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Immer mehr Autofahrer melden Schäden

B76-Baustelle Schwentinental Immer mehr Autofahrer melden Schäden

Die Baustelle auf der B76 in Schwentinental schlägt weiter Wellen. Immer mehr Autofahrer berichten über Karambolagen in der Mittelspur. Sie bemängeln, dass der Engpass nicht deutlich genug angezeigt werde. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr hat eine Überprüfung der Verkehrsführung veranlasst.

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Hier wird’s eng: Am Wiener Kreisel in Kiel stößt der Verkehr aus Elmschenhagen auf die B 76. Gleich darauf müssen sich die Autofahrer entscheiden, welche Spur sie nehmen.

Quelle: Claudia Josefus-Szellas

Schwentinental. Den Stein hatte Hinrich Dibbern aus Barmissen ins Rollen gebracht. Er war mit seinem Mercedes Cabrio gegen die rechte Fahrbahnbegrenzung geraten: 5000 Euro Schaden waren die Folge. Nach dem Bericht in dieser Zeitung hätten sich bei ihm zehn Autofahrer gemeldet, die Ähnliches erlebt hatten.

 Auch in der KN-Redaktion stand das Telefon nicht still. Ein Audi-Fahrer schilderte, wie er mit seinem A6 (Breite 1,84 Meter) in die mittlere Spur (2 Meter) geraten war: „Dabei hatte ich zwei Tage vorher noch den Bericht über den KVG-Bus gelesen, der sich dort festgefahren hatte. Ich habe sogar meiner Frau die Stelle gezeigt – da war ich schon selber mit der Seite drangekommen.“ Er sei überrascht gewesen, wie eng das plötzlich war. „Auf Autobahnen fährt man ja öfter mal in Baustellen mit zwei Meter breiten Spuren. Aber da hast du dann eine Nagelspur und an den Seiten Platz. Auf der B76 sind links und rechts hohe Leitplanken.“ Immerhin zieht er ein selbstkritisches Fazit: „Das war ärgerliche eigene Dummheit.“ Und eine teure: beide Kotflügel und beide Türen kaputt, die Schramme kostete ihn 6500 Euro. Im Audi-Zentrum Kiel habe er jedoch Mitgefühl gespürt: „Da standen in der Werkstatt drei weitere Autos mit den gleichen Schrammen.“

 Auch Holger Schramm, Inhaber der Autolackierei Runge + Schramm in Schwentinental, weiß von „ungefähr 15 Fällen“ seit der Baustelleneinrichtung im Februar. Er selber hält die Verkehrsregelung zwar für ausreichend: „Zwei-, dreimal vorher leuchtet ja das Schild auf: 2 m Breite.“ Dennoch glaubt Schramm, dass vor allem ältere Fahrer die Lage falsch einschätzten. „Wenn sie erst mal drin sind, werden sie nervös“, vermutet er. „Zwei Kilometer können dann verdammt lang sein.“

 Jens Buschmann aus Kiel brachte seinen Wagen auch zu Runge + Schramm in unmittelbarer Nähe der B76-Baustelle. Der Schaden an dem Mercedes C-Klasse schlug ebenfalls mit 6500 Euro zu Buche – „ohne Steuer“. Buschmann wirft die Frage auf, ob die mittlere Spur überhaupt sicher sei: „Was ist, wenn da ein Auffahrunfall passiert? Man bekommt ja nicht mal die Türen auf.“

 Matthias Paraknewitz, Leiter der Niederlassung Rendsburg des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, bestreitet das: „Wenn eine Fahrspur mit zwei Metern Breite angegeben ist, dann ist sie in Wahrheit breiter als zwei Meter.“ Soll heißen: Es gebe auf beiden Seiten einen „Sicherheitsraum“. Wie groß der in Schwentinental ist, konnte Paraknewitz nicht sagen. Nur so viel: Die gesamte Baustelle werde derzeit auf mögliche Defizite bei Fahrbahnbreiten und Anordnung der Verkehrszeichen überprüft. „Die Mitarbeiter sind mit dem Maßband unterwegs“, so Paraknewitz, „ich bin ziemlich sicher, dass es keine Defizite gibt.“ Schon der ADAC habe in Untersuchungen festgestellt, dass viele Autofahrer die tatsächliche Breite ihrer Fahrzeuge falsch einschätzten.

 Zur Frage der Sicherheit verweist Paraknewitz auf ein „Gespräch aller beteiligten Stellen“ im Vorfeld der Baustelleneinrichtung. Stefan Kühl, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Raisdorf, war dabei. Er hält Beschilderung und Verkehrsführung für ausreichend. Der Rettungsplan sehe vor, dass im Fall eines Unfalls die B76 in beiden Richtungen gesperrt wird, damit der Verkehr abfließen kann. Rettungsfahrzeuge würden dann über die äußeren Fahrbahnen anrücken. Die mittlere Spur sei als Rettungsgasse zu schmal. Kühl empfiehlt hier, was eigentlich unüblich ist: „Bei einem Unfall in der mittleren Spur im Fahrzeug sitzen bleiben, bis Hilfskräfte eingetroffen sind. Auf keinen Fall sollte man aussteigen und sich in den fließenden Verkehr begeben.“ Ist die B76 sicher? Kühl: „Baustellen sind grundsätzlich ein Unfallschwerpunkt.“

 Ursache der Sperrung am Montagmorgen in Richtung Kiel war übrigens ein Anhänger, der sich in Höhe Wellseedamm in Kiel gelöst hatte und erst einmal wieder angekuppelt werden musste. Der Verkehr staute sich vier Kilometer zurück bis zum Ostseepark.

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Ein Artikel von
Ralph Böttcher
Ressortleiter Ostholsteiner Zeitung

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5000-Euro-Schaden auf der B 76
Foto: Ärgert sich über den Schaden an seinem Mercedes Cabrio: Hinrich Dibbern.

Die Straßenbaustelle auf der B76 bringt offensichtlich viele Autofahrer in Bedrängnis. Hinrich Dibbern aus Barmissen, der seinen Mercedes in der schmalen mittleren Spur beschädigte, bekommt von allen Seiten Anrufe weiterer Geschädigter. Er hat einen Anwalt eingeschaltet.

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