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Lebenslang für Mord an Schwägerin

Landgericht Kiel Lebenslang für Mord an Schwägerin

Sie tötete ihre Schwägerin mit 17 Messerstichen auf offener Straße. Die kleine Tochter des Opfers musste die Bluttat in Schönkirchen mit ansehen. Nun verurteilte das Landgericht Kiel eine 39-Jährige wegen Mordes. Doch es bleiben Fragen offen.

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Sie tötete ihre Schwägerin mit 17 Messerstichen auf offener Straße. Nun verurteilte das Landgericht Kiel die 39-Jährige wegen Mordes.

Quelle: dpa

Kiel. Für die tödliche Messerattacke auf ihre Schwägerin in Schönkirchen im Kreis Plön ist eine 39-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Kiel sprach die Angeklagte am Freitag des heimtückischen Mordes schuldig. Mit gesenktem Haupt nahm sie das Urteil auf. Die neun Jahre alte Tochter des Opfers hatte die Bluttat im September 2015 mit ansehen müssen.

Ursprünglich war die Frau von der Staatsanwaltschaft wegen Totschlags angeklagt worden. Die Richter werteten das Geschehen aber nicht als spontane Messerattacke, sondern als Mord. „Die Voraussetzungen der Heimtücke sind erfüllt“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann in seiner knapp zweistündigen Urteilsbegründung. Die Frau sei zielgerichtet vorgegangen.

Die Kammer folgte damit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Die Verteidigung hatte dagegen auf acht Jahre für Totschlag im Zustand verminderter Schuldfähigkeit plädiert. Nach Ansicht des Gerichts war sie jedoch voll schuldfähig.

Laut Brommann sind in dem Verfahren jedoch „viele Fragen offen geblieben“. Das Gericht habe Schwierigkeiten bei der Aufklärung des Sachverhalts gehabt. Mehrere Angehörige hätten geschwiegen, eine Zeugin habe die Unwahrheit gesagt. Hintergrund der Messerattacke sollen familiäre Streitigkeiten gewesen sein. Die 39-Jährige war demnach erbost darüber, dass ihr späteres Opfer kurz nach dem Tod des Ehemannes ein Verhältnis zu einem anderen Bruder der Angeklagten eingegangen war.

Am Tattag soll es zunächst zu einer verbalen, dann körperlichen Auseinandersetzung vor dem Wohnhaus des Opfers gekommen sein. Im Verlauf des Streits stach die Frau nach Ansicht des Gerichts schließlich mit einem Küchenmesser, das sie mitgebracht hatte, 17 Mal auf ihre arglose Schwägerin ein. Diese habe nicht damit rechnen können. Für sie sei der Streit „nach einem Monat des Schweigens“ längst vorbei gewesen, sagte Brommann. Das Opfer habe rücklings auf dem Boden gelegen und habe sich nicht wehren können.

Die Angeklagte stellte das Geschehen während des Prozesses anders dar: Sie will am Tatabend in einen Wagen gestiegen sein, um damit von der Tankstelle Getränke zu holen. In einem vorbeifahrenden Auto habe sie dabei aus den Augenwinkeln ihre Schwägerin gesehen und spontan beschlossen, ihr zu folgen. Sie habe diese wegen Beleidigungen wie „Schlampe“ zur Rede stellen wollen. Als diese ein Messer gezückt habe, habe sie es ihr entwenden können und zugestochen. Sie habe während der Auseinandersetzung gerufen: „Ich werde Dich töten“.

Nach Darstellung des Gerichts sind die Aussagen der Angeklagten aber widerlegt. „Sie hat bewusst die Unwahrheit gesagt“, sagte Brommann. Die Richter stützten sich bei der Rekonstruktion des Tatablaufs vor allem auf die Aussagen der neunjährigen Tochter des Opfers. Sie erklärte, ihre Tante sei plötzlich aufgetaucht und über ihre Mutter hergefallen.

Bei einem Ortstermin an einer Kieler Stadtvilla, in der die 39-Jährige lebte, hatten Anfang Juni Richter, Schöffen, Staatsanwalt, Nebenkläger und Verteidiger geprüft, ob die Version der Angeklagten stimmen könnte. Das Gericht glaubte die Version der Frau letztlich nicht, sondern ging davon aus, dass die Angeklagte nahe des Tatorts auf ihr Opfer gewartet hatte.

In ihrem letzten Wort hatte sich die Angeklagte bei den Hinterbliebenen für die Tat entschuldigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung kann binnen einer Woche Revision beantragt werden.

dpa

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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