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Kaum Hoffnung für die L68

Dersau Kaum Hoffnung für die L68

Schwere Kies-Lkw, landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, Ausflugsverkehr zwischen Hamburg und der Ostsee und viele Radler auf der Strecke um den Plöner See: Die Dersauer Ortsdurchfahrt ist eine vielbefahrene Landesstraße, die herabgestuft wurde. Sie wird nun nicht mehr saniert, sondern nur noch ausgebessert.

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Die Sanierung dieser Kurve in Dersau konnten Bürgermeister Holger Beiroth und Gemeindevertreter Hans-Heinrich Banck noch heraushandeln. Danach ist Schluss mit der Straßenerneuerung.

Quelle: Peter Thoms

Dersau. Dersau. Risse ziehen sich alle paar Meter quer zur Fahrbahn, Schlagloch reiht sich an Schlagloch, Gullideckel müssen hochgesetzt werden, damit sie auf einer Ebene mit der Fahrbahn liegen. Die Dersauer Dorfstraße, die Landesstraße 68, unterscheidet sich nicht viel von anderen Ortsdurchfahrten. Mit einem Unterschied: Hier gibt es kaum noch Hoffnung auf Besserung.

 „Das ist die Holperpiste in die Holsteinische Schweiz!“ Bürgermeister Holger Beiroth und Hans-Heinrich Banck, der Vorsitzende des für die Straßen zuständigen Geschäftsausschusses, retten sich in Sarkasmus, wenn sie auf den Zustand der Fahrbahn angesprochen werden. Ihre Ortsdurchfahrt gilt nur noch als eine „Landesstraße zweiter Ordnung“. Das hat gravierende Folgen: In Zukunft wird die Straßendecke nur noch ausgebessert, eine komplett neue Fahrbahn der mittlerweile 45 Jahre alten Trasse können die Dersauer sich abschminken. Schon jetzt müssen die Gullideckel oft der Fahrbahn angeglichen werden – das belastet die Gemeindekasse mit 800 Euro pro Gulli.

 Matthias Paraknewitz, der Leiter der Rendsburger Zweigstelle des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, sieht keine Möglichkeit, den Dersauern zu helfen: Es handele sich nicht um eine Herabstufung, sondern um „eine Gliederung nach Prioritäten“. Die Landesregierung habe den Landesstraßenzustandsbericht zur Kenntnis genommen und akzeptiert. Und die L68 gehöre nun einmal nicht zu den Straßen, die dringend erneuert werden müssten.

 Das hatte schon einige Tage vorher Patrick Remmet vom Landesbetrieb Straßenbau/Straßenmeisterei Stolpe den Dersauern mitgeteilt. Der hatte, so Beiroth, bei einem Ortstermin zwar viel Verständnis für die Dersauer, könne mit dem ihm zur Verfügung stehenden Geld jedoch nicht weiterhelfen. Sein schwacher Trost: „Ihre Straße ist im Vergleich zu vielen anderen Straßen im Land gar nicht so nicht schlecht.“

 Einen kleinen Verhandlungserfolg erzielten Beiroth und Banck in dem Gespräch mit Remmet aber doch: „Wir haben gerade noch 40 Quadratmeter Komplettsanierung herausgehandelt. An einer Stelle, wo vor allem die schweren Kieslaster ganze Arbeit geleistet haben – in der Linkskurve, die von Stocksee aus in den Ort hineinführt.“

 Ein Trostpflaster, das Holger Beiroth nicht davon abhalten wird, einen Brandbrief an Reinhard Meyer, den Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie zu schreiben. Wenn der Dersauer Bürgermeister alle Argumente für die Rücknahme der Herabstufung nennen will, braucht er viel Zeit zum Schreiben – und Minister Meyer viel Zeit zum Lesen.

 Da wären die vielen Querrisse, die viel Wasser durchlassen und den Unterbau der Straße nach dem nächsten strengen Frost endgültig ruiniert haben dürften, da sind die schweren Schäden durch Schwerlastverkehr aus den nahegelegenen Kiesgruben. „Kiestransporte für den Bau anderer Straßen haben unsere Ortsdurchfahrt ruiniert.“ Außerdem nutzten viele andere Lkw die mautfreie Strecke, wenn sie nicht unter Zeitdruck unterwegs sind. Besonders erwähnen wird Beiroth auch die touristische Bedeutung der Straße: Ausflugsverkehr auf der Strecke rund um den Großen Plöner See, viele Fahrzeuge aus dem Großraum Hamburg, die die schönste Strecke in Richtung Ostsee wählen, und die führe nun einmal durch Dersau. Argumente, denen sich der auch für den Tourismus zuständige Minister eigentlich kaum verschließen kann, übt sich Beiroth noch in ein ganz bisschen Zuversicht.

 Im Ministerium wartet man den Brief gelassen ab: Wie Pressesprecher Harald Haase feststellt, sei mit dem Landesstraßenzustandsbericht eine klare Prioritätenreihung verbunden: Die L68 wurde aufgrund ihrer fehlenden Verkehrsbedeutung und Netzfunktion in die Kategorie „Landesstraße in der Fläche“ (Netz 2) eingestuft. Erst, wenn die Sanierung aller vorrangigen Landesstraßen aus dem Netz 1 abgeschlossen sei, könne man an die unwichtigeren Straßen denken: „Auch wenn die L68 ohne Zweifel sanierungsbedürftig ist, kann vorerst keine Sanierungsmaßnahme in Aussicht gestellt werden“, so Haase. Die Straße werde aber natürlich weiterhin durch den Landesbetrieb Verkehr repariert, und damit ebenso sicher wie befahrbar gehalten, verspricht er.

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Ein Artikel von
Peter Thoms
Redaktion Ostholsteiner Zeitung/stellv. Ressortleiter

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