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Plöner Pastor geht ins Gefängnis

Justizvollzugsanstalt Neumünster Plöner Pastor geht ins Gefängnis

Der Plöner Pastor Jörn Kress geht ins Gefängnis. Der 54-jährige Geistliche verlässt zum 1. Oktober die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, um künftig als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Neumünster zu arbeiten.

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Pastor Jörn Kress genießt die ruhige Abendstimmung in der Plöner Nikolaikirche.

Quelle: Dirk Schneider

Plön. Am Sonntag, 11. September wird Jörn Kress im Rahmen eines Gottesdienstes verabschiedet. Die Feierstunde in der Nikolaikirche beginnt um 15 Uhr.

In einen persönlichen Rückblick über seien siebenjährige Tätigkeit als Plöner Gemeindepastor hebt Kress die besonders gute Zusammenarbeit „Hand in Hand“ mit der Kirchenmusik hervor. „Vor allem das Kantatenjahr war eine besondere Bereicherung, aber auch eine große Herausforderung“, erinnert sich Kress. Im Kirchenjahr 2011/12 – Beginn ist immer der erste Advent – führte die Kantorei an jedem Sonn- und Feiertag die dazu gehörige Kantate von Johann Sebastian Bach auf. „Kantaten und Predigten, Musik und Text wurden abgestimmt. Das war spannend und harmonisch zugleich.

„Diese gewaltige Veranstaltung lockte zahlreiche Besucher, darunter auch einige Bischöfe an“, so Kress. Ein weiteres Highlight seien die politischen Kirchentage gewesen, die weit über die Gemeinde hinaus landes- und auch bundesweit Beachtung gefunden haben.

Überraschend sei für ihn gewesen, welche touristische Anziehungskraft die Nikolaikirche und die Johanniskirche ausüben würden. Und durch die entsprechenden Führungen habe er selbst auch die beiden Gotteshäuser von ganz anderen Seiten kennengelernt. An der Turmfalkenklappe hoch oben im Kirchturm hätten sich beispielsweise kleine Dramen abgespielt. „Man wird fast zum Ornithologen“, lacht Kress, angesichts der vielen Fragen, die ihm im Bezug auf die gefiederten Bewohner gestellt worden seien.

Besonders fehlen werde ihm wohl das ganz besondere Umfeld rund um das Plöner Pastorat. „Auf der einen Seit schauen wir über den Garten mit Apfelbäumen auf den Plöner See, auf der anderen Seite ist der Marktplatz mit der Nikolaikirche. Man ist hier mitten im Leben“, so Kress. Entsprechend häufig würden Hilfesuchende an der Tür klingeln. „Ich habe schon oft am späten Abend ein paar Brote geschmiert oder als Herbergsvater das Gemeindehaus geöffnet, wenn jemand einen Schlafplatz benötigte.“ Ein Beispiel: Ein Rucksacktourist war bestohlen worden. Geldbörse und Wertsachen waren weg. Nach Abendessen, Telefonanrufen, Übernachtung und Frühstück gewährte Kress einen „Kleinkredit“ für eine Bahnfahrkarte. „Nach wenigen Tagen kam das Geld mit einem Dankesschreiben zurück.“ Diese Momente, in denen man Menschen helfen könne, seien die Schönsten“, so Kress. „Einfach mal zuhören, für den anderen da sein. Ein Händedruck, ein Blick.“ Dazu zähle auch die Betreuung der Krebsgruppe, um die es sich gerne noch intensiver gekümmert hätte. Aber die Arbeit des Gemeindepastors beinhalte auch viele verwaltende Aufgaben. Vielleicht sei dies ein Grund mit 54 Jahren noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen. „Ich habe ein diakonisch seelsorgerisches Profil“, sagt Kress über sich selbst. Und könne in seinem künftigen Wirkungsfeld wohl noch stärker zu tragen kommen. „Gefängnisinsassen leben in einer unglaublichen Zwangssituation, da hat der Seelsorger mit seiner Schweigepflicht eine Sonderrolle. Diese Ventilfunktion finde ich sehr reizvoll.“

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