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Kleiner Racker als Plattschnacker

„De lütte Häwelmann“ Kleiner Racker als Plattschnacker

Der kleine Häwelmann ist ein sympathisches Kinderbuch, das auch knapp 120 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung viel menschliche Wärme ausstrahlt“, sagt Pastor Ulrich Gradert. Und auf Platt klingt Theodor Storms Märchen vielleicht sogar noch etwas wärmer. Jetzt stellte Gradert seine Übersetzung vor.

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Pastor Ulrich Gradert (vorn) stellte in einer Lesung seine plattdeutsche Übersetzung des Kinderbuchs „De lütte Häwelmann“ von Theodor Storm vor, das Vito von Eichborn als Verleger neu herausgibt.

Quelle: Dirk Schneider

Bösdorf. Im Rahmen der offiziellen Buchvorstellung begeisterte er über 60 Zuhörer in der Kleinmeinsdorfer Lutherkirche mit seiner Lesung aus „De lütte Häwelmann“.

 Die Idee, Storms Büchlein op Platt neu aufzulegen, hatte der 72-jährige Verleger Vito von Eichborn aus Timmdorf. „Wir setzen unseren Schwerpunkt auf norddeutsche Regionalia und niederdeutsche Sprache, insofern fügt sich dieses Projekt gleich doppelt in unser Portfolio ein“, so von Eichborn. Der Kontakt zu Gradert war dann eine glückliche Fügung. „Ich habe den Pastor, der op Platt predigt, einfach angerufen und fand gleich ein positives Echo.“

 Das war am zweiten Advent 2015. „Das Vorhaben hat mich derart gereizt, dass ich trotz der Vorweihnachtszeit zugesagt habe“, sagt Gradert und lacht. Aber die Novelle sei mit 16 Seiten im Original auch gut überschaubar, wobei der Großdruck und die Illustrationen aus dem Jahr 1926 von Else Wenz-Viëtor noch abzuziehen seien.

 Die eigentliche Schwierigkeit sei es gewesen, das passende Platt für die Übersetzung zu finden. „Als gebürtiger Ostholsteiner habe ich mich natürlich für unsere Sprachfärbung entschieden, wobei manche Begriffe schon regional von Dorf zu Dorf anders ausgesprochen werden.“ Beispiele seien Stiert und Steert (Schwanz), Kerk und Kark (Kirche) oder Maand und Moond (Mond). „Im Zweifel habe ich auf mein Fingerspitzengefühl vertraut, auf den „Sass“ als plattdeutschen Duden zurückgegriffen und zwei weitere plattdeutsche Lektoren befragt“, berichtet Gradert, der selbst 20 Jahre lang als Dozent einen Lehrauftrag für niederdeutsche Sprache an der Uni Kiel hatte.

 Herausgekommen ist keine wörtliche Übertragung, sondern eine etwas freie Fassung, die sowohl der Geschichte als auch der Sprache gerecht wird. „Platt hat einen eigenen Rhythmus, erlaubt weniger Abstraktionen, die direktere Ansprache baut Distanz ab“, erläutert Gradert.

 Die Bedeutung des eigentlich ungebräuchlichen niederdeutschen Wortes Häwelmann, das Storm in seiner Originalfassung nutzt, müsse man aus dem Zusammenhang erschließen. „Kleiner Racker dürfte den Begriff am besten beschreiben“, vermutet Gradert. Andere Bezeichnungen wie Nervensäge, Quäl- oder Plagegeist seien etwas zu hart.

 Die Kurzgeschichte schrieb Storm 1849, ein Jahr nach der Geburt seines ersten Kindes. Ob der berühmte Husumer Heimatdichter dabei Charakterzüge seines Sohns Hans in den kleinen Häwelmann einfließen ließ, oder ob die Gute-Nacht-Geschichte rein auf Fantasie beruht, ist nicht überliefert.

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