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Jobaussichten für Flüchtlinge

Kreis Plön Jobaussichten für Flüchtlinge

Die Flüchtlingswelle schlägt im neuen Jahr erstmals voll auf das Jobcenter im Kreis Plön durch. Eine Gruppe von 159 Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan ist bisher bei der Behörde registriert. Jobcenter-Chef Gerhard Kerssen rechnet damit, dass 2016 rund 500 Menschen hinzukommen – und gebraucht werden.

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Der Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Plön, Gerhard Kerssen, rechnet 2016 mit 500 Flüchtlingen, die auf seine Behörde zukommen.

Quelle: Dirk Schneider

Plön. Das größte Hindernis für die Menschen sei die Sprache, so Kerssen. Von den 159 registrierten Flüchtlingen beim Jobcenter haben 112 keine oder nur geringe Kenntnisse des Deutschen. „Wir verstehen nicht immer, welches Anliegen die Menschen haben.“ Dolmetscher seien nicht immer dabei. Für diese Gruppe bietet die Behörde vorrangig Sprachkurse an. Derzeit beträgt die Kapazität 80 Plätze. Wenn man den Ankündigungen des Bundes glaubt, steht 2016 Geld für 160 Menschen im Kreis Plön bereit, die auf diesem Weg Deutsch lernen können. Kerssen: „Danach können wir mit den Leuten richtig arbeiten.“ Immerhin 32 Flüchtlinge könnten sich bereits ohne weiteren Kursus gut verständigen.

 Der Geschäftsführer des Jobcenters rät den Zuwanderern dringend, genau zu überlegen, ob sie schnell einen Hilfsjob für 8,50 Euro pro Stunde antreten oder lieber eine grundlegende Ausbildung oder eine Fortbildung in ihrem bisherigen Beruf machen. „Ich warne vor Schnellschüssen, die nicht nachhaltig sind.“ Ein gutes Beispiel für Kerssen ist hingegen ein junger Afghane, der seit 2012 in Plön lebt und seit Sommer 2014 dabei ist, seinen Realschulabschluss zu machen. Seit vier Monaten arbeitet er dazu halbtags als Betreuer für Flüchtlinge in Neumünster. Kerssen: „Wenn der mit seinen Realschulabschluss fertig ist, steht ihm die Berufswelt in Deutschland offen. Der ist später sicher nicht auf Sozialleistungen des Staates angewiesen.“

 Denn Hilfsarbeiter gebe es genug. Die könne man jetzt schon nicht alle vermitteln. Fachkräfte würden in Zukunft hingegen fehlen. Als Beispiel führt Kerssen den bevorstehenden Bau des Fehrmarnbelt-Tunnels an. 7000 bis 8000 Menschen würden für einen Zeitraum von sieben bis acht Jahren gleichzeitig auf der Baustelle tätig sein. Zu dänischen Tarifgehältern, die deutlich über den deutschen lägen. Kerssen schätzt, dass viele Mitarbeiter vor allem aus den Kreisen Plön und Ostholstein ihre jetzigen Betriebe (und nicht nur aus der Baubranche) verlassen und sich auf die Insel begeben. Das böte Zuwanderern gute Chancen, diese Lücken zu besetzen. Kerssen sieht Chancen für Flüchtlinge in vielen weiteren Bereichen. Ganz oben stehen dabei Pflegeberufe und die Gastronomie. Es folgen die Metall- und die Elektrobranche, Landschaftsbau und das Nahrungsmittelgewerbe. Am besten aber immer mit einer guten Ausbildung. Am besten wäre es aus Sicht des Jobcenter-Geschäftsführers, wenn die Betriebe, die Flüchtlinge einstellen, auch bei Alltagsproblemen den Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Das ist idealerweise ein soziales Engagement, das über die Hilfe bei der Berufsschule hinausgeht.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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