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Klinik reißt Sprachbarrieren ein

Preetz Klinik reißt Sprachbarrieren ein

Kommunikation und Vertrauen zwischen Arzt und Patient ist wichtig. Doch bei ausländischen Patienten steht oft die Sprachbarriere dazwischen. Maren Lach, Pflegedienstleiterin der Klinik Preetz, hat deshalb zusammen mit den Mitarbeitern ein Pflegehandbuch entwickelt, das jetzt als Buch erscheint.

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Maren Lach, Pflegedienstleitung in der Klinik Preetz, hat ein Buch „Dolmetscher für Pflegende“ veröffentlicht.

Quelle: Silke Rönnau

Preetz. Den Anstoß gab ein Notfall an einem Wochenende, erzählt die 50-Jährige. Ein Grieche kam nach einem Unfall in die Klinik und sollte gleich operiert werden. An diesem Abend fand sich jedoch kein „hauseigener Dolmetscher“ unter den Mitarbeitern, die sonst in solchen Fällen übersetzen. So gab es Probleme beim Aufklärungsgespräch: Was sollte operiert werden? War der Patient nüchtern? „Ich wünschte, wir hätten etwas, um mit ihm zu kommunizieren“, habe eine Schwester damals gesagt.

 Maren Lach setzte sich daraufhin mit den beiden Schwestern Janina Mank und Anna Geffke zusammen und entwickelte verschiedene Fragen und mögliche Antworten aus den Bereichen Anamnese, Diagnostik, Krankenbeobachtung, Medikamente und Injektionen, Essen und Trinken sowie allem, was mit der Entlassung zusammenhängt. Anschließend wurden die Mitarbeiter, die andere Sprachen sprechen, um eine Übersetzung gebeten. „Ohne die Hilfe der Mitarbeiter wäre das nie zustande gekommen“, freut sie sich.

 Mit diesem Pflegehandbuch wurde Maren Lach im Bereich Patienten-Marketing für den Klinik Award – „der Oscar der Krankenhaus-Branche“, sagt sie – nominiert. Sie gewann zwar nicht, stieß mit ihrer Idee aber auf ein riesiges Interesse. „Der Bedarf ist wirklich da“, stellte sie fest. Immer wieder meldeten sich Kliniken aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und fragten, ob man die Unterlagen nicht als Buch herausbringen könnte. Das passiert jetzt: Der „Dolmetscher für Pflegende“ erscheint am 12. Mai im Springer-Verlag. Enthalten ist gleich ein eBook-Zugang. „Wir arbeiten in Kliniken immer mehr mit Dokumentationen auf Tablets“, erklärt sie.

 Im Nachschlagewerk sind nicht nur Übersetzungen für mittlerweile 14 Sprachen enthalten, sondern auch Hintergründe zu besonderen Ritualen oder Traditionen oder zum Umgang mit Tod und Sterben. Katholischen Patienten aus Portugal sei es beispielsweise sehr wichtig, den Rosenkranz immer griffbereit zu haben, erzählt sie. Und mit muslimischen Patienten sollte man klären, ob sie auch Medikamente schlucken, in denen Alkohol enthalten ist. Wichtig sei das Nachschlagewerk nicht nur in der aktuellen Flüchtlingssituation: „Wir haben ja auch viele Urlauber hier an der Ostsee.“

 Voraussetzung für die Anwendung des Handbuchs ist, dass die Patienten lesen können. Unter den Fragen wie beispielsweise „Leiden Sie an Allergien?“ sind verschiedene Antworten aufgelistet, auf die die Kranken zeigen können. In Preetz sollen alle Stationen, OP und Empfangsbereich mit dem Buch ausgestattet und die Mitarbeiter geschult werden.

 „Das Buch hilft auch, Vertrauen aufzubauen“, sagt Maren Lach und erzählt die Geschichte eines verschlossenen, fast schon muffeligen Manns, zu dem die Mitarbeiter keinen Zugang fanden. Eine Schwester nahm dann das Buch zur Hand, rutschte aber mit dem Finger ab auf eine Frage, die in diesem Zusammenhang völlig sinnlos war. „Sie mussten beide so lachen, dass das Eis gebrochen war.“

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
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