufe der Jahre erneuert wurde und dabei gewachsen ist. Ein Umzug in den 50er-Jahren machte es auch nicht einfacher. Die Besitzer der Badebuden wurden offiziell aufgefordert, ihre Häuschen in Richtung der Steilküste nach hinten zu versetzen. Sie störten den Tourismus am Strand. Nun wächst am Hang allerdings ein Wald, zu dem es eigentlich einen Abstand von 30 Metern einzuhalten gilt. Falls einmal ein Baum umfällt. Hinzu kommt, dass es sich um Naturschutzflächen handelt. Und eine Baugenehmigung ist auch in den vergangenen 30 Jahren – niemand ist davon überrascht – nirgendwo aufgetaucht.

Eigentlich würde Ende 2017 der Auszug aus dem Paradies anstehen. Schon 2015 setzten sich Vertreter der Gemeinde Hohwacht, des Amts Lütjenburg, des Forstamts und der Kreisverwaltung zusammen, um die Zukunft der 50 Badehütten zu beraten. Die Zeichen standen zunächst auf Abriss. Doch es zeichnet sich ein Kompromiss ab, der die Badehütten-Welt weiterbestehen lassen könnte. Allerdings unter verschärften Bedingungen, wie aus einer Mitteilung der Kreisverwaltung in Plön hervorgeht. Die Gemeinde muss die neuen Spielregeln in einer Gestaltungssatzung festhalten. Dazu gehört, dass im Falle eines Brandes oder Hochwassers, eine zerstörte Hütte nicht wieder aufgebaut, sondern endgültig abgerissen werden muss – ersatzlos. Erlaubt sind nur Arbeiten zur Instandhaltung der Gebäude. Neubauten, die auch noch größer als die Vorgängerhütte ausfallen, sind streng verboten. Wird dagegen verstoßen, ist die Hütten-Siedlung endgültig Geschichte. Muxfeldt ist voller Hoffnung, in seiner Hütte bleiben zu dürfen.

„Wir wollen im gegenseitigen Einvernehmen Lösungen finden.“ Auf Streit mit den Behörden sei der Verein Stranddistel nicht aus. Damit, dass die Häuser so bleiben, wie sie sind, könne er gut leben. Es liege nicht im Vereinsinteresse, wenn sie immer größer würden. „Eine Wochenendhaussiedlung will nämlich keiner hier.“ Und die Nähe zum Wald fürchtet er auch nicht. Seit sein Vater die Hütte errichtet habe, sei an dieser Stelle noch nie ein Baum auf das „Paradies“ gefallen.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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