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Pastor dreht Film über die Gemeinde

Kühren Pastor dreht Film über die Gemeinde

Filme über Preetz-Süd und Nettelsee hat er schon gedreht. Jetzt beschäftigt sich Pastor Christoph Pfeifer mit der Geschichte der Gemeinde Kühren. In den nächsten Wochen wird er wieder mit seiner Kamera unterwegs sein, um alte Fotos abzulichten und Interviews aufzuzeichnen.

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Pastor Christoph Pfeifer (Foto oben, Dritter von rechts) interviewt für seinen Film über Kühren auch Otto Timmermann (von links), Axel Graf von Bülow und seine Frau Armgard sowie Renate und Jonny Rehder. In den nächsten Wochen wird er mit seiner Kamera in der Gemeinde unterwegs sein, um alte Fotos, wie beispielsweise das alte Schloss (Foto unten), abzulichten.

Quelle: Silke Rönnau

Kühren. Die Idee für den neuen Film kam ihm im vergangenen Jahr beim 84. Geburtstag von Otto Timmermann, dessen Familiengeschichte eng mit dem Gut verknüpft ist. „Hier auf dem Gut beginnt die Geschichte der Kührener“, erzählt Pfeifer bei einem Treffen im Herrenhaus der Familie von Bülow. Schon 1220 wurde die Adelsfamilie von Kuren erwähnt.

Die ersten Vorgespräche für den Film hat Pastor Pfeifer bereits geführt. „Ich merke, dass die Leute begeistert in ihre Geschichte eintauchen“, sagt er. Sie berichten von ihren Exkursionen, als sie noch Kinder waren, vom Unterricht auf dem Dorf, vom Alltagsleben, der Kyffhäuser-Kameradschaft oder dem Ausflugslokal Waldlust. „So viele Zeitzeugen haben wir nicht mehr, die von früher erzählen können“, meint Jonny Reder (70), der vor drei Jahren eine Chronik über die Gemeinde geschrieben hatte. „Dat ward Tied“, fügt Otto Timmermann trocken hinzu.

Mit seinem Projekt will Pfeifer an die Chronik anknüpfen. Er filmt alte Gebäude oder Fotos und lässt die Menschen dazu erzählen. „Ich betrachte das als lebendige Seelsorge“, sagt der Pastor. Er wolle die Menschen auf ihrem Gang durch ihre eigene Lebensgeschichte begleiten. „Für mich ist es etwas Kostbares, gemeinsam die Wurzeln zu entdecken.“ Das Gut sei ein ganz wesentlicher Baustein in der Geschichte vieler Familien. Noch in den 50er-Jahren waren dort bis zu 50 Angestellte beschäftigt.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen mit einem Schlag viele Flüchtlinge in die Gemeinde“, so Pfeifer. Sie wurden zunächst im Schloss untergebracht, während die Familie in das Herrenhaus direkt auf der Gutsanlage – das ehemalige Forst- und Verwalterhaus im Fachwerkstil – zog. Das ehemalige Schloss in einer großen Parkanlage wurde 1967 wegen Baufälligkeit abgerissen. Auch im Herrenhaus war das Mauerwerk trotz Renovierungsarbeiten marode geworden. Es wurde 1996 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Kurz nach Kriegsende gab es eine tragische Geschichte. „Der Bruder meines Schwiegervaters wurde von Plünderern erschossen“, erzählt Armgard Gräfin von Bülow. Timmermann hatte den Grafen angerufen und mitgeteilt, dass Einbrecher auf Wilhelminenhof seien. Dieser eilte mit dem Verwalter von Senden dorthin und forderte die Einbrecher auf, sich zu ergeben. Es kam zu einem Schusswechsel, bei dem der Graf tödlich am Kopf verletzt wurde und von Senden einen Durchschuss im Gesicht erlitt.

Ein Kapitel soll sich auch mit dem Bahnhof beschäftigen. Der Gutsbesitzer errichtete ab 1892 eine Fabrik zur Herstellung von Ofenkacheln und Tonwaren. Für den Bau des Charlottenwerks wurde extra ein neues Gleis verlegt. 20 bis 30 Menschen sollten dort arbeiten. Um Arbeitskräfte von außerhalb anzulocken, übernahm der Graf die Kosten für einen 50 Meter langen Bahnsteig. Ab 1894 hielten alle Personenzüge in Kühren. Der Ort entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel für die Großstädter. 1954 kam es zu einem Zugunglück: Ein Personen- und ein Eilzug prallten frontal zusammen, ein zwölfjähriges Mädchen starb. „Den Knall hat man bis nach Preetz gehört“, so Timmermann.

Pfeiffer will bis zum Sommer an seinem Projekt arbeiten. Alle Clips werden anschließend zusammengeschnitten. „Wenn der Film fertig ist, werden wir ihn im Bugenhagenhaus zeigen“, kündigt er an. Wer noch alte Geschichten erlebt hat, kann sich gerne bei ihm unter Tel. 04342/7991151 melden.

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Ein Artikel von
Silke Rönnau
Ostholsteiner Zeitung

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