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Der Auszug der Flüchtlinge

Landesunterkunft in Lütjenburg Der Auszug der Flüchtlinge

Die vorerst letzten neun Flüchtlinge haben am Donnerstag die Landesunterkunft in Lütjenburg verlassen. Taxis fuhren sie weiter nach Kiel, Ratzeburg und Kühren bei Preetz. Die Unterkunft steht aber weiterhin für den Fall bereit, dass wieder mehr Menschen nach Deutschland kommen.

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Sara Rezai und ihre Tochter Leila (8) verlassen als vorerst letzte Flüchtlinge die Landesunterkunft in Lütjenburg.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Lütjenburg. Die zwei afghanischen Familien und ein iranischer Bürger kamen Ende Mai nach Lütjenburg. Mit großer Herzlichkeit verabschiedeten sie sich nun von den DRK-Betreuern, den Kräften der Security und der Polizei, die auf dem Gelände eine eigene Station betrieben hat. Manche umarmten sich, tauschten Telefonnummern aus, um weiter in Kontakt zu bleiben. Ein „Danke“ und „Alles Gute“ waren oft zu hören. Eine DRK-Mitarbeiterin gab zwei kleinen Mädchen Geschenke mit auf den Weg: Stifte, Tuschkasten, Pinsel, Creme und Fingernagelschmuck. Als die Taxis mit etwas Verspätung losfuhren, winkten sich die Abreisenden und die zurückbleibenden Helfer zu.

„Die Familien sind glücklich, dass sie den nächsten Schritt hier in Deutschland machen“, sagte Jürgen Willenbrecht, der Leiter der Unterkunft. Die Zeit des Wartens und der Ungewissheit in der Unterkunft seien zunächst vorbei, auch wenn die Asylanträge der Betroffenen noch abgelehnt werden können.

„Ich bin den Lütjenburgern sehr dankbar“, lobte Willenbrecht die Bürger der Stadt. Er habe sie als verständnisvoll, sehr offen und positiv erlebt. Als Beispiel nannte er die große Spendenbereitschaft in der Bevölkerung für die Kleiderkammer der Einrichtung. Auch der Kontakt zu Bürgermeister Dirk Sohn sei immer eng und vertrauensvoll gewesen. Willenbrecht sieht in der Landesunterkunft und den Menschen, die hier untergebracht waren, ein Stück Stadtgeschichte, an das man sich erinnern wird.

Die Unterkunft mit rund 1100 Betten ging am 7. Dezember 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle in Betrieb. Sie entstand in fünf Mannschaftsquartieren der früheren Schill-Kaserne. Die Kapazitäten wurden allerdings zu keinem Zeitpunkt im vollem Umfang benötigt, weil schon im März die Balkanroute geschlossen wurde. In Spitzenzeiten lebten in Lütjenburg nur knapp 500 Syrer, Afghanen oder Iraker, bevor sie den Kommunen zugewiesen wurden.

Die vorläufige Schließung hat Konsequenzen für die Mitarbeiter. Die Verträge der DRK-Kräfte laufen zum Ende des Jahres aus. Es wird überlegt, sie an anderer Stelle in der Flüchtlingsarbeit einzusetzen. Ben Salem vom DRK Ostholstein arbeitet gerade an einem Konzept. Er fände es schade, wenn das mehrsprachige Team seine Erfahrungen in der Integration nicht weiterhin einbringen könnte. „Wir haben die Menschen nicht nur betreut, sondern mit ihnen gelebt.“

Die Unterkunft wird nun in Bereitschaft gehalten, um bei höheren Flüchtlingszahlen schnell wieder Wohnraum zur Verfügung zu haben. Wie lange dieser Stand-by-Modus aufrecht erhalten wird, steht im Augenblick nicht fest.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Schekahn
Ostholsteiner Zeitung

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