3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Im Netz von Vorschriften

Björn Fischer in Heikendorf Im Netz von Vorschriften

„Als ich anfing, war das noch ein freier Beruf“, sagt Björn Fischer. Der 48-jährige Heikendorfer ist der Familientradition gefolgt und fischt – in der siebten Generation. Doch inzwischen müssen er und seine Kollegen sich an viele Regeln halten und werden streng überwacht.

Voriger Artikel
Wenn nichts hilft, kommt die Pflichtwehr
Nächster Artikel
Zumba-Kids für Engagement ausgezeichnet

Björn Fischer auf seinem Kutter SK 14 im Heimathafen Möltenort. Meistens ist er jedoch draußen auf See.

Quelle: Andrea Seliger

Heikendorf. Quoten sollen dafür sorgen, dass die Fischbestände in der Ostsee sich erholen, vor allem der Dorsch ist gefährdet. Fischer glaubt, dass mehr Faktoren eine Rolle spielen: „Die Natur ist viel komplizierter.“

 Vor jedem Auslaufen mit seinem Kutter SK 14, Heimathafen Möltenort, schickt Fischer eine Meldung an die zuständige Behörde, von unterwegs regelmäßig das elektronische Logbuch, in der Schonzeit häufiger. Dafür hat er ein Satellitentelefon und weitere Geräte installiert – Technik, die kostet. Abends wird die Fangmenge gemeldet. Und insbesondere nach längeren Fahrten – zeitweise fischt SK 14 auch vor Bornholm – komme es vor, dass im Hafen ein Mitarbeiter des Fischereiamtes warte und die Kisten zähle.„Man muss den Beruf mögen. Mit einer 40-Stunden-Woche wird man in der Fischerei nichts“, sagt er. Sein Vater war noch mit zwei Mann Unterstützung unterwegs. Björn Fischer hat einen Matrosen, der am Fangerlös beteiligt wird.

 Als die EU im vergangenen Jahr die Fangquoten für 2017 festlegte und dabei unter anderem die für Dorsch um mehr als die Hälfte reduzierte, gab es heiße Diskussionen. In Schleswig-Holstein wurde für die Laichzeit von Anfang Februar bis Ende März ein kompletter Fangstopp festgelegt. Ausnahme: Kutter unter 15 Metern Länge, die in flachen Gewässern bis zu 20 Metern Tiefe fischen. Denn der Dorsch bevorzugt zum Laichen mehr Tiefe.

 Theoretisch könnte auch Björn Fischer diese Regelung nutzen: Sein SK 14 ist knapp unter 15 Meter lang. „Ich habe so eine geringe Dorschquote, das wäre für mich Blödsinn“, sagt Fischer. Statt dessen sucht er jene Stellen auf, an denen er den Butt vermutet. Problematisch am Quotensystem seien nicht nur die Mengen, sondern auch die starre Praxis, meint Fischer. Werden die erlaubten Mengen für eine Art reduziert, sei es kaum möglich, auf eine andere auszuweichen.

 Rainer Froese, Fischereiexperte von Geomar, ist die Dorschquote noch zu hoch. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern plädiert er dafür, den kommerziellen Dorschfang und auch die Angelei für zwei Jahre komplett einzustellen. Der internationale Rat für Meeresforschung, dem auch das Rostocker Thünen-Institut für Ostseefischerei zuarbeitet, hatte ebenfalls geringere Dorschquoten empfohlen.

 Björn Fischer vermutet, dass die Ursachen des Rückgangs noch komplexer sind, gerade beim Dorsch, der riesige Mengen Laich produziere. Wie viele Tiere sich daraus entwickelten, hänge von vielen Faktoren ab. „Irgendwann wird es auch hier wieder eine Menge Dorsch geben.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Plön 2/3