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Die Kapelle der Aussöhnung

Koppelsberg Die Kapelle der Aussöhnung

Der endlos strömende Regen konnte die 4000 Menschen nicht vertreiben. Die Einweihung der Kapelle auf dem Koppelsberg in Plön vor 60 Jahren geriet zu einem Großereignis. Zutritt ins Gotteshaus gab es damals nur mit Eintrittskarten.

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Der Keller ist gerade ausgehoben. Jugendliche aus aller Welt schleppen gemeinsam einen Trägerbalken für die neue Kapelle auf dem Koppelsberg.

Quelle: Archivfoto Jugendpfarramt

Plön. Was viele heute nicht mehr wissen: Der schlichte Kirchenbau leistete einen kleinen Beitrag zur Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. 1951 räumte die britische Besatzungsmacht endgültig den Koppelsberg. Die Kirchenjugend nahm die sanften Hügel sofort in ihren Besitz, der 1948 von der Familie Moll der nordelbischen Landeskirche übereignet worden war. Der damalige Landesjugendpastor Otto von Stockhausen stand auf der Anhöhe mit Blick über den Kleinen Plöner See. Das Panorama mit viel weniger Bäumen als heute ließ in ihm eine Idee aufkommen: An dieser Stelle muss eine Kapelle gebaut werden.

 Ende Juli 1953 stellten junge Männer und Frauen zunächst ein großes Holzkreuz auf, griffen danach zum Spaten und hoben Fundamente und Keller für die neue Kapelle aus. Der Arbeitseinsatz war etwas Besonderes für diese Zeit. Jugendliche aus vielen anderen Ländern halfen mit beim Bau. Ein Zeichen der Verbundenheit der christlichen Kirchen der Welt und ein Zeichen der Aussöhnung mit Deutschland. Zur ersten Gruppe gehörten neben vielen Deutschen auch vier US-Amerikaner, drei Schweizer, zwei Holländer, ein Franzose, ein Italiener, ein Chinese und ein Finne. Nur acht Jahre zuvor hatten ihre Väter noch aufeinander geschossen. Drei große internationale Camps, ausgerichtet vom Weltkirchenrat, gab es in Plön. Dann war die Kapelle 1955 fertig. 96000 DM hatte sie gekostet.

 Es waren nicht nur Christen, die Steine schleppten, Mauern verfugten und Holzbalken setzten. Die Chronik vermerkt, dass auch zwei junge Muslime aus Nordafrika in Plön halfen. Sie wurden damals als „muselmanische Freunde“ bezeichnet. Ein Begriff, der heute unangenehm wirkt, damals aber nicht böse gemeint war.

 In der bunten Mischung der Menschen, die zu den Camps kamen, sieht der heutige Pastor auf dem Koppelsberg Manfred Grosser eine Botschaft, die heute ebenfalls hoch aktuell ist. Menschen aus unterschiedlichen Kulturen oder ehemalige Kriegsgegner könnten Freunde werden, wenn sie sich erst kennenlernen würden. Und wo ginge das besser als bei gemeinsamer Arbeit.

 Die Kapelle ist bis heute lebendiger Teil der Kirchenarbeit auf dem Koppelsberg. Jeden Sonnabend ist um 17.30 Uhr Gottesdienst für die Gruppen der Bildungsstätte. Es kommen dazu Konfirmanden, die noch einen Gottesdienststempel benötigen. Sogar Hochzeiten hält Pastor Grosser in der Kapelle ab.

 Mit einem großen Tag der offenen Tür am Sonntag, 26. April, feiert die Kirche das Jubiläum von 11 bis 17 Uhr. Den Festgottesdienst hält Bischof Gothart Magaard.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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