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Flüchtlinge ziehen ins Schullandheim

Hohwacht Flüchtlinge ziehen ins Schullandheim

Das Amt Lütjenburg hat sich überraschend dazu entschlossen, das ADS-Schullandheim (Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig) in Hohwacht zu kaufen, um darin Flüchtlinge unterzubringen. Der Amtsausschuss stellte am Montag 730 000 Euro für den Kauf bereit. Die Immobilie bietet Platz für 50 bis 70 Menschen.

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Das Amt Lütjenburg findet nur noch schwer Wohnungen für Flüchtlinge. Das ADS-Schullandheim in Hohwacht wird jetzt zur Sammelunterkunft.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Kletkamp. Die Entscheidung war in den Reihen der Bürgermeister und Kommunalvertreter nicht unumstritten. Eine Dreiviertelstunde tagte der Amtsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung, bevor der Beschluss mehrheitlich abgesegnet wurde. Im Mittelpunkt der Kritik standen die finanziellen Risiken, die das Amt übernimmt. Die Finanzierung des Kaufpreises sieht auf den ersten Blick eigentlich sehr gut aus. Nach Angaben von Amtsvorsteher Schütte-Felsche stellt die KFW-Bank einen Kredit mit einer Laufzeit über zehn Jahre bei einem Zinssatz von null Prozent in Aussicht. Gleichzeitig erhält das Amt aber Geld für die Unterbringung der Flüchtlinge vom Bund erstattet. Aus diesen Mitteln könnte der Kredit innerhalb von fünf Jahren abbezahlt werden, so die Berechnungen.

 Das Risiko besteht nun darin, dass die Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung als Asylbewerber in andere Städte und Gemeinden ziehen. Für viele dürfte ein großes Zentrum mit guten Arbeitsmöglichkeiten eher anziehend sein, vermutete Schütte-Felsche. Die Folge: Die Unterkunft im Schullandheim könnte sich leeren und der Bund daher weniger Geld überweisen. Die Rückzahlung des Kredits würde sich verzögern oder im schlimmsten Falle aus der Amtskasse zu begleichen sein.

 Das Amt hat allerdings kaum Alternativen. 197 Flüchtlinge leben derzeit in und um Lütjenburg. Bis zum Jahresende kommen pro Woche rund 20 weitere Menschen hinzu. Schütte-Felsche: „Wir stehen unter enormem Druck, diese Leute unterzubringen.“ Er appellierte erneut an Hausbesitzer, freien Wohnraum der Amtsverwaltung zu melden.

 Ein Architekt hat die Bausubstanz des Schullandheims untersucht und für gut befunden. Das Objekt ist schnell bezugsfertig. Die Verpflegung übernimmt ein Caterer. Die bereits angemeldeten Gruppen für das Schullandheim sollen in andere Einrichtungen der ADS umgeleitet werden. Schütte-Felsche rechnet in wenigen Wochen mit dem Abschluss des Kaufvertrages.

 Die Stimmung im Amtsausschuss ist wegen der Flüchtlinge gereizt. Dannaus Bürgermeister Roland Feichtner kritisierte seinen Lütjenburger Amtskollegen Dirk Sohn. Der äußere sich herablassend über die Landgemeinden, weil die im Vergleich nicht so viele Flüchtlinge unterbringen wie die Stadt, so Feichtner. Das wies Sohn seinerseits scharf zurück. Blekendorfs Bürgermeister Andreas Köpke, der selbst eine Sammelunterkunft in seiner Gemeinde hat, beklagte die Last der Aufgabe. „Das Durchreichen der Flüchtlinge nach unten ist immer einfach. Aber wir haben die schwierige Aufgabe der Integration.“ Ähnlich der Lütjenburger Stadtvertreter Thomas Hansen: „Die Belastungsgrenzen bei Unterbringung und Betreuung sind erreicht.“

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Hans-Jürgen Schekahn
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Hohwacht
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